1958: Bad Westernkotten, vom Salzort zum Kurort – Kurzer historischer Rückblick

Von: Klinkhammer, Ewald [aus: Bad Westernkotten. Ein Heimatbuch, Lippstadt 1958, S.197-207]

Kurzer historischer Rückblick

Das Gemeinwesen Westernkotten bildete mit seinen über 700 Jahre bekannten und ergiebigen Salzquellen und Salzwerken eines der wichtigen Glieder der sogenannten Salzstraße, die sich von Unna-Königsborn über Werl, Sassendorf, Westernkotten bis Salzkotten hinzieht.Urkunden aus dem 13. Jahrhundert bezeugen, dass man damals schon die Salzquellen ausbeutete. Im Jahre 1312 sollen in „Cothen“ (Hütte, Salzsiederhütte) bereits 92 Sudhäuser, in denen Salz gesotten wurde, bestanden haben. Die Dokumente der Westernkötter Sälzer geben nur verhältnismäßig geringen Aufschluss über die geschichtliche Entwicklung der heimischen Salzindustrie, über die an anderer Stelle berichtet wird. Jahrhundertelang haben die Einwohner von Westernkotten neben den Erträgnissen aus der Landwirtschaft überwiegend von der Salzgewinnung und vom Salzhandel gelebt.Im Jahre 1845 glaubte Domänenrat Geißler von der Gräflich-Landsberg‘schen Verwaltung, durch Bergbau Steinsalz aus dem Boden fördern zu können. Für die Bohrung legte man mehrere Mutungspunkte fest. Auf der „lsernen Schute“, in der Feldflur an der Gieseler, bestimmte Geißler eine Teufstelle.Monatelang sauste aus einem Rammturm ein mächtiger Bohrer in die Tiefe. Erdmassen und Steine, die der Meißel beim Aufschlagen zermahlte, wurden mit langen Eisenlöffeln aus dem Schacht herausgeholt. Aber je tiefer das Bohrloch wurde, desto mehr sah man sich in der Hoffnung getäuscht, jemals auf Steinsalz zu stoßen. Eines Tages drangen plötzlich gurgelnde Wassermassen in die Höhe. Die umstehenden Arbeiter waren zurückgewichen, ganz vom Wasser durchnässt. Als man aber merkte, dass es sich um eine starke Sole handelte, war die Freude groß. Statt des Steinsalzes war eine Quelle in ca. 300 Fuß – also in 8o Meter – Tiefe erbohrt, die selbsttätig eine starke Sole über Tag brachte.Im Dorf verbreitete sich die Kunde schnell von Haus zu Haus. Es bereitete große Schwierigkeiten, die Quelle abzufangen. Ausgehöhlte Baumstämme wurden über das Bohrloch gesetzt, auch hierin sprang das Mineralwasser empor und wurde schließlich durch Holzrohre dem neu angelegten Verteilungskasten zugeführt.Seit dem Jahre 1845 ist die äußerst kräftigen und an mineralischen Bestandteilen reiche Thermalsole nachhaltig gefördert und neben der Salzgewinnung für Heilzwecke nutzbar gemacht worden. Die erste Solebadeanstalt in Westernkotten ist von dem Rentmeister Erdmann ins Leben gerufen worden. Sie wurde anfangs recht primitiv betrieben und erst später nach dem Erwerb durch Karl Friedrich Wiese aus Erwitte weiter ausgebaut und mit maschinellen Anlagen versehen.Die Familie Wiese hat dann fast hundert Jahre den mittleren Heilbadebetrieb gut geführt. Eine volle Nutzung der Solquelle für Heilzwecke konnte aber wegen des beschränkten Solerechts nicht erfolgen.Bis zum Jahre 1949 diente die äußerst ergiebige Solquelle mit einer Schüttung von 90.000 Litern in der Stunde, in erster Linie der Siedesalzgewinnung, die bis zum Jahre 1932 30.000 Zentner und ab 1932 20.000 Zentner jährlich betrug.

Kriegerdenkmal

Neuere Entwicklung des Heilbades

Als im Jahre 1945 die meisten größeren Heilbäder durch die Besatzungsmächte belegt wurden, erwarb der Provinzialverband Westfalen die Besitzung Wiese und den Badebetrieb in Westernkotten, um auch in diesen schweren Zeiten wenigstens an einigen Plätzen vorbeugende Gesundheitsfürsorge zu betreiben. Es wurde ein Mütterheim mit etwa 50 Betten eingerichtet. Der Badebetrieb wurde im alten Badehaus Wiese zunächst provisorisch weitergeführt.Die Saline Westernkotten mit der vorzüglichen Solquelle, den aufstehenden drei Gradierwerken und dem umschließenden Grundbesitz von rund 30 Morgen, war inzwischen in den Besitz des Markgrafen von Meißen übergegangen. Infolge der drückenden Steinsalz-Konkurrenz war die Siedesalzgewinnung auch auf modernem Wege nicht mehr wirtschaftlich. Der Generalbevollmächtigte des Markgrafen von Meißen hatte daher den Auftrag, den gesamten Grundbesitz, erforderlichenfalls parzelliert, zu veräußern. Hierdurch entstand die Gefahr, dass neben der Salzgewinnung auch das seit 100 Jahren betriebene Solbad zum Erliegen kam.Weitsichtige Bürger der Gemeinde Westernkotten, unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Duwentester, setzten sich mit Amtsbürgermeister Pehle und Amtsdirektor Hebenstreit in Erwitte in Verbindung, um zu erreichen, dass der gesamte Grundbesitz der Markgrafen von Meißen mit allen Solerechten gekauft würde. Die Vertreter der örtlichen Gebietskörperschaften erkannten die Notwendigkeit, sämtliche Grundflächen für die Allgemeinheit zu sichern.Trotz der angespannten Finanzlage stellten sowohl die Gemeinde Westernkotten als auch das Amt Erwitte zu diesem Zweck einen Betrag von je 25.000 DM zur Verfügung. Der Provinzialverband Westfalen legte großen Wert auf die Bildung einer gemeinnützigen Gesellschaft, die unter Beteiligung der örtlichen Körperschaften den Ausbau des Heilbades betreiben sollte.Herr Landeshauptmann Dr. h. c. Salzmann und der zuständige Dezernent, Herr Landesrat Paasch, waren im Interesse der Volksgesundheit eifrige Förderer des schwierigen, aber gedeihlichen Aufbauwerkes. Zu den selbstlosen Förderern zählte besonders Herr Landrat Laumanns, Lippstadt, dem es durch seine Bemühungen gelang, dass sich auch die benachbarten Städte Lippstadt und Geseke und die Ämter Anröchte und Störmede an der neu zu gründenden „Solbad Westernkotten GmbH“ mit namhaften Beträgen beteiligten. Trotz mancher parlamentarischen Schwierigkeiten in den Sitzungen des Kreistages und der Ratsherren der Stadt Lippstadt, fanden sich alle örtlichen Gebietskörperschaften in schöner kommunaler Solidarität zusammen und brachten insgesamt 150.000 DM für den Erwerb des Grund- und Bodens, der Gradierwerke und der Solquelle auf. Der Provinzialverband förderte diesen kommunalen Zusammenschluss mit Sacheinlagen in gleicher Höhe. Er baute bis zum Jahre 1950 das vorhandene Kurhaus und die Nebengebäude mustergültig aus und richtete ein Mütterheim mit 6o Betten ein. Das frühere Badehaus Wiese wurde in zweckmäßiger Weise erweitert und zählt heute zu den technisch und balneologisch einwandfrei eingerichteten Kurmittelhäusern des Landes.In Anwesenheit des Herrn Landeshauptmanns, des Herrn Regierungspräsidenten von Arnsberg, des Präsidenten des Deutschen Bäderverbandes konnte das Bade- und Kurhaus im Frühjahr 1950 feierlich eingeweiht und der Heilbadebetrieb in verstärktem Umfang aufgenommen werden.Die ärztliche Leitung des Heilbades sowie des Provinzialmütterheimes übernahm der Badearzt Dr. med. Albert Bisping, der sich als praktischer Arzt in Westernkotten niedergelassen hatte. Als Geschäftsführer der Badegesellschaft wurde der Kurdirektor Ewald Klinkhammer, Bad Waldliesborn, bestellt, der seine Erfahrungen seit 1948 in den Dienst der neuen Gesellschaft gestellt hatte.

Grundlage des Heilbades

Die kohlensäurereiche starke Thermalquelle mit 87g gelöster Bestandteile in 1 kg aus der 1845 erbohrten natürlichen Quelle bildet die Grundlage für die erfolgreichen Badekuren. Nach einem Gutachten des Geologischen Landesamtes – Amt für Bodenforschung – in Krefeld aus dem Jahre 1952 wird die Heilquelle in Westernkotten als „kohlensäurereiche Thermalsole“ bezeichnet. Sie entspringt aus den zirkulierenden Salzwässern in den klüftigen Kalken des Turons und des Cenomans aus einer Tiefe von 78 Meter. Die Temperatur beträgt 23° C, die Ergiebigkeit 90.000 l/Std. Die gelösten Bestandteile ergeben nach den neueren Analysen insgesamt 87.160 mg/kg: an Kochsalz 77.130 mg/kg und an freier Kohlensäure 1.385 mg/kg.Neben dem hohen Gehalt an natürlich wirksamer Kohlensäure ist das Vorhandensein verschiedener heilkräftiger Salze, wie Natrium- und Calzium-Chlorid, Ferrohydrokarbonat sowie Calzium-Sulfat besonders zu erwähnen. Wie gesagt, sind in einem Liter Thermalsole 87,16g gelöster Bestandteile enthalten. Das bedeutet, dass in einem Sole-Vollbad 61 Pfund gelöster Stoffe enthalten sind. Nach neueren Untersuchungen durch das Geologische Landesamt kommen im Westernkottener Heilwasser die wirksamen Bio-Spurenelemente, wie Kupfer, Mangan, Zink und Brom, die immer mehr in den Mittelpunkt der balneologischen Forschung dringen, in erheblichen Werten vor.

Die Heilanzeigen des Bades nach der wissenschaftlichen Heilquellenlehre

1. Herz- und Kreislauferkrankungen: Herzen mit Arbeitsinsuffizienz, Herzmuskelschäden mit und ohne Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen, Hochdruck, Unterdruck und Arteriosklerose.

2. Rheumatische Erkrankungen: Alle chronischen rheumatischen Beschwerden der Gelenke, Muskeln und Nerven.

3. Erkrankungen der Luftwege: Unspezifische, chronische und allergisch bedingte Katarrhe der oberen und tieferen Luftwege.

4. Frauenkrankheiten: Frauenkrankheiten mit chronischen Adnex-Entzündungen und Menstruationsstörungen, vegetative Unterleibsstörungen.

Kurmittel

Die eisen- und kohlensäurereiche Thermalsole wird jetzt genutzt für Bade-, Trink- und Inhalationskuren. Außerdem wird die Quellkohlensäure zu Kohlensäure-Gasbädern genutzt. Als ergänzende Behandlungen kommen Fango- bzw. Moorpackungen, Unterwasserstrahlmassagen, Hand- und Bindegewebsmassagen infrage. Die Einführung von Moorbädern und Moorpackungen ist beabsichtigt, da das etwa ein Kilometer vom Kurort entfernt liegende Muckenbruch-Moor nach der Analyse des Chemischen Laboratoriums Fresenius vom 22. Oktober 1956 in die Gruppe der Moorerden einzuteilen und als Badetorf zu verwenden ist.

KureinrichtungenIn dem neu hergerichteten Kurmittelhaus (Badehaus), das den modernsten Anforderungen in technischer und balneologischer Hinsicht entspricht, sind 18 Badezellen für Thermalsolbäder, 2 Badezellen für C02=Trockengasbäder sowie die erforderlichen Räume für Nebenkurformen, wie Inhalations- und Massageräume, vorhanden. Das neue Kesselhaus ist mit modernsten maschinellen Anlagen versehen.Als weithin sichtbares Wahrzeichen der alten Salzgewinnungsstätte ragen im Kurpark zwei in Betrieb befindliche Gradierwerke 12 Meter hoch auf, die der natürlichen Emanation dienen.Eine Grundvoraussetzung für jede kurörtliche Betätigung wird durch die Anlage eines großen, schönen Kurparks geschaffen, der von Jahr zu Jahr durch planmäßige Baumanpflanzungen und gärtnerische Anlagen die Aufgabe übernimmt, dass die kranken und erholungsbedürftigen Kurgäste in einer ruhigen, besinnlichen Umgebung auf schattigen Park- und Wanderwegen ihren gleichmäßigen, harmonischen Lebensrhythmus wiederfinden können. Der natürliche Kurpark zwischen Gieseler und Mühlenbach wird eine Größe von 12 Hektar umfassen.Naturnahe Ländlichkeit, in Verbindung mit der überaus beruhigenden Atmosphäre eines ausgesprochenen Heilbades, üben auf den gehetzten Berufs- und Großstadtmenschen eine nachhaltige, heilsame Wirkung aus, weil sie ihm ein erquickendes Gefühl des freundlichen Geborgenseins verleihen. Als mittleres Heilbad ist Westernkotten auf strengen Kurbetrieb eingestellt, ohne dass die notwendige Unterhaltungsmöglichkeit fehlt.Eine schöne Kleingolfanlage und mehrere Federballplätze im Kurpark geben die Möglichkeit zu aufgelockertem, leichtem Ausgleichssport. Noch im Jahre 1958 wird im vorderen Teil des Kurparks eine größere Mehrzweckhalle in lichtoffener Bauweise entstehen. Vorgesehen ist eine Trink- und Wandelhalle mit Aufenthaltsräumen, Lese-, Spiel- und Schreibzimmer mit anschließender Pergola und halboffenen Wandelgängen.

Zweck und Ziel des Bades

                                                               19501957
1. Bettenzahl       78     248
2. Übernachtungen10.26242.231
3. Kurgäste: Stationäre     388 1.822
                      Ambulante 1.387  989
4. Abgegebene Heilbäder an Stationäre                                                An Ambulante   1.775 16.982 2.811 28.218
5. Abgegebene sonstige Kurformen (Inhalationen, Massagen usw.) 1.71613.413
Privatgäste 19 Prozent, Sozialgäste 81 Prozen

Das Kommunalbad Westernkotten, in Rechtsform einer GmbH., hat als gemeinnütziges Unternehmen folgenden Zweck: „Die Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege und der vorbeugenden Heilfürsorge“.

Dass die Solbad Westernkotten=GmbH ihre Zielsetzung, die natürlichen, ortsgebundenen Kurmittel als differente Kurmittel in besten Formen in den Dienst der Volksgesundheit zu stellen, erfüllt und sich eine Vertrauensbasis in der näheren und weiteren Öffentlichkeit in wenigen Jahren erworben hat, geht aus den nachstehenden statistischen Zahlen hervor:

Jeder Kurgast erhält im Durchschnitt zehn bis elf Heilbäder und vier bis fünf sonstige Kurformen bei einer Durchschnittsaufenthaltsdauer von 26 Tagen – ein nachhaltiger Beweis für ein ernsthaftes Heilbad.

Das Kurhaus

Bedeutung des Fremdenverkehrs für die örtliche Wirtschaft

Die geschilderte Entwicklung der Gemeinde Westernkotten vom Salzort zum Kurort, mit den vorgenannten statistischen Zahlen über das Wachsen des Heilbades, unterstreicht klar die Bedeutung des Fremdenverkehrs für die örtliche Wirtschaft. Im Jahre 1957 haben über 2.800 Kurgäste stationäre und ambulante Kuren in Westernkotten durchgeführt. Unter Berücksichtigung aller Fremdenverkehrsleistungen ist in diesem Jahr ein Gesamtumsatz von etwa 1,3 Millionen DM erzielt worden, der zum größten Teil der örtlichen Wirtschaft zugutekommt. Bei der ländlichen Struktur der Gemeinde, etwa je zur Hälfte landwirtschaftliche und kleingewerbliche Betriebe, fällt der zunehmende Kur- und Badebetrieb finanziell immer stärker ins Gewicht, zumal örtliche Industriebetriebe nicht vorhanden sind. In einem Fremdenverkehrsort bilden sich mehr selbständige Existenzen als in anderen Orten gleicher Größenordnung. Die wirtschaftliche Bedeutung des Kurortes beginnt bei der Gastronomie und den Fremdenheimen, die stetig zunehmen, wie das starke Anwachsen der Bettenzahl zeigt. Der zusätzliche Gesamtumsatz aus der Fremdenverkehrsleistung wirkt sich weiter bei den einschlägigen Handwerksbetrieben und Einzelhandelsgeschäften durch verbesserten Absatz aus.Auch die örtliche Landwirtschaft kann ihre Veredlungsprodukte zum Teil am Orte wirtschaftlicher verwerten. Bemerkenswert ist auch, dass von den ortsansässigen Arbeitnehmern, die in einer Gesamtzahl von über 400 in den benachbarten Industriebetrieben in Lippstadt und Erwitte arbeiten, eine ganze Reihe in ihren Eigenheimen Fremdenzimmer einrichten und dadurch ihren Lebensstandard verbessern.Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der wachsende Kurbetrieb der in einer geschlossenen Ortschaft zusammengeschlossenen Gemeinde mehr und mehr das wirtschaftliche Gepräge gibt.Der Kurort und die kommunale EntwicklungSeit der Einrichtung des kommunalen Bades hat sich das Ortsbild des Dorfes Westernkotten durch den Ausbau des in guten Bauformen gehaltenen und im Innern gediegen und zweckmäßig ausgestatteten Kurhauses wesentlich geändert. Das von gepflegten gärtnerischen Anlagen umgebene Kurhaus mit dem Badehaus bildet den pulsierenden Mittelpunkt des Kurlebens.In den letzten Jahren sind weitere neue, gediegene Gasthöfe und Kurpensionen entstanden. Die Verwaltung und der Rat der Gemeinde haben durch den Ausbau der Ortsstraßen und durch die Herrichtung von Grünanlagen in weitsichtiger Planung dazu beigetragen, dass sich das Ortsbild von Jahr zu Jahr vorteilhafter entwickelt.Auch die überörtlichen Gebietskörperschaften, wie der Kreis Lippstadt und die Straßenbauverwaltung des Landschaftsverbandes Westfalen, haben durch den großzügigen Ausbau der Zugangsstraßen und durch einschneidende Straßenbegradigungen mitgewirkt, dass Westernkotten mit seinen zahlreichen alten, schönen Fachwerkhäusern immer mehr das Bild eines anheimelnden Kurortes erhält. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Einwohner des Ortes durch die Anlage von Vorgärten und Blumenanpflanzungen diese Entwicklung unterstützen.

Entwicklung zum Volksbad

Der überraschende Aufstieg des früheren kleinen Solbades zu einem anerkannten und erfolgreichen Heilbad ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass Westernkotten am Rande des westfälischen Industriegebietes liegt und sich auf Grund der ausgezeichneten kohlensäurehaltigen Thermalsolquelle zu einem bekannten Herzheilbad in ruhiger Lage entwickelt hat. Die öffentliche Gesundheitsfürsorge des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, die zuständigen Landes-Versicherungsanstalten und namhafte Industriewerke von Rhein und Ruhr haben die Bedeutung erkannt, die den vorzüglichen Heilschätzen des Bades zukommen. Sie verstärken von Jahr zu Jahr ihre Kurentsendungen nach Westernkotten.Die soziale Umschichtung der Bevölkerung erfordert, dass die Kur- und Fremdenverkehrsleistungen so billig wie möglich gewährt werden, damit die werktätigen Bevölkerungsschichten erfasst werden können. Die Preise für Kurmittel, für Unterkunft und Verpflegung usw. sind in Westernkotten verhältnismäßig niedrig, weil die vorhandenen Badeeinrichtungen und der Bettenraum infolge der guten Frequenz wirtschaftlich gut ausgenutzt werden. Für tadellose volle Pension sind 8,- bis 10,- DM zu zahlen. Eine normale Kur von vier Wochen erfordert einen Kostenaufwand von rd. 360 bis 400 DM für volle Pension, Kurtaxe, Heilbäder und Arztkosten. Die Preise in den örtlichen Gaststätten Kurhausentsprechen einem angemessenen ländlichen Preisniveau, so dass sich auch die Nebenausgaben für die Kurgäste in erträglichen Grenzen halten.Die gesetzlichen Versicherungsträger und die Fürsorgebehörden erhalten auf die an sich mäßigen Kurmittelpreise einen Nachlass von 20 Prozent. Durch die gekennzeichnete, vernünftige Preisgestaltung erfüllt das gemeinnützige Unternehmen die Aufgaben eines „sozialen Volksbades“. Auf Grund der Gemeinnützigkeit des Unternehmens sind nachhaltige Gewinne nicht zu erwirtschaften. Das Unternehmen erzielt aber seit der Gründung volle Kostendeckung und erwirtschaftete die planmäßigen Abschreibungen, so dass das Vermögen der Gesellschaft erhalten bleibt.Nach dem sichtbaren Aufschwung des Heilbades sind inzwischen alle skeptischen Stimmen verstummt, die bei der Gründung des Unternehmens erhebliche jährliche Verluste als sicher unterstellten.Im Hinblick auf die 700-Jahrfeier der Gemeinde im Jahre 1958 hat der Rat der Gemeinde bei der Landesregierung den Antrag gestellt, den Gemeindenamen in „Bad Westernkotten“ umzuändern. Bei der nachgewiesenen balneologischen und wirtschaffliehen Bedeutung des Heilbades würde die erbetene Änderung des Gemeindenamens einem echten Bedürfnis entsprechen.Zur organischen Weiterentwicklung des Salzortes Westernkotten zum Kurort gehört es, ständig bemüht zu sein, den gesamten Kurbetrieb und die Fremdenverkehrsbetriebe mustergültig zu führen und das Gebotene auf gleicher Höhe zu halten. Mit der fortschreitenden Technik und dem wirtschaftlichen Aufstieg wird es schließlich das Bestreben aller Beteiligten sein, die bisherigen guten Leistungen möglichst noch zu steigern.Es ist ja die große gesundheitliche Aufgabe der Heilbäder, dass im Zusammenwirken der Heilschätze, welche die gütige Natur gespendet hat, gemeinsam mit bestmöglicher örtlicher Kurleistung, Menschen neue Kräfte geschenkt werden, die sie im harten Kampf des Alltags so notwendig brauchen.