2026: Mobilitätskonzept für Erwitte mit seinen 15 Stadtteilen

Wolfgang Marcus

Am 25.7.2025 erhielt ich von Franz Vollmer, einem gebürtigen Bad Westernkötter, der heute in Bad Iburg lebt, eine umfangreiche Broschüre mit dem Titel „Mobilitätskonzept am Beispiel der Stadt Bad Iburg“. Hier die Umschlagseite mit Hinweisen auf die vier innerörtlichen Hauptthemen „Fußwege, Radfahrverkehr, ÖPNV und MIV“:

Im Folgenden soll es darum gehen, dieses Konzept kurz vorzustellen. Vielleicht könnten manche Anregungen auf die Stadt Erwitte übertragen werden. Zunächst aber einige Infos zur Person Franz Vollmer. Bei den Zitaten habe ich auf genauere Quellenangaben verzichtet und Ergänzungen von mir in eckigen Klammern hinzugefügt.

  1. Zur Person Franz Vollmer

Franz Vollmer schreibt in der o.g. Broschüre – als Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Osnabrück: „Der Verfasser hat jahrelang im öffentlichen Dienst an unterschiedlichen Positionen gearbeitet. Seine beruflichen Erfahrungen schöpft er aus einer fast 25-jährigen Tätigkeit im Baudezernat einer mittelgroßen kreisangehörigen Stadt im Kreis Gütersloh. Ebenso übernahm er, neben der Tätigkeit im Stadtplanungs- und Bauverwaltungsamt, auch Verantwortung für den OPNV. – Komplettiert wurden seine beruflichen Erfahrungen als Bürgermeister einer kreisangehörigen Gemeinde im Landkreis Osnabrück [Bad Laer]. Im Rahmen dieser verantwortungsvollen und gestalterischen Aufgabe wurden ihm die vielfaltigen Beteiligungswünsche und Vorstellungen von Politik und Öffentlichkeit nochmals sehr deutlich. – Überdies hinaus hat ihn das Thema ‚Mobilität‘ seit dem Erwerb des Busführerscheins im Jahr 2011 (Klasse D/DE mit Kennziffer 95) auch privat sehr beschäftigt. Bis heute ist der Verfasser in den unterschiedlichsten Busunternehmen tätig. Gerade diese Tätigkeit vermittelt ihm einen sehr guten Einblick in den Alltag eines Busfahrers. Auch kann der Verfasser auf seine Tätigkeit bei einer

 Franz Vollmer

Tagespflegeeinrichtung verweisen. Im Rahmen dieser Beschäftigung hat er ältere Personen, die tlw. auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen waren, zu und von der Einrichtung gefahren. Daneben war er als Lehrbeauftragter an der Hochschule Osnabrück in der Fakultät Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur tätig und hat hier in den Sommersemestern 2020 und 2021 die Veranstaltung „Management in Planungsbüro und Verwaltung“ betreut. – All dies versetzte den Verfasser in die Situation theoretische und praktische Erfahrungen zu sammeln und zu festigen, die letztendlich in diese Ausarbeitung eingeflossen sind und sie ermöglicht haben.“

Und zu seiner Motivation schreibt er: „Der Verfasser wohnt schon lange in einem Kurort mit rund 10.000 Einwohnern, der dem ländlichen Raum zuzuordnen ist. In den Großstädten wird dem Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung traditionell schon seit vielen Jahren entsprechend Rechnung getragen. Doch erst in jüngster Zeit hat man sich auch mit diesem Bedürfnis der Bevölkerung im ländlichen Raum näher auseinandergesetzt und diesbezügliche Überlegungen angestrengt. Diese Überlegungen können ansatzweise verallgemeinert werden, d. h. auf die Vielzahl der Kommunen im ländlichen Raum übertragen werden. Gleichwohl darf und soll die Individualität der einzelnen Kommune nicht unbeachtet bleiben. Daher hat sich der Verfasser mit einem Mobilitätskonzept konkret für die Stadt Bad Iburg befasst und ein solches entwickelt. Hierbei wird besonderer Wert daraufgelegt, dass die Ausarbeitung ohne eine Beauftragung Dritter erfolgte und ausschließlich öffentlich zugängliche Quellen verwendet wurden…“

  1. Grundzüge des Mobilitätskonzepts für Bad Iburg

Ausgangssituation und Verkehrserhebung

„Der Verfasser schreibt über Bad Iburg. Hiermit ist nicht nur die Kernstadt gemeint, also Bad Iburg, sondern auch alle Stadtteile, also Glane, Ostenfelde und Sentrup. Wichtig ist diese gesamtheitliche Betrachtung, da der Wunsch nach Mobilität und deren Auswirkungen nicht an einer, wie auch immer definierten bzw. empfundenen Grenze aufhört und zudem auch geprägt ist von innerörtlichen Beziehungen zwischen den Stadtteilen und der Kernstadt. Die innerörtlichen Beziehungen sind unterschiedlich motiviert und werden mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Hinsichtlich der Motivation ist an dieser Stelle der private und der touristische Anlass zu nennen, die durchaus unterschiedliche Rahmenbedingungen bzw. Voraussetzungen haben können. – Wie in vielen anderen Kommunen ergeben sich für Bad Iburg richtungsweisende Fragestellungen wie mit den Verkehren und deren Auswirkungen gesamtgesellschaftlich zukunftsorientiert umzugehen ist…“ [Seite 9. Es folgen Angaben zu einer vom Verfasser durchgeführten Verkehrserhebung.]

Auswertung der Erhebung

Dazu heißt es: „Die Auswertung der im Rahmen der Erhebung eingegangenen Rückmeldungen

lassen erkennen, dass

  • ein Umweltbewusstsein vorhanden ist,
  • schlechte Verbindungen im ländlichen Raum (bezogen auf Taktzeiten, Entfernung zur nächsten bedienten Haltestelle, Verbindungen mit Umsteigevorgängen) ursächlich für die Nichtinanspruchnahme des ÖPNVs sind,
  • zu hohe Fahrpreise (vor allem für Fahrten aus dem ländlichen Raum in die (Ober-)Zentren von einem Umstieg vom PKW auf den OPNV abhalten,
  • Corona vielfach von einer Benutzung des ÖPNVs abhält,
  • P+R-Parkplatze auch in kleineren Kommunen an wichtigen ÖPNV-Haltepunkten fehlen,
  • fehlende oder mangelhafte Ausstattung der ÖPNV-Haltepunkte beklagt werden und
  • das Bus fahren mit kleinen Kindern nicht praktikabel ist.

Zusammenfassend ist erkennbar, dass man grundsätzlich bereit ist, den ÖPNV zu nutzen. Doch

dies setzt eine Verbesserung des bestehenden ÖPNV-Systems in vielfaltiger Hinsicht voraus…

Umweltbewusstsein

Weite Teile der Bevölkerung haben es verinnerlicht, dass mit dem motorisierten Individualverkehr negative Umweltauswirkungen verbunden sind. Die Menschen sind sich dessen durchaus bewusst und streben auch Veränderungen an. Doch diese Veränderungen und den damit verbundenen persönlichen Alternativen sind aktuell im Stadtbild noch nicht so deutlich erkennbar. – Hier gilt es anzusetzen. Die Ausarbeitung soll dazu beitragen dieses Bewusstsein zu festigen und zu unterstützen.

Wo beginnt das Mobilitätsbedürfnis?

Das Mobilitätsbedürfnis fängt in den eigenen vier Wänden an. Jeder hat, aus verschiedentlichen Gründen die Notwendigkeit, die eigene Wohnung zu verlassen und dabei mehr und weniger weite Strecken zurückzulegen. Dies tritt regel- oder unregelmäßig und auch zu unterschiedlichen Zeiten auf. Die Gründe sind vielfaltig. Das Verlangen nach Mobilität tritt also schon bereits ab der eigenen Haustür auf, also in der kleinsten individuellen räumlichen Einheit. Es weitet sich nach außen immer mehr, da weitere kleinteilige räumliche Einheiten hinzukommen, die oftmals ein gemeinsames oder zumindest ähnliches Ziel haben. – Sicherlich ist der Besuch in der Nachbarschaft fußläufig oder mit dem Fahrrad zu

bewerkstelligen. Ab einer bestimmten Entfernung, die individuell bestimmt wird, und dem Mobilitätsanlass kommen andere Fortbewegungsmittel dazu. Hierzu zählt aktuell (noch) der Kfz-Verkehr. Doch wie lange noch? Zudem hat nicht jeder die Möglichkeit einen PKW zu nutzen. Wie kommt dieser Personenkreis von A nach B? Auch die Frage, ob zur Bewältigung der Klimakrise auch der Mensch zum Verzicht auf das eigene Auto zu bewegen ist, spielt an dieser Stelle eine

interessante Rolle.“

Hinweise unter der Fragestellung „Was ist zu tun?“

Hier nur kurze Stichworte:

  • Zu Fußwegen

„Fußläufige Wegeverbindungen müssen in der Kernstadt und den Stadtteilen geschaffen bzw. unterhalten werden. Diese müssen gut begehbar und barrierefrei sein, damit sie (besser) angenommen werden.“ – „… viele diese Bereiche als „Angsträume”

empfinden. Hier ist für eine angemessene Beleuchtung und Ausschilderung zu sorgen.“ – „Je bequemer der Weg ist, den man zu Fuld zurücklegen will/muss, desto eher wird er auch akzeptiert.“

  • Zu Fahrradwegen

„Neben den fußläufigen Verkehrsteilnehmern steigt auch der Anteil der Fahrradfahrer. Immer größer wird der Personenkreis, der (bewusst) auf das Fahrrad umsteigt. Unterschiedliche Gründe sind hierfür zu nennen. Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel ist zwischenzeitlich auch gesellschaftsfähig anerkannt und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil, der Anteil wird immer mehr. Fahrradfahrer nutzen das umweltfreundliche Verkehrsmittel für unterschiedliche Zwecke (private und/oder touristische Anlässe) und legen hierbei durchaus weite Entfernungen zurück. Gerade der Fahrradtourismus boomt und wird an vielen Stellen …erfolgreich beworben. Viele Themenradwege durchkreuzen das Stadtgebiet von Bad Iburg und sind entsprechend ausgeschildert.“ – Service-Einrichtungen (Ladestationen für E-Bikes usw.), gut befahrbare Wege, sichere und ausreichende Abstellmöglichkeiten am/in der Nähe des Zielortes, attraktive, d. h. auch landschaftlich reizvolle Streckenführung, möglichst fern der Hauptstraßen, direkte Streckenführung.

  • Für Fahrgäste des ÖPNV

„Jeder Fahrgast hat seine individuellen Bedürfnisse, die ihn motivieren den Bus zu nutzen. Fahrgäste, die den Bus regelmäßig nutzen und als Stammnutzer gelten, kennen ihre Linie. Sie haben sich aus

verschiedenen Gründen bewusst für dieses Transportmittel entschieden. Gleichwohl gilt es auch das Augenmerk auf die Personen zu richten, die als potenzielle Fahrgäste gelten, da sie aktuell noch andere Mobilitätsalternativen nutzen. – Schülerbeförderung optimieren – Bürgerbus – City-Mobil – Guter Komfort an den Haltestellen und in den Bussen – Tarifgestaltung.“

  • Für PKW-Fahrer

„Sicherlich werden auch noch in naher Zukunft Teile der Bevölkerung einen PKW haben. Daher ist der motorisierte Individualverkehr aus dem öffentlichen Straßenraum nicht wegzudenken und bedarf an dieser Stelle eine entsprechende Betrachtung. – Den Herausforderungen, die durch den PKW-Verkehr verursacht werden, gilt es sich zustellen. Hierbei hat die Stadt jedoch nur bedingt Einfluss auf die

Höhe der zugelassenen PKWs. – Der PKW-Verkehr hat Auswirkungen in Bezug auf die Verkehrssicherheit und die Belastung im Straßenraum. Diese Belastung wird nicht nur durch den fließenden Verkehr hervorgerufen, sondern auch durch den ruhenden Verkehr. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass auf den privaten Grundstücken Stellplatze nicht in ausreichender Zahl angelegt sind. – Ziel muss es hierbei sein, die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu starken und die Belastung im Straßenraum zu minimieren. Wie kann dies erreicht werden?

Hinsichtlich der Minimierung sollen auch die Ausführungen in den vorstehenden Kapiteln einen sinnvollen und hilfreichen Beitrag leisten. Zudem sollten auf den privaten Grundstücken Stellplätze in ausreichender Zahl nachgewiesen werden. (ggf. durch Tiefgaragen, Reduzierung der angedachten Wohneinheiten bzw. Wahl der Festsetzungen in verbindlichen Bauleitplanen). Wo das nicht, oder nicht im erforderlichen Umfang möglich ist, sollte ein Ablösebetrag erhoben werden, der in die Errichtung und Ausweitung der o6ffentlichen Stellplatzanlagen (z. B. Parkdeck) einfließen soll.

Parksuchverkehre sind zu vermeiden. Demzufolge missen die vorhandenen öffentlichen Stellplatzanlagen frühzeitig großräumig ausgeschildert werden. Dies möglichst mit einem intelligenten Parkleitsystem…“

Zusammenfassung und Empfehlungen

„Jede Verkehrsart hat ihre eigenen Bedürfnisse. Gegenseitige Rücksichtnahme erfordert stetige Aufmerksam jedes Verkehrsteilnehmers. Dieses Verkehrskonzept bietet zahlreiche Ansätze und Hilfestellungen um das Spannungsverhältnis zwischen den unterschiedlichen Verkehrsarten zu entschärfen und gerade die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu entlasten. Daher werden die wesentlichen Empfehlungen in Kurzform dargestellt:

  • Verbesserung der Situationen für die Fußgänger
  • Schaffung und Unterhaltung neuer gut begeh-/befahrbare Wegeverbindungen für Fußgänger und für Fahrradfahrer
  • Bedarfsorientierte Ausstattung von Fahrradabstellanlagen (E-Bike-Ladestationen, Serviceeinrichtungen, Witterungsschutz etc.). Alternativ sollte die Möglichkeit geschaffen werden, dass Fahrradfahrer ihre Fahrräder regelmäßig mitnehmen können.
  • Umplanung der Linienführung des City-Mobillinie als Vorstufe zur Einrichtung einer Bürgerbuslinie
  • Bessere und sichere Ausgestaltung der Bushaltestellen…
  • Anlegung von „P+R-Parkplätzen” entlang der Hauptrouten …
  • Reduzierung des privaten ruhenden Verkehrs im öffentlichen Straßenraum
  • Reduzierung des Parksuchverkehrs durch Installationen eines intelligenten Parkleitsystems
  •  Entlastung der Knotenpunkte …“
  1. Schlussfolgerungen aus dem Konzept zu Bad Iburg für Erwitte

Sicherlich lassen sich nicht alle Beispiele von Bad Iburg auf Bad Westernkotten bzw. die Stadt Erwitte übertragen. Ich habe aber im Folgenden einige konkretere Beispiele zu den von Franz Vollmer aufgezeigten Bereichen aufgelistet. Anregungen, Ergänzungen, Korrekturen alles durchaus gewünscht!

  1. Fußgänger
  2. Pättkes in Bad Westernkotten, vgl. entsprechenden Aufsatz im Jahrbuch
  3. Umlaufgitter usw. überprüfen und möglichst barrierefrei machen
  4. Taktile Elemente einbauen
  5. Kein Stolperpflaster
  6. Absenkung von Bordsteinkanten
  7. Radfahrer
  8. Dolomitsand statt Asphalt
  9. Bruchweg sanieren
  10. Verbindung Bruchweg-Alter Lipper Weg anlegen
  11. Antoniusstraße-Ost bis Muckenbruch sanieren, ggf. mit Dolomitsand
  12. Radweg zwischen Eikeloh und BWK anlegen
  13. Attraktive Fahrradständer
  14. Radweg am Solering und Einmündung Kurpromenade optimieren
  15. Evtl. Tunnel unter der B 55 für Radfahrer und Fußgänger > besonders für Schulkinder interessant
  16. ÖPNV
  17. Nachtbus ausreichend?
  18. Fußwegeverbindung zwischen Friedhof und Hellweg-Sole-Thermen und Kurpark optimieren
  19. Helmo optimieren?
  20. Aufenthaltsqualität in den Bushaltestellen
  21. Bessere Vernetzung der kleinen Dörfer im Westen mit dem Kernort
  22. MIV
  23. Tempo 30 im ganzen Ort, auch auf dem Solering?
  24. Tempo 20 in Spielstraßen, zumindest in der Ortsmitte [schon weithin umgesetzt]
  25. Tempo 70 auf B 1 im Bereich Einmündung Aspenstraße
  26. Ruhenden Verkehr optimieren, z.B. durch Ausweitung der Parkverbotszonen