2026: Wirkung und Bedeutung der „Weißen Rose“ aus der Sicht von Dr. Josef Henke

Wolfgang Marcus

Der komplette Aufsatz erschien in den Lippstädter Heimatblättern am 02.05.2026. Hier eine kurze Zusammenfassung aus meiner Sicht.

Hans (1918–1943) und Sophie Scholl (1921–1943) waren deutsche Studenten und Schlüsselfiguren der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ während des Zweiten Weltkriegs. Sie verteilten Flugblätter gegen den Nationalsozialismus, wurden am 18. Februar 1943 an der Münchener Universität verhaftet und am 22. Februar 1943 hingerichtet. Sie gelten heute als Symbole für mutigen Widerstand.

Sophie Scholl

Hans Scholl

Abwurfort von Weiße-Rose-Flugblättern in der Münchener Universität.


Der Aufsatz von Dr. Josef Henke verbindet persönliche Erinnerungen mit wissenschaftlichen Überlegungen zum Umgang mit den Quellen zur Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Ziel ist es, deren geistige Welt, Motive und Wirkung sowohl historisch korrekt als auch für spätere Generationen nachvollziehbar darzustellen.
Ein zentraler Ausgangspunkt ist Henkes Herkunft. Er wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Erwitte geboren und wuchs in einer katholisch geprägten Handwerkerfamilie in Erwitte auf. Diese Umgebung vermittelte ihm früh ein klares moralisches Wertegefüge, das stark durch den katholischen Glauben, kirchliche Traditionen und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben bestimmt war. Bereits im Elternhaus wurde der Widerstand gegen den Nationalsozialismus thematisiert, insbesondere anhand von Vorbildern wie Kardinal von Galen, den Männern des 20. Juli sowie der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Damit bestand eine geistige Nähe zwischen dem katholischen Milieu Erwittes und den Wertvorstellungen der Widerstandsgruppe.
In der frühen Bundesrepublik entwickelte sich die „Weiße Rose “zu einem zentralen Symbol für Mut, Gewissen und moralischen Widerstand. Für Henke und seine Generation stellten die Mitglieder der Gruppe wichtige Vorbilder dar. Gleichzeitig beschreibt er jedoch eine zunehmende Distanz: Die Darstellung, insbesondere durch Inge Scholl, idealisierte die Widerstandskämpfer stark. Sie erschienen als nahezu makellose Persönlichkeiten, deren moralische Reinheit und geistige Größe für viele junge Menschen kaum erreichbar waren. Diese Überhöhung erschwerte eine persönliche Identifikation.
Erst durch seine spätere Tätigkeit als Historiker im Bundesarchiv erhielt Henke Zugang zu neuen Quellen, darunter persönliche Briefe, Tagebücher sowie Gestapo- und Gerichtsakten. Diese Dokumente ermöglichten ein differenzierteres Bild der „Weißen Rose“. Die Mitglieder erscheinen nun nicht mehr ausschließlich als heroische Gestalten, sondern auch als Menschen mit Zweifeln, Ängsten und inneren Konflikten. Gerade diese menschlichen Seiten erhöhen nach Henkes Einschätzung die Glaubwürdigkeit und die Vorbildfunktion der Gruppe.
Ein weiterer Schwerpunkt des Aufsatzes liegt auf der Bedeutung historischer Quellenkritik. Henke betont, dass sowohl persönliche Dokumente als auch sogenannte Täterakten wichtige Erkenntnisse liefern können, sofern sie methodisch sorgfältig ausgewertet werden. Er warnt vor ideologischen Verzerrungen und fordert eine differenzierte, demütige Haltung gegenüber der Vergangenheit. Durch die neuen Erkenntnisse wird die „Weiße Rose“ für Henke neu erfahrbar. Die Widerstandskämpfer erscheinen als reale Menschen, deren Handeln aus einer Verbindung von christlichem Glauben, humanistischen Idealen und persönlicher Verantwortung hervorging. Diese Verbindung knüpft unmittelbar an Henkes eigene Prägung in Erwitte an.
Abschließend betont Henke die bleibende Bedeutung der „Weißen Rose “. Ihr Vermächtnis besteht nicht in einer unerreichbaren moralischen Perfektion, sondern in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und für Freiheit und Menschlichkeit einzutreten. Gerade durch eine realistische und differenzierte Darstellung kann dieses Vorbild auch für heutige Generationen wirksam bleiben.