Wolfgang Marcus
Auch Lippstadt und Umgebung werden immer wieder von Hochwassern bedroht; das erleben wir seit Heiligabend 2023 wieder aufs Neue („Weihnachtshochwasser“), besonders im Raum Cappel oder auch im Norden meines Heimatortes Bad Westernkotten. – Ich wurde an ein sehr altes Hochwasser-Ereignis erinnert, die sogenannten sogenannte Katharinenflut, die am Namenstag der heiligen Katharina von Alexandrien (25.11.) im Jahr 1890 über große Teile Westfalens hereinbrach.
Im Patriot fand ich einige Artikel, die unmittelbar an das Hochwasser erinnerten. Sie sollen im Folgenden zitiert werden [mehr Infos unter: https://heimatverein-badwesternkotten.de/]
Im Patriot vom 3.12.1890 heißt es: „„Cappel b. Lippstadt, 1. Dez. Vorige Woche war Cappel hoch überschwemmt. Am Montag den 24. früh morgens trat der Kanal der Boker-Heide über die Ufer und östlich und südlich drang das Wasser stromweise in Cappel. In mächtigen Wogen wälzte sich der Kanal seiner Mündung der Glenne zu. Die Glenne (welcher auch noch von oben durch den Kanal der Boker-Heide Wasser zugeführt wird) staute sich auf, und bereits mittags drang auch das Wasser von Westen in Cappel. In wenigen Stunden stand alles unter Wasser und ist dadurch für Cappel ein großer Schaden entstanden, weil sämmtliche Winterfrüchte verloren sind. Infolge des Durchbruches des Abends bei Lipperode und Lippstadt, wälzten sich abermals mächtige Wasserwogen alles mit sich fortreißend des Nachts Cappel zu, und am andern Morgen standen alle Wohnungen hoch im Wasser, und nur mit der größten Mühe hat jeder sein Vieh noch gerettet außer einigen Schweinen, welche ertrunken sind. Cappel bietet heute noch einen trostlosen Anblick dar, alles steht noch unter Wasser und Eis. Der Schaden für Cappel ist unberechenbar. Es sei auch hier noch erwähnt die aufopfernde Liebe, welche den Cappelern erwiesen. Herr Cosack von Mentzelsfelde fuhr persönlich per Kahn mit der größten Anstrengung, Strom und alle Hindernisse bekämpfend, von Haus zu Haus und versah die Leute mit Nahrungsmitteln. Dem Herrn Cosack und allen denjenigen, welche sich ihrer Nachbaren so liebevoll angenommen haben sei hiermit öffentlicher Dank ausgesprochen.“
Im Patriot vom 30.11.1890 ist folgende Anzeige zu lesen: „In Folge der Überschwemmung und der hinzugetretenen grimmigen Kälte sind manche Familien vorerst nicht im Stande, sich ein warmes Mittagsessen zu bereiten. Die bisherigen Wohn- u. Kochräume sind ja unbenutzbar geworden, die Speisevorräthe, Kartoffeln sc. zum Theil verfroren oder sonst verdorben. Das kathol. Hospital, welches seit Kurzem täglich gegen 200 Portionen warmes Essen unentgeltlich verabreicht, ist bereit, das gute Werk noch einige Zeit fortzusetzen, wenn ihm die nöthige Unterstützung zu Theil wird. Wer dazu etwas beitragen will, wolle seine Gabe in die Hände der ehrw. Schwester Ida niederlegen. Lippstadt, 28. November 1890. Das Curatorium des kath. Hospitals: Cramer“
Alles macht mir deutlich, wie wichtig Hochwasserschutzmaßnahmen sind, gerade auch in den aktuellen Zeiten des Klimawandels: Schaffung von Überschwemmungsflächen, die als natürliche Retentionsräume wirken, die große Mengen an Wasser aufnehmen und zurückhalten können; Begrenzung der Bebauung; Entsiegelung von Flächen, Rückhaltebecken wie an der Pöppelsche uvm.
Und ich bin den Menschen dankbar, die mir schon früh beigebracht haben, wie wichtig solche Maßnahmen sind: Ich denke beispielhaft an Dr. Henning Vierhaus von der ABU, Dr. Ulrich Detering (Dezernent für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung Arnsberg mit Sitz in Lippstadt), aber auch Christian Hoffmann, unseren Umweltfachmann bei der Stadt Erwitte, der sich vor allem auch um den Trotzbach in Horn-Millinghausen usw. gekümmert hat. Dank auch an die vielen Helfer (Feuerwehr, THW uvm.) in unserem Land!
Hochwasserschutz kostet Geld und viel Ausdauer, keine Frage. Aber das ist in aller Regel gut angelegtes Geld. Und es rettet Leben! Wir alle sind gefordert, beim Hochwasserschutz mitzuhelfen!