Wolfgang Marcus
Der folgende Aufsatz ist sicherlich noch weiter zu verbessern.
Aufsätze zur Familie Bredenoll
Über die Familie (von) Bredenoll sind schon zahlreiche Aufsätze geschrieben worden. Hier eine kleine Liste:
- Steimann, Rudolf, Zur Geschichte der Familie von Bredenoll-Hille-Steimann, Münster 1921
- Steimann, Rudolf, Aus der Vergangenheit eines uralten Geschlechtes: von Bredenol; in: HB 18 (1936), S. 45
- Steimann, Rudolf: Die von Bredenoll in Lippstadt, in: Heimatblätter 19. Jg. (1937), 23.5.1937
- Das alte Haus (betrifft: Bredenoll-Haus), in: Hellweg und Haar, Beiträge zur Heimatkunde des Kreises Lippstadt, Heft 8 (Hrsg.: Schulrat Wulfert), Lippstadt 1958, S.69/70
- Marcus, Wolfgang, Deelenbalken erinnert an das alte Bredenollsche Haus in Bad Westernkotten; in: Vertell mui watt, Ausg. 38
- Peters, Maria/Schildt, Margit, Unwiederbringlich – Alte Kirche und Bredenollsches Haus, in: Festschrift 100 Jahre kath. Pfarrgemeinde Bad Westernkotten, Bad Westernkotten 2002, S. 27ff
- Marcus, Wolfgang, Westernkötter Södder werden Erbsälzer. Erbmeierbrief von 1663 gibt Aufschluss, in: Jahrbuch für Salzgeschichte, 10/11 2005/06, S.89-96
- Marcus, Wolfgang, Zur Geschichte der Westernkötter Erbsälzerfamilien, in: Lippstädter Heimatblätter 2006, S. 49-62
- Alberts, Stefan, Der Erbstreit der Familien Bredenoll um die Saline Westernkotten, in: Geseker Heimatblätter, Nr. 499, Juni 2008, S. 121-126
- Peters, Maria, Ein Westernkötter im Dienste August des Starken [Peter Christian von Bredenoll betreffend], Lippstädter Heimatblätter 2008, S.119-121
- Heine, Sophia†: Der Zusammensturz des Bredenollschen Gradierwerkes vor 100 Jahren (1917) in: JB 2017, S. 110 – 112
- Marcus, Wolfgang, Kruzifix an der Bredenollgasse 1 wieder aufgestellt – Erinnert an Zusammenbruch der Bredenollschen Gradierwerks; in: JB 2018
- Marcus, Wolfgang: Wappensteine der Familie von Bredenoll in „Pastors Garten“ wieder aufgebaut; in: JB 2020
Fotos und Texte im Bestand von Maria Peters
Der Bestand ist sehr umfangreich. Ich habe ihn hier auf Wesentliches und Neues reduziert.
Foto des Bredenollschen Hauses:

Fotos von Rudolf Steimann und Rittmeister Peter Christian von Bredenoll


Rudolf Steimann etwa 1898


Schriftverkehr zwischen Heinrich Eickmann und Rudolf Steimann
Auch einige Briefe von Rudolf Steimann an den Heimatforscher Heinrich Eickmann finden sich im Bestand von Frau Peters. Sie hat sie von Maria Eickmann aus dem Nachlass ihres Schwiegervaters bekommen.
Herr Steimann hat spätestens seit dem 24.1.1948 in Neuss in der Graf-Landsberg-Straße 3 gewohnt. Ich habe hier als Beispiel einen Brief abfotografiert:


Dabei geht es auch um einige Epitaphe in der Jakobi-Kirche in Lippstadt.



Dazu transkribiert Maria Peters ein beiliegendes Schreiben: „Folgende Mitteilung wurde ebenfalls dem Briefwechsel Rudolf Steimann/Heinrich Eickmann aus dem Jahr 1951 entnommen. „Die von mir entdeckten und auf meine Anregung inventarisierten und fotografierten Epitaphien (Grabplatten) des Georgen (Jürgen) von Bredenol, gestorben 19. May 1577 und 1. Ehefrau Christina von Bredenol, gest. 9. Sept. 1578 geb. von Schorlemer genannt Clüsener befindet sich in der Jacobikirche in Lippstadt (erster im Turm-Eingang, letzter vor dem Kanzel-Pfeiler). (…) Rudolf Steimann [Quellen: Archiv Eickmann, Bad Westernkotten]
Aufsatz von Walburga und Georg Spieker-Bredenoll
Im Bestand von Maria Peters fand ich noch einen Aufsatz der letzten Nachfahrin der Familie Bredenoll, die noch den Namen trägt. Hier die Textüberschrift eingescannt und der Texte transkribiert:

