1936: Heinrich Maurer: Werdegang der Erwitter Kalk- und Zementindustrie

Erstabdruck in: 1100 Jahre Erwitte, Münster 1936, Seite 475-484

Wenn man den Werdegang der Erwitter Kalk- und Zementindustrie, die sich in den wenigen Jahren ihres Bestehens durch die Tatkraft und den Fleiß der Werksgründer zu einer beachtenswerten Blüte entwickelt und auf dem deutschen Baumarkt Geltung verschafft hat, von seinen kleinsten Anfängen an, mit all seinen Kämpfen eingehend schildern wollte, so würde dazu ein ganzes Buch benötigt. Eine so umfangreiche Schilderung, mag sie für die Bürgerschaft von Erwitte und andere interessierte Kreise auch erwünscht sein, gehört aber nicht zu den Aufgaben dieses Heimatbuches.

Dahingegen sollen diese Ausführungen den Zweck erfüllen, festzustellen, wie die Kalk- und Zementindustrie in Erwitte entstanden ist, welche Schwierigkeiten sie zu überwinden hatte und welche Bedeutung sie in den wenigen Jahren ihres Bestehens für die politische Gemeinde, die Einwohnerschaft und die nähere und weitere Umgebung, aber auch für die deutsche Volkswirtschaft erlangt hat.

Das letzte Jahrzehnt des vergangenen und das erste des gegenwärtigen Jahrhunderts kann als die Hauptentwicklungsperiode in der Kalk- und Zementindustrie angesehen werden. Mit der nach dem Kriege 1870/71 einsetzenden regen Bautätigkeit und der sprunghaften Ausbreitung der Industrie trat auch das Bedürfnis nach einem schnellen und sicheren Bindemittel hervor. So wuchsen auch in Westdeutschland, namentlich in der Beckumer und Geseker Gegend, die Kalkwerke wie Pilze aus der Erde. Die hohen Gewinne, die in diesem Industriezweig erzielt wurden, waren in erster Linie die Ursache der vielen Gründungen, aber auch des Zusammenschlusses zu Syndikaten, die u. a. den Zweck verfolgten, jegliche Konkurrenz, die wegen der Preisunterbietungen störend wirkte, zu beseitigen.

Auch in Erwitte, deren Gemarkung geologisch die gleiche Beschaffenheit wie die der Nachbarstadt Geseke hat, waren einige Männer auf die neue Verdienst- und Beschäftigungsmöglichkeit aufmerksam geworden. Zuerst kam der Bauunternehmer Johannes Postert auf den Gedanken — es war im Jahre 1906—, das Erwitter Gesteinsvorkommen auf seine Geeignetheit zur Kalkerzeugung untersuchen zu lassen. Auch der Ziegeleibesitzer Friedrich Sträter entnahm aus seinem Grundstück beim alten Tummelplatz Steine, um sie in seinem Ziegelofen zu brennen. Die dem technisch-chemischen Unterrichtsinstitut in Halle a. S. im Jahre 1910 eingesandten Proben eines Rohkalkes ergaben ein recht günstiges Resultat, indem die Proben 79,88 kohlensauren Kalk, 16,66 Kieselsäure und 2,83 Tonerde und Eisenoxyd enthielten. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen das chemische Laboratorium in Dortmund und das städtische Untersuchungsamt in Hamm. Auf Grund dieser Feststellungen nahm der damalige Amtmann und Gemeindevorsteher Dr. Hechelmann die Angelegenheit mit dem Ziele in die Hand, Kapitalisten für die Errichtung eines Kalk- oder Zementwerkes zu interessieren. In verschiedenen Fachzeitschriften erließ er unterm 28. Mai 1910 folgendes Inserat: „Für die Gründung eines Kalk- und Zementwerkes bietet sich z. Zt. in der Gemeinde Erwitte, Kreis Lippstadt, beste Gelegenheit. Qualität des Kalkes nach chemischer Untersuchung vorzüglich. Grund und Boden evtl. zu billigsten Preisen erhältlich.“

Die von Dr. Hechelmann auf den 25. Oktober 1910 im Gasthof Büker mit der Tagesordnung: „Vortrag über die etwaige Gründung eines Zementwerkes“ angesetzte Versammlung wurde von 150 Interessenten besucht. Nach einem mit großer Begeisterung aufgenommenen Vortrag des Einberufers und des Ingenieurs Rauls in Köln über die Rentabilität eines Zementwerkes sprach sich die Versammlung einstimmig dahin aus, die Gemeindevertretung zu bitten, tunlichst bald wegen Förderung der Sache das weitere zu veranlassen. Verneint wurde die Frage, ob evtl. die politische

Gemeinde als Gründerin eines Werkes auftreten solle. Da trotz eifrigster Bemühungen des Amtmanns Dr. Hechelmann ernsthafte und leistungsfähige Interessenten nicht gefunden wurden, kam die Sache zum Ruhen. Erst den Nachkriegsjahren sollte es vorbehalten bleiben, die Angelegenheit der Errichtung von Kalk- und Zementwerken und damit der Auswertung der in der Erwitter Gegend vorhandenen reichen Bodenschätze in ein entscheidendes Stadium zu bringen.

Kurz nach Beendigung des Weltkrieges, im November 1919, trat der Kaufmann Bernhard Plaßmann aus Unna an die Gemeinde mit dem Antrage heran, ihm die rechts von der Provinzialstraße nach Anröchte, in der Nähe des alten Tummelplatzes gelegenen Gemeindegrundstücke zum Zwecke der Gründung eines größeren Kalkwerkes — und den Tummelplatz selbst zur Errichtung einer Fabrik für elektrische Artikel an die Hand zu geben. Nach voraufgegangener Ermächtigung durch die Gemeindevertretung wurde am 21. November 1919 vor dem Notar Carl Nadorff zwischen dem Vertreter der Gemeinde Erwitte, stellv. Amtmann Ebel, und dem Kaufmann Bernhard Plaßmann aus Unna, sowie dem Landwirt Ernst Nienhausen in Rotthausen ein entsprechender Kaufangebotsvertrag geschlossen. Den Genannten wurden Gemeindegrundstücke in der Gesamtgröße von 34 Morgen für ein zu errichtendes Kalkwerk zum Preis von 1200 Mark je Morgen an die Hand gegeben. Der alte Schützenplatz in der Größe von 10 Morgen wurde zum Preis von 1500 Mark je Morgen angeboten. Für das darauf stehende Schützenhaus musste ein Betrag von 50 000 Mark gezahlt werden. Nachdem inzwischen die Firma „Kalk- und Steinindustrie GmbH, zu Erwitte“ gegründet worden war, nahm Bernhard Plaßmann am 28. November 1919 namens der Gesellschafter das Kaufangebot an.

Und nun ging es mit Volldampf an die Gründung des ersten Kalkwerkes. Die Freude in Erwitte war besonders deswegen sehr groß, weil für die werktätigen Einwohner die Möglichkeit, wie früher, in der Zigarrenindustrie lohnende Beschäftigung zu finden, durch den Rückgang in diesem Industriezweig immer geringer geworden war. Die Freude sollte allerdings nur von kurzer Dauersein. Die „Gründer“ hatten zwar den Vertretern der Gemeinde in bombastischen Anpreisungen die große Bedeutung des zu gründenden Werkes geschildert, sie hatten dabei aber wohlweislich verschwiegen, daß es sich nur um eine Spekulationsgründung handelte. Es ist kein größeres Kalkwerk mit 80 Arbeitern, wie es bei dem Erwerb der Grundstücke versprochen worden war, sondern nur ein „sehr kleines Werk zur Herstellung von Düngekalk“, auf welchem nur 20 Arbeiter beschäftigt wurden, gebaut worden. Wie ernst es mit der Gründung gemeint war, geht daraus hervor, dass schon wenige Monate nach der Inbetriebnahme von den 4 Gesellschaftsanteilen 2 an das Syndikat verkauft wurden. Die Folge davon war, dass das Werk zum Konkurs und völligen Erliegen kam, bevor es seine Tätigkeit ernstlich ausgenommen hatte. Für den Fall eines Verkaufes hatte sich die Gemeinde zwar das Vorkaufsrecht vorbehalten. Es kam aber nicht zum Verkauf. Nach dem Erwerb der beiden anderen Gesellschaftsanteile durch das Syndikat (Westdeutscher Zementverband) wurde das Konkursverfahren eingestellt. Nicht der Name der Firma, sondern nur der Name des Besitzers der Gesellschaftsanteile war gewechselt worden. Das Syndikat hatte sein Ziel, Neugründungen zu verhindern und keinen Außenseiter hoch kommen zu lassen, erreicht. Vor allen Dingen hatte es wertvollstes und in unmittelbarer Nähe der Eisenbahn gelegenes Industriegelände aus jeglicher Konkurrenz ausgeschaltet. In das Grundbuch ließ das Syndikat, trotz des Protestes des Grundbuchrichters Terfloth, die Beschränkung eintragen, dass auf dem gesamten Gelände niemals ein Kalk- oder Zementwerk errichtet, und dass auch die Bodenschätze für den genannten Zweck niemals ausgebeutet werden durften. Das sehr leicht, sozusagen auf Abbruch gebaute Werksgebäude ließ die Polizeiverwaltung, nachdem es kurz nach der Fertigstellung schon einmal vom Wind umgeweht worden war, wegen Einsturzgefahr abbrechen. Man sieht jetzt nur noch eine kleine Transformatorenstation und den mit Wasser gefüllten Steinbruch.

Dieses ist kurz der Lebenslauf des ersten Erwitter Kalkwerkes. Es ist den Weg gegangen, wie so viele Außenseiterwerke in anderen Orten. Interessieren wird es in diesem Zusammenhange, dass z. Zt. der Gründung des ersten Erwitter Kalkwerkes noch andere Interessentengruppen an die Gemeindeverwaltung mit dem Antrage herantraten, ihnen Grundstücke zum Zwecke der Errichtung von Kalk- und Zementwerken zu vermitteln. Diese Interessenten stammten merkwürdigerweise alle aus der Beckumer Gegend. U. a. wollte für den gleichen Zweck auch ein Fabrikdirektor T. ein geeignetes Grundstück von der Gemeinde kaufen, derselbe, der der Gemeinde kurze Zeit später als der Vorsitzende der „Syndikatskommission zur Beseitigung von Außenseitern“, persönlich bekannt wurde.

Von einem ähnlichen Schicksal, wie das erste, mit großen Hoffnungen von der Erwitter Bevölkerung erwartete „große Kalk- und Zementwerk“, wurde auch das zur selben Zeit an den Fabrikbesitzer Alfred Ott in Tempelburg verkaufte alte Schützenplatzgrundstück betroffen. Alfred Ott fabrizierte in dem umgebauten alten Schützenhaus Spezialdichtungskitt, sog. Ottskitt. Außerdem betrieb er eine Destillation für Roh-Teer. Auf das Vorkaufsrecht verzichtete die Gemeinde auf Antrag von Ott, weil angeblich eine solche Belastung sein Unternehmen, in welchem er 650 000 Mark investieren wolle, zu sehr erschwere. Ohne Zweifel ist Alfred Ