Hollenbeck-Koers – das alte Querdeelenhaus steht unter Denkmalschutz

Wolfgang Marcus

Der ehemalige Bauernhof Hollenbeck-Koers lag am heutigen Hockelheimer Weg 7. Ich fasse hier diverse Angaben zusammen. Herzlichen Dank an Elisabeth Hollenbeck, die heute dort mit ihrem Mann wohnt und mir etliche Informationen gab.

Wortbedeutung des Namens „Hollenbeck“

Hollenbeck ist ein norddeutscher Familien- und Ortsname, der sich auf eine Siedlung an einem bestimmten Bach bezieht. Der Name zeigt an, dass die erste Familie mit diesem Namen aus einem Ort namens Hollenbeck stammte. Solche Ortschaften liegen in Norddeutschland, zum Beispiel in der Nähe von Hamburg oder Ratzeburg. Der Name stammt aus dem Niederdeutschen (Plattdeutschen) und setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Beck“ oder „Beek“: Dies ist das niederdeutsche Wort für einen Bach. „Hollen“: Dies leitet sich vermutlich von einer Vertiefung ab, also einem Tal oder einer Mulde (wie eine Hölle oder ein Hohlweg), oder bezieht sich direkt auf den Namen eines alten Baches wie die Hollebeeke. Ein bekanntes Beispiel ist Hollenbeck (Harsefeld), ein kleiner Ortsteil im Landkreis Stade in Niedersachsen. Der Ort wurde nach dem Bach benannt, der durch das Dorf fließt.

Abb. 1: Hollenbeck ist ein Ortsteil der Gemeinde Harsefeld im Landkreis Stade (Niedersachsen) mit etwa 650 Einwohnern. Zu Hollenbeck gehört auch der Weiler Klein Hollenbeck, der an der Aue liegt. [Luftbild aus Wikipedia, Zugriff: 18.09.2026]

Hausbesitzer mit Namen „Hollenbeck“ in Westernkotten in der Urkatasterkarte des Jahres 1828

Der Name „Hollenbeck“ findet sich auf mehreren Siedlungsflächen im Süden von Westernkotten. Sie liegen alle im Nahbereich des jetzigen Hauses Hollenbeck-Koers.

Abb. 2: Kartenausschnitt aus dem Urkataster von 1828

Die Karte ist nicht genordet, sondern geostet, und räumlich nicht ganz einfach zuzuordnen. Rechts ist „Holzweg“ eingetragen, darüber ein Grundstück, auf dem „Wilhelm Hollenbeck“ zu lesen ist, wahrscheinlich die Fläche, auf der heute der ehemalige Bauernhof „Hollenbeck-Bals“ steht. Nördlich davon Flächen, auf denen „Heinrich Hollenbeck“ oder „Wilhelm Hollenbeck“ oder „Bernhard Hollenbeck“ eingetragen ist. Nur bei „Wilhelm Hollenbeck“ und „Heinrich Hollenbeck“ sind Häuser eingezeichnet. Es muss also damals schon mindestens zwei Zweige der Familie Hollenbeck mit nicht einfach zu rekonstruierenden Grundstücken gegeben haben. Ich vermute, dass das damalige Haus des Wilhelm Hollenbeck etwa auf dem Grundstück des heutigen Hauses Hollenbeck-Koers stand, aber später abgerissen und 1869 durch einen Neubau ersetzt wurde.

Aussagen aus der Broschüre „Bad Westernkotten – Historischer Rundgang“, 2. Aufl. 2011

Von dem ehemaligen Hof steht noch das Querdeelenhaus am Hockelheimer Weg 7, schräg gegenüber der Schäferkämper Wassermühle.

Abb. 3: Das Querdeelenhaus vor der Sanierung (Aufnahme: Archiv der Heimatfreunde)

Abb. 4: Aufnahme 2011 von Dieter Tuschen

Das Haus Hockelheimer Weg 7 ist ein wunderschönes und noch fast vollständig erhaltenes Fachwerkquerdeelenhaus von 1869. Der Deelenbalken nennt als Erbauer die Eheleute Caspar Hollenbeck und Elisabeth Henkenmeier. Der Westgiebel ist massiv. Im Inneren des Gebäudes ist die Grundrissstruktur des 19. Jahrhunderts (Ausstattung, Treppen und Türen) weitgehend erhalten, so dass das Gebäude Zeugnis ablegt für die Wohn- und Wirtschaftsweise der ländlichen Bevölkerung im Raum Erwitte zu jener Zeit. Der linke Teil des Gebäudes war der Wohntrakt, an den sich rechts die Deele anschloss, vom Wohntrakt direkt zu erreichen. Auf die Deele mit dem großen vorderen Deelentor konnte der Erntewagen gefahren werden, von dem aus Heu, Stroh und Korn direkt vom Wagen auf den das ganze Gebäude überspannenden Dachboden transportiert werden konnten. Das (ursprünglich vorhandene) hintere Deelentor war etwas kleiner, da die dann nicht mehr beladenen Wagen nicht so viel Raum brauchten. Rechts an die Deele anschließend befanden sich die Viehställe. Weitere Stallungen sowie eine separate Scheune wurden später errichtet. Die ungefähre ursprüngliche Grundriss-Struktur mit Aufmaßen ist der Abbildung zu entnehmen.

Abb. 5: Das Haus ist 1987 in die Denkmalliste der Stadt Erwitte eingetragen worden.

Der links vom Haus stehende, ebenfalls 1987 in die Denkmalliste eingetragene Sandstein-Bildstock des 18. Jahrhunderts ist Zeichen barocker Volksfrömmigkeit. Das Heiligenhäuschen steht seit 1904 an dieser Stelle. Als Westernkotten 1902 eigene Pfarrei wurde, war damit auch das Recht zur Durchführung einer eigenen Fronleichnamsprozession verbunden. Auf Initiative des damaligen Pfarrers [und wohl auch der damaligen Bäuerin Friederike Hollenbeck geb. Berglar] wurde der Bildstock aus der Feldflur westlich von Westernkotten, wo es an einem alten Wallfahrtsweg von Bökenförde nach Werl gestanden haben soll, an diese Stelle umgesetzt, um fortan eine Station der Fronleichnamsprozession zu bilden. Der schlichte Sockel zeigt an der Vorderseite ein Relief, das den unter dem Kreuz fallenden Christus darstellt. Darüber befindet sich eine Heiligennische, gerahmt von Pilastern und #ddikuladhnlichem Abschluss mit IHS-Zeichen. Die Pfeiler tragen Spuren von Sicheln, die daran geschärft wurden. In der Nische eine weitere Kreuzwegdarstellung: Maria und Johannes unter dem Kreuz. Nach einer alten mündlichen Überlieferung sollen die Verstümmelungen an den Figuren aus der Zeit der Streifzüge des Christian von Braunschweig im 30jährigen Krieg stammen, was auf eine deutlich frühere Entstehung des Bildstockes hindeuten würde. Der Bildstock wurde 1994 grundlegend restauriert. Der landwirtschaftliche Betrieb wurde im August 1983 nach Störmede umgesiedelt. Die Ländereien werden seit dieser Zeit von Störmede aus bewirtschaftet.

Hofeigentümer waren:

  • Caspar Hollenbeck und Elisabeth Henkemeier (Deelenbalken-Inschrift vom 22.6.1869)
  • Franz Hollenbeck ca. 1890 bis zu seinem Tod 1927. Dann führte seine Witwe Friederike bis 1949 den Hof weiter. Franz Hollenbeck war von 1878 bis 1885 auch Schützenoberst und von 1886 bis 1888 Major in Westernkotten.
  • Franz Hollenbeck (geb. 15.1.1908, †3.1.1971) 1949 bis zu seinem Tod 1979
  • Franz Hollenbeck (*1952) 1979 – 1983. Dann folgte die Hofverlagerung nach Störmede.

Abb. 6: Bei den Umbauarbeiten

Abb. 7: Das wunderbar sanierte Haus Hollenbeck-Koers. Im Hintergrund ist ein neues Gebäude an dem Standort errichtet worden, an dem sonst eine Scheune von Hollenbeck stand. Rechts im Bild eine Bruchsteinscheune des Nachbargrundstücks.

Abb. 8: Blick von Südosten auf das Haus Hollenbeck.

Totenzettel von Hollenbeck-Koers

Insgesamt gibt es auf der Homepage der Westdeutschen Gesellschaft für Familienurkunde 29 Totenzettel zu Hollenbeck (Stand: 13.08.2026). Ich habe nur die mit Bezug zu Westernkotten herausgesucht. Da es ja neben Hollenbeck-Koers in Bad Westernkotten auch Hollenbeck-Bals gibt, bin ich mir nicht immer ganz sicher, ob die Zuordnung richtig ist.

Abb. 9: Die Verstorbene Elisabeth Hollenbeck geb. Gockel war die Frau von Franz Hollenbeck und die Mutter von Franz, Elisabeth und Anette . Abb. 10: Landwirt Franz Hollenbeck war der vierte Hofeigentümer, der in dem heutigen Haus wohnte. Er ist der Vater von Franz, Elisabeth und Anette Sellmann geb. Hollenbeck.

Abb. 11: Bei diesem Landwirt Franz Hollenbeck handelt es sich um den dritten Besitzer des heutigen Hauses. Seine Frau Friederike hat ihn mehr als 32 Jahre überlebt.

Abb. 12: Friederike Hollenbeck war die Frau vom dritten Hofeigentümer Franz Hollenbeck, †1927.

Abb. 13: Fritz Hollenbeck habe ich persönlich auf dem Hof Hollenbeck-Koers kennengelernt.