1749 schrieb v. Steinen in seiner Westfälischen Geschichte ,,Die Familie Bredenoll, Besitzer großer Güter zur Mark, Rodenberg, Rhade etc. ist ausgestorben!“ Dass dem bis heute nicht so ist, verdanken wir Erenfried I., gen. der Blinde. Er war nicht nur Marschall von Westfalen, sondern wurde auch zu mancher Bekundung berufen. Er vertrat die Interessen des Erzbischofs von Köln.
Im Jahre 1287 wurde er z.B. als Schiedsrichter zwischen Köln und Paderborn eingesetzt: Es ging um die Einkünfte aus dem Salzhandel von Geseke und Salzkotten.
Es ist die Zeit, in der die Einnahmen der Ritter schrumpften, sodass sich manch Edler als Raubritter durchschlug, bis er selbst erschlagen wurde. Auch ein Haudegen der Bredenolls ,,Ritter Adolf“ musste in Dortmund auf dem Markte Urfehde schworen.
Zudem war die Rodenburg, auf Erenfried als Burgmann mit 6 Mark Jahresrente eingesetzt war, zum Zankapfel zwischen Mark und Köln geworden, bis sie 1301 zerstört wurde. (Zum Burglehen gehörten weitere Einkünfte: 1 Mark aus dem kölnischen Hof zu Menden, der Hof zu Selhusen, das Gut zome Spithouse und Herrmanns Gut zu Brachem.)
In dieser Zeit bemühte sich Erenfried um Teilhabe an der Gewinnung des „weißen Goldes“. Durch sein überregionales Ansehen hatte er wohl auch Erfolg, dass er von Köln und dem Erzbischof von Paderborn Rechte an einer Pfanne in Erwitte – Westernkotten zugeteilt bekam.
So zog es einen Teil derer von Bredenoll an den ,,Halweg“. 1325 das erste Mal in dieser Region belegt: Heydenreich von Bredenoll verpfändet Renten aus seiner Saline zu Westernkotten.
Sie sind in der neuen Heimat aber nicht nur Burgmannen, Bauern und Sälzer, sondern bestimmen von 1406 bis 1494 auch als Ratsherren und Bürgermeister maßgeblich das Leben von Lippstadt.
Das Ende dieser Familie mit einer tausendjährigen Geschichte beginnt mit dem Bau eines großen Hauses neben der Kirche in Westernkotten. Laurentius Bredenoll (1665-1732) und Anna Groll errichteten es im Jahre 1714.
Sie hatten 12 Kinder. Laurentius vererbte sein Vermögen gegen Ende seines Lebens dem 8.ten Kind, Erenfried, Christian, Laurentius Bredenoll (1710-1791). Er war von Beruf Priester.
Dieser richtet einen ,,Fideikommiss“ ein, eine Art Stiftung, bei der das Grundvermögen der Familie nicht durch Verkauf etc. geschmälert werden darf, und übergibt die Saline seinem Neffen Friedrich Anton (1737-1806).
Dieser ergänzt 1806, gegen Ende seines Lebens, den Fideikommiss[1] und überträgt die Befugnisse seinem Bruder Caspar (1752-1806), setzt aber seinen Neffen Laurentius als nächsten Verwalter ein.
Caspar stirbt 1808, während seine Frau Adolfine geb. Ley ihn um 23 Jahre überlebt. Auf und vom Salzhof in Westernkotten leben um 1811 die Mutter, Witwe von Caspar, Laurentius, ihr Ältester, schon mit Josepha Mantell, eine Juristentochter, verheiratet (seit 1806) und deren S6hne Theodor und Herman. Der Zweitgeborene Anton, mit seiner Cousine Albertine Ley verheiratet, hat auch schon eine Tochter: Therese. Ob alles friedlich zuging?
Ich denke, Adolfine wollte klare Verhältnisse schaffen, zumal ihr der elterliche Hof, der Mitrops- oder Walrabenerbhof genannt wurde, in Erwitte, zugefallen war.
Sie kaufte im Jahre 1812 für die Familie von Laurentius am Hellweg vor dem Ostentor in Geseke das Anwesen eines Dr. med. Reen. Bis 1820 erwarb man auch noch den Nachbarhof. So hatte man am eng bebauten Hellweg in der Stadt Platz für eine breite Auffahrt und konnte ein Gebäude für 25 Pferde und Unterkünfte für Knechte und Postillione bauen.
Der Hellweg war gerade als Reichsstraße ausgebaut und mit der Lizenz von Thurn und Taxis konnte die Familie für Laurenz eine Posthalterei für die Ostweststrecke Hildesheim – Aachen einrichten. Bis zur Lizenz hatte man sein Brot in Geseke mit einer Weinhandlung verdient. Bruder Franz Anton bewirtschaftete mit Mutter und 6 Kindern die Saline in Westernkotten und den in der Nähe liegenden Hof der Mutter, den späteren Posthof in Erwitte.
Er war mit der Lizenz von Thurn und Taxis die Poststation auf dem Weg von Lippstadt nach Arnsberg. Somit schien die Mutter künftige Auseinandersetzungen um Saline und deren Verwaltung aus der Welt geschafft zu haben.
Aber es kam anders! Nach dem Tode der Mutter trat das ein, was sie unter Umgehung des Fideikommisses verhindern wollte: Obwohl Onkel Friedrich Anton dem Laurentius die Verwaltung des Fideikommisses vererbt hatte, war Niesbrauch und Verwaltung der Saline bei Anton geblieben.
Laurentius hatte schon 3 Söhne und eine Tochter. Bruder Anton, vier Töchter. Laurentius befürchtete, dass das durch Fideikommiss bestimmte Gemeineigentum durch Heirat in fremde Hände gelangen würde und begann die Familie seines Bruders mit Prozessen zu überziehen.
Das Fideikommiss sollte wieder in die Hände eines Bredenoll, seinem Sohn Theodor gelangen, obwohl als Erben nur die unverheirateten Töchter des Anton eingesetzt waren.
Es ging wohl nicht um Vermögen und Erträge, obwohl die Saline 1845 um die 10000 — 15000 Mark im Jahr erbrachte, sondern um Verletzungen, wie bei den meisten Erbprozessen, bei denen kein Vergleich möglich ist, wie er 1845 vom Gericht vorgeschlagen wurde.
Die Jahrzehnte dauernden Prozesse verliefen irgendwann (ohne Abschluss) um 1850 im Sand. Als Ursache kann man die Fertigstellung der K6ln-Mindener Eisenbahn vermuten. Bergsalz konnte nun billig per Bahn herangeschafft werden und die Poststationen waren auch überflüssig. Den Bredenolls waren die guten Einnahmequellen genommen.
In Geseke reduzierte man die Pferde auf drei und widmete sich wieder dem Weinhandel und der Gaststätte, in der das eigene Bier ausgeschenkt wurde.
Einzelne Postfahrten wurden nach Aussagen von Tante Berta, die auf dem Posthof nach dem Tode unseres Großvaters aufwachsen musste, auch noch bis 1900 durchgeführt.
In Erwitte …
In allen Generationen überwog in der Kinderzahl der Bredenoller die Anzahl der Mädchen. So hatte Laurentius in Geseke 9 Mädchen und 3 männliche Nachfolger. Ferdinand, Student, stirbt mit 18 Jahren. Wilhelm, unser Großvater stirbt mit 47 Jahren ein halbes Jahr nach der Geburt seines Sohnes Carl. Herman wird nur 11 Jahre alt.
Auf dem Posthof in Geseke lebten um 1900 sechs unverheiratete Schwestern mit dem Kind ihres verstorbenen Bruders. (Schwester von Carl, unsere Tante Berta)
Wovon??? …von der Substanz.
1933 starb die letzte Bredenoll, Franziska. Gustav Wirsel +1945, der Sohn der Schwester Luise, wickelt den Posthof ab. Er vermietet ihn an den Weiblichen Arbeitsdienst. Am 26.06.1938 verkaufte er ihn an die Stadt Geseke. Im Jahr darauf beriet der Rat über seinen Abbruch. Dieser verschob sich durch Kriegsbeginn 1939 auf 1972. Das Barockgeländer des Treppenhauses konnten wir noch retten und es schmückt jetzt unser altes Forsthaus in Möhnesee. Viele Unterlagen, von denen der Boden des Gepäckspeichers voll war, schaffte ein Heimatkundler ins Stadtarchiv von Geseke.
Der letztgeborene männliche Namensträger Carl Bredenoll starb 1972. Seine Tochter Maria Bredenoll verheiratete Proske lebt in Köln. Walburga Bredenoll verheiratete Spieker lebt heute in Dortmund.
Walburga und Georg Spieker-Bredenoll, Obere Brinkstraße 25, Dortmund, im März 2011
Schriftverkehr zwischen Frau Peters und Walburga und Georg Spieker-Bredenoll

Foto und Zeichnungen aus dem Buch zum 100-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde



Entwurf des Dombaumeisters Matern für den Umbau des Bredenollschen Hauses in ein Pfarrzentrum (Ansicht Westen und von Süden)
[1] Ein Fideikommiss (lateinisch fidei commissum „zu treuen Händen belassen“) ist ein historisches Rechtsinstitut im Erbrecht, das die Zersplitterung von Vermögen verhinderte. Es diente dazu, Grundbesitz oder Vermögen einer Familie ungeteilt, unveräußerlich und für die Ewigkeit fest zu binden. Das bedeutet: Unveräußerlichkeit: Das Vermögen durfte weder verkauft, belastet noch aufgeteilt werden. Erbfolge: Die Nachfolge war starr geregelt, oft nach dem Prinzip der Primogenitur (der älteste Sohn erbte den gesamten Besitz). Nießbrauch: Der jeweilige Besitzer (Fideikommiss-Besitzer) durfte das Gut nur nutzen und die Erträge verbrauchen, war aber nicht der freie Eigentümer.