2010: Meinwerk erhält 1027 den Königshof

Wolfgang Marcus

„Für Königtum und Himmelreich“

Bischof Meinwerk sicherte der Paderborner Kirche vor 1000 Jahren umfangreichen Besitz im Raum Westernkotten-Erwitte

[Erstabdruck: Marcus, Wolfgang, Für Königtum und Himmelreich. Die Schenkung des Königshofes an Bischof Meinwerk 1027 und ihre Auswirkungen auf den Raum Westernkotten, in: Heimatblätter 2010, S. 17-20]

Im Jahre 1027 schenkte der damalige Kaiser Konrad II. dem Bischof Meinwerk, der bereits im Jahre 1009 Bischof von Paderborn geworden war und dem Ende 2009/Anfang 2010 eine umfangreiche Ausstellung in Paderborn gewidmet war[1], den Königshof in Erwitte, zu dem neben etwa 1000 Morgen Land auch noch zahlreiche abhängige Bauernhöfe sowie unter anderem die Salzrechte in Westernkotten gehörten. Damit wurde die Paderborner Kirche zum größten Grundeigentümer in Westernkotten. Daraus resultierten zahlreiche Besonderheiten, aber auch Konflikte, die zum Teil bis heute ihre Auswirkungen haben.

  1. Zur Person Bischof Meinwerks[2]

Meinwerk wurde wahrscheinlich im Jahre 976 als Sohn des Grafen Imad und seiner Frau Adela geboren. Der Besitzschwerpunkt der Familie lag an der Weser, im Tal der Leine bei Göttingen sowie bei Nordheim und am Harzrand (Imbshusen=Imads-Hausen) sowie – über die Mutter – am Niederrhein nördlich von Kleve (besonders Burg Hoch-Elten bei Emmerich). Sein Stammbaum reicht sowohl bis zu Karl dem Großen als auch dem sächsischen Grafen Widukind zurück.

Da er der nachgeborene Sohn war, wurde er schon früh für den geistlichen Stand bestimmt. Er besuchte zunächst die Domschule von Halberstadt und dann die Schule am Dom zu Hildesheim. Dort begegnete ihm der spätere Kaiser Heinrich II., mit dem ihn eine lang währende Freundschaft verbinden sollte.

Von 1001 an war Meinwerk zunächst in Aachen Kaplan Kaiser Ottos III. Ottos Nachfolger Heinrich II. machte seinen Studienfreund Meinwerk dann zum Bischof von Paderborn: Als am 6. März 1009 Bischof Rethar starb, schlug Heinrich II. Meinwerk als seinen Nachfolger vor. Laut der Vita Meinwerci, der Lebensbeschreibung Bischof Meinwerks, übertrug er ihm das Bistum symbolisch durch die Übergabe eines Handschuhs:

„Nachdem die Sache lange geprüft und mehrere Kandidaten in Erwägung gezogen waren, schlug er Meinwerk vor, (…) ließ ihn rufen, lächelte ihn mit dem gewohnten Wohlwollen an, reichte ihm einen Handschuh und sagte: „Nimm!“ Als der zurückfragte, was er denn empfange, antwortete der König: „Die Paderborner Kirche!“ Schon am folgenden Sonntag, dem 13. März 1009, weihte Erzbischof Willigis von Mainz, zu dessen Kirchenprovinz das Bistum Paderborn gehörte, Meinwerk zum Bischof.

Bischof Meinwerk gilt nach Karl dem Großen als zweiter Begründer des Bistums Paderborn. Gemeinsam mit Bernward von Hildesheim kann man ihn unter den Reichsbischöfen seiner Zeit als bedeutendsten Mäzen von Kunst und Wissenschaft bezeichnen: „Er gab als Oberhirte, Architekt und Organisator nicht nur der Stadt Paderborn und dem Bistum ein neues Gesicht und baute zielstrebig die Grundlagen aus, auf denen seine Nachfolger zu Fürstbischöfen aufstiegen. Ob Vermögensverhältnisse, Domstift oder Klosterlandschaft – allen Institutionen des Bistums drückte er für lange Zeit seine Handschrift auf.“

Leben und Werk Meinwerks sind durch drei Schwerpunkte charakterisiert:

  • Kollege des Königs

„Für Königtum und Himmelreich“ – der Titel der Meinwerk-Ausstellung verweist auf die nicht zu trennende Doppelfunktion der Bischöfe in der Reichskirche des 10. und 11. Jahrhunderts. Die Bischöfe dieser Epoche hatten sowohl weltlichen wie geistlichen Aufgaben gleichermaßen nachzukommen. Entsprechend verstand Meinwerk sein bischöfliches Amt als Königsdienst und sah sich als Fürst des Reiches. Als Lehnsherr des Königs war er verpflichtet, Hofdienste zu leisten und bei kriegerischen Auseinandersetzungen des Reiches ein Kontingent an Soldaten zu stellen und zu begleiten. So begleitete er Heinrich II. sowie dessen Nachfolger Konrad II. bei mehreren Kämpfen gegen die Polen.

In der Regierungszeit Meinwerks bevorzugten Heinrich und Konrad Paderborn als Aufenthaltsort für den kaiserlichen Hof. Siebenmal bezog allein Heinrich II. mit Gefolge und den Großen seines Reiches zur Feier des Weihnachts- oder Osterfestes die Kaiserpfalz. Mit acht Aufenthalten überbot Konrad II ihn noch. Am deutlichsten drückt sich vielleicht das Engagement des Bischofs für König und Reich in der Teilnahme an Reichsversammlungen, Hoftagen und Synoden aus.

  • Bauherr in seinem Bistum

Bischof Meinwerk kann als der eigentliche Stadtplaner Paderborns gelten. „Er entwarf nach der Jahrtausendwende Paderborn in Form eines Kreuzes, dessen Schnittpunkt der Dom und dessen Balkenenden je ein Gotteshaus bildeten.“ [3]

  • Seelsorger und Leiter seines Bistums

Häufig bereiste Bischof Meinwerk sein Bistum und führte dabei Aufsicht über seine Geistlichen, prüfte den Glauben, bestärkte das Gute und erneuerte das Vernachlässigte. Erstmals ist aus Meinwerks Zeit auch eine Paderborner Diözesansynode belegt. Auf ihr wurden, wie allgemein üblich, mit den im Dom versammelten Bistumsklerikern über die Spendung der Sakramente, Predigt und Katechese sowie über das geistlich-sittliche Leben gesprochen.

Sehr intensiv kümmerte sich Meinwerk auch um das Klosterleben und korrigierte, wenn etwas nicht der Regel entsprach. Aus Meinwerks Zeit ist auch ein erster Festkalender des Bistums bekannt, in dem der 23. Juli als Fest des hl. Liborius hervorgehoben wird. Unübersehbar ist in diesem Kalender Liborius als Hauptpatron des Domes und des Bistums vorgestellt.

Groß war auch Meinwerks Sorge um das eigene Seelenheil. Das zeigte sich in seiner Fürsorge für seine Grabeskirche, die Abdinghofkirche. Noch bei der Stiftung der Busdorfkirche als Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche betonte er, dass er das „himmlische Jerusalem“ dadurch zu erlangen hoffe. Bischof Meinwerk starb am Vigiltag des Pfingstfestes 1036 (5. Juni) in der Felicianuskapelle, die er als seine Sterbekapelle hatte errichten lassen. Sein Todestag war der Tag des 200. Jubiläums der Ankunft der Reliquien des hl. Liborius.[4]

  1. Die Schenkung des Königshofs in Erwitte im Jahre 1027

Weshalb ist Meinwerk nun für unseren Raum so wichtig? – Hier ist eindeutig die durch Kaiser Konrad II. im Jahre 1027 vorgenommene Schenkung des Königshofes in Erwitte mit allen daran hängenden Besitztümern und Rechten an Meinwerk bzw. das Paderborner Bistum zu nennen.[5]

Bevor ich auf die Auswirkungen der Schenkung näher eingehe, soll der Stellenwert dieser Schenkungen in einem größeren Zusammenhang dargestellt werden.

Wie schon gesagt, leistete Meinwerk wie nahezu alle Bischöfe seiner Zeit den Kaisern seiner Zeit treue Dienste, etwa durch häufige Begleitung, Kriegsdienst oder auch die Bewirtung bei Aufenthalten (Reisekaisertum!). Dabei hat sich Meinwerk durch besondere Treue und Verlässlichkeit hervorgetan. Dafür entlohnten die Kaiser ihre Reichsbischöfe mit Reichsgütern, die häufig verschenkt, manchmal aber auch nur als Lehen vergeben wurde. [6] Meinwerk hat dabei deutlich auch Wünsche geäußert; denn mindestes schon seit 1015 hatte Meinwerk den Königshof in Erwitte ins Spiel gebracht. Aber erst unter dem Nachfolger Kaiser Heinrich II., Konrad II., sollte der Wunsch 1027 in Erfüllung gehen.

Die im Königsdienst erworbenen Einkünfte, Güter und Rechte vergrößerten die wirtschaftliche Basis für das bischöfliche Wirken erheblich, nicht nur für den Reichsdienst, sondern auch für den Bischofssitz und das Bistum. Bezogen auf den Königshof in Erwitte spielte sicherlich seine Lage am Westrand des Bistums Paderborn eine Rolle als auch die Aussicht auf reiche Erträge, insbesondere aus den Salzquellen in Westernkotten.

Umgekehrt hat aber auch Meinwerk Güterschenkungen vorgenommen. Hier ist besonders die Schenkung seines Gutes Bökenförde im Jahre 1005 an Heinrich mit Bitte um Weiterleitung an das Bistum Paderborn zu nennen, die Meinwerks Chancen auf den Bischofsstuhl in Paderborn deutlich erhöhten. Zum anderen hat Meinwerk durch zahlreiche Schenkungen aus seinem Familienbesitz[7] aber auch die wirtschaftliche Situation des Bistums erheblich verbessert.

  1. Wirtschaftliche Auswirkungen

Mit der Schenkung von 1027 gelangte nicht nur der Königshof in Erwitte in das Eigentum der Paderborner Kirche, sondern dazu zahlreiche vom Königshof abhängige Höfe, etwa 1000 Morgen Ackerland[8] in Westernkotten, Erwitte, Stirpe, Eikeloh und Langeneicke, diverse Rechte, Abgaben und insbesondere die Salzquellen in Westernkotten, auf die ich mich im Folgenden beschränken will.

Die Schenkung machte die Paderborner Bischöfe zum Obereigentümer der Solevorkommen in Westernkotten. Aus drei Brunnen wurde damals die Sole gefördert, die alle auf dem heutigen Königshof lagen. Wahrscheinlich hat Paderborn die Rechte an zwei Brunnen schon früh an aufstrebende Klöster vergeben, nämlich das Stift Meschede und das Prämonstratenser-Kloster Cappel.

Die Bischöfe förderten und siedeten das Salz aber nicht selber. Dieses Recht stand gegen Pachtzahlungen heimischen Familien zu.

Im Jahre 1312 werden 92 Salzhütten, in denen Sole verdampfte und Salz gewonnen wurde, erwähnt. Zunehmend war die Kleinproduktion aber nicht mehr rentabel, und die Zahl der Siedeberechtigten verringerte sich auf 15 (Pfannen). Die Zahl der „Pfänner“ oder „Salzinteressenten“, die um 1660 zu „Erbsälzern“ aufgestiegen waren,  reduzierte sich zum Schluss auf die folgenden fünf: a) das adlige Haus von Landsberg, b) die adlige Familie von Ense, von Schade und später von Papen, c) die adlige Familie von Bredenoll, d) die Familie Löper, e) die Familie Jesse.

Erst 1803, im Gefolge des Reichsdeputationshauptschlusses, verloren die Paderborner Bischöfe das Eigentum an der Sole: Neue Eigentümer wurden die Erbsälzer. 1949 musste die Salzproduktion eingestellt werden, die Pfannenanteile (83 von 84) kaufte die Solbad GmbH, die somit heute in der Rechtsnachfolge der Paderborner Kirche steht.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch noch, dass die Paderborner Bischöfe dem Ort Westernkotten auch den Namen gegeben haben. Aus Paderborner Sicht kam – nach Westen blickend – erst der Salzort Salzkotten, und dann – weiter westlich – der Westerenkotten, also das heutige Bad Westernkotten.

  1. Rechtlich-politische Auswirkungen[9]

Die zahlreichen Besitztümer der Paderborner Kirche im Raum Westernkotten-Erwitte – um 1685 zählten allein in Westernkotten 135 Hausbesitzer zu den Untertanen des Paderborner Bischofs[10] – führten dazu, dass daraus eine richtige Verwaltungseinheit wurde, das Amt Westernkotten-Erwitte. An seiner Spitze stand, als direkter Vertreter des Paderborner Bischofs, ein Amtmann. Eine eigene Rechtssprechung erfolgte durch den Amtsrichter, auch „Bauerrichter“ genannt.

Landesherrlich gehörte das Gebiet aber spätestens seit 1180 zum Herzogtum Westfalen, an dessen Spitze die Kölner Erzbischöfe standen. Aus diesem Gegensatz landesherrlicher und grundbesitzrechtlicher Interessen entstand ein mehrere hundert Jahre langer Streit, der erst im 17. Jahrhundert einigermaßen abschließend durch ein Urteil des Reichskammergerichtes geregelt wurden. Diese Spannungen fanden im kirchlichen Bereich ihre Fortsetzung.

Interessant in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die um 1506 um den Ort angelegte Landwehr zum Schutz der Saline und der Einwohner vom Paderborner Landdrost Ferdinand angelegt wurde.

  1. Kirchliche Auswirkungen

Die Kirche in Westernkotten ist von Anfang an eine Eigenkirche der Paderborner Bischöfe gewesen. Wahrscheinlich wurden die Steine aus der Kirchenruine in Ussen nördlich der Bökenförder Warte nach hier transloziert.

Die Mutterkirche in Erwitte, zu der Westernkotten pfarramtlich gehörte, unterstand aber dem Kölner Erzbischof. Hier waren die Konflikte vielleicht noch größer als im rechtlichen und polischen Bereich. So ist spätestens seit dem 30-jährigen Krieg das Bestreben der Westernkötter festzustellen, sich von der Mutterpfarrei zu trennen[11]. Dabei haben sich die beiden Orte und ihre Protagonisten nichts geschenkt, und es wurde „mit harten Bandagen gekämpft“. Dies änderte sich auch nicht, als Erwitte und Westernkotten 1803 unter die Landeshoheit von Hessen-Darmstadt und 1815 zu Preußen kamen, ebenso nicht durch die 1821 erfolgte Neuordnung der Bistümer, wodurch Westernkotten und Erwitte beide jetzt auch kirchenrechtlich von Köln zum Bistum Paderborn kamen.

1829 hatten die Westernkötter einen ersten großen Erfolg mit der Ernennung zur Vikarie, und 1902 konnte dann auf der Basis etlicher Zugeständnisse der politischen Gemeinde Westernkotten die Abpfarrung erfolgen. So war eine Folge dieses Kompromisses, dass die politische Gemeinde Westernkotten – und in ihrer Rechtsnachfolge die Stadt Erwitte – einen Beitrag zum Gehalt des Pfarrers zahlen musste und auch der Kirchturm lange Zeit städtisch war, bevor er  in den 1990er Jahren abgelöst wurde und durch Zahlungen des Landes NRW an die Kirche von Paderborn in kirchliches Eigentum überging.

  1. Schlussbemerkungen

So hat die Schenkung Kaiser Konrads an Meinwerk im Jahre 1027 bis in die jüngste Zeit Auswirkungen in unserem Raum. Und mit vielen kleinen Schritten sind wir dabei, die „alten Wunden“ zwischen Erwitte und Westernkotten, die mit eben dieser Schenkung zu tun haben, zu heilen. Aber 35 Jahre nach Gründung der gemeinsamen Stadt Erwitte sind wir hier schon entscheidende Schritte vorangekommen, und daran hätte sicherlich auch Bischof Meinwerk seine Freude.


[1] Vgl. den Ausstellungskatalog: Christoph Stiegemann/Martin Kroker: Für Königtum und Himmelreiche. 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn, Regensburg 2009

[2] vgl. zum Folgenden: Roman Mensing, Rudolf Becker, Karl Hengst, Ulrich Wagner, Die Kirche v. Paderborn, Heft 2, Straßburg 1996, 6-11

[3] Nähere Einzelheiten der Baupolitik Meinwerks: siehe Ausstellungskatalog (Fußnote 1)

[4] vgl. zu diesen Angaben auch den tabellarischen Lebenslauf

[5] vgl. den ins Deutsche übersetzten Text der Urkunde im Kasten. Entnommen: Stadt Erwitte (Hrsg.) 1100 Jahre Stadt Erwitte, Münster 1936, S. 120f

[6] Eine Liste der Schenkungen findet sich bei: Balzer, Manfred, Vornehm – reich – klug. Herkunft, Königsdienst und Güterpolitik Bischof Meinwerks; in: Stiegemann/Kroker, vgl. Anm. 1, S.88ff, hier S.

[7] ebd. S.90-93

[8] vgl. dazu Herberhold, Franz, in: 1100 Jahre Erwitte, Münster 1936

[9] vgl. dazu: Dalhoff, Ulrich, Das Paderbornische Amt Erwitte-Westernkotten, in: Bad Westernkotten. Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987, S. 50ff, dort auch eine Liste der bisher bekannten Amtsrichter.

[10] ebd. S.52

[11] vgl. dazu: Marcus, Wolfgang, Das Ringen der Kapellengemeinde Westernkotten um Selbständigkeit; in: 1902-2002. 100 Jahre Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist Bad Westernkotten, Anröchte 2002

  Bischof Meinwerk – tabellarischer Lebenslauf  
799 Karl der Große und Papst Leo III. gründen das Bistum Paderborn.
um 976 Meinwerk wird im niederländischen Gelderland geboren.
983 Rethar wird neunter Bischof von Paderborn.
983-1002 Otto III. regiert als deutscher König.
1000 Der Paderborner Dom wird bei einem großen Stadtbrand verheert.
1001 Meinwerk begleitet als königlicher Kapellan Otto III. auf dessen letztem Italienzug. Er wird wiederholt in kaiserlichen Urkunden erwähnt.
1002-1024 Heinrich II. regiert als deutscher König.
1002 Meinwerk dient weiter als königlicher Kapellan. Heinrichs Gemahlin Kunigunde wird am 10. August im Paderborner Dom zur Königin gekrönt.
1005 Meinwerk überlässt Heinrich II. sein Gut Bökenförde für eine Schenkung an die Paderborner Kirche.
1009 Meinwerk wird am 13. März zum zehnten Bischof von Paderborn geweiht.
1013/14 Meinwerk begleitet Heinrich II. auf dessen zweitem Italienzug.
1015 Meinwerk weiht am 15. September den wieder aufgebauten Dom.
1016 Meinwerk weiht die Benediktuskapelle als Keimzelle des Abdinghofklosters.
1017 Heinrich II. schenkt der Paderborner Kirche die Abtei Helmarshausen.
Meinwerk weiht die Bartholomäuskapelle bei der Kaiserpfalz.
1019 Heinrich II. überträgt der Paderborner Kirche das Kanonissenstift Schildesche.
1021/22 Meinwerk nimmt (wahrscheinlich) an Heinrichs drittem Italienzug teil.
1022/23 Heinrich II. weilt über Weihnachten und Neujahr das letzte Mal in Paderborn.
Meinwerk weiht am 2. Januar die Krypta der Abdinghofkirche.
1024-1039 Konrad II. regiert als deutscher König.
1026/27 Meinwerk begleitet Konrad II. auf dessen erstem Italienzug.
1027 Konrad II. schenkt in Rom der Paderborner Kirche den Königshof Erwitte.
1031 Meinwerk weiht am 2. November Kirche und Kloster am Abdinghof.
1036 Meinwerk weiht am 25. Mai die Jerusalemkirche und das Stift im Busdorf. Er stirbt am 5. Juni.
um 1165 Abt Konrad von Abdinghof verfasst die Vita Meinwerci, die Hauptquelle zu Bischof Meinwerk.
1376 Meinwerks Gebeine werden am 25. April aus der Krypta auf den Hochchor der Abdinghofkirche erhoben.
1810 Meinwerks Gebeine werden in die Busdorfkirche überführt.
1936 Meinwerks Grabplatte gelangt mit einem Teil seiner Gebeine in die Bischofsgruft des Domes.

 

 

Text der Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1027:

Kaiser Konrad schenkt der Paderborner Kirche den Königshof mit allen Rechten, auch an den Salzquellen in Westernkotten

Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Conrad, durch göttliche Gnade erhabener Kaiser der Römer. Wir haben erwogen und reiflich überlegt, es könne unseren von Sündenmakeln befleckten Seelen viel nützen, wenn wir zu göttlicher Ehre und Glorie die Kirchen Christi erhöhen, erbauen und mit unserem Vermögen bereichern.

In gleicher Weise haben wir erkannt, dass es zur Würde unserer kaiserlichen Macht gehört, denen, die uns im Kriege oder zu Hause gute Dienste geleistet haben, eine würdige Entschädigung für ihre Dienstbarkeit zu gewähren. Dieser Erwägung fehlte nicht der Wille (es auszuführen), sondern folgte, da wir zu solchem Tun sowohl die Macht wie die Mittel haben. Deshalb mögen Christi und unsere Getreuen allesamt wissen, dass wir durch die Fürbitte unserer geliebtesten Gattin Gisla, unseres Sohnes Heinrich, des Bischofs Bruno von Augsburg, des Markgrafen Herrmann und seines Bruders Ekkehard Gott zu Liebe und Ehre für das Heil unserer Seele der Paderborner Kirche, die zur Ehre der heiligen Gottesgebärerin Maria, des heiligen Märtyrers Kilian und des heiligen Bekenners Liborius geweiht ist, und ihrem Verwalter Meinwerk, der uns oft und sehr häufig und treu gedient hat, einen Hof mit Namen Erwitte, der zu unserem kaiserlichen Recht gehört, gelegen im Gau Engern und der Grafschaft des Markward, zu ewigem Besitz übergeben haben mit allen Hörigen beiderlei Geschlechts, die rechtlich dazu gehören, auch mit allen Zubehörungen, nämlich Hofstätten, Häusern, bebauten und unbebauten Äckern, Wiesen, Weiden, Wäldern, Jagden, mit wegsamen und unwegsamen Gelände, Steuern und Einkünften, Gewässern und Wasserläufen, Fischereien, Mühlen, festgestellten und noch festzustellenden Gerechtigkeiten, mit dem Bann und auch dem Markt, der bei eben demselben Hof gehalten zu werden pflegt, und mit allem Nutzen, der daraus hervorgehen kann.

Und damit diese unsere Schenkungsurkunde allezeit gesichert bleiben möge, haben wir diese darüber geschriebene Urkunde mit unserer Hand bekräftigt und mit dem Siegel besiegeln lassen.

Zeichen des Herrn Conrad II., des unbesiegten Kaisers.

Kanzler Odalrich hat es in Vertretung des Erzkaplans Aribo beglaubigt.

Gegeben am 7. Tage vor den Iden des April (7. April), in der 10. Indiktion, im Jahre der Geburt des Herrn 1027, im 3. Regierungsjahr des Herrn Conrad II., im 1. Kaiserjahre

Geschehen zu Rom.

[Zitiert nach: 1100 Jahre Erwitte, Münster 1936, S.120f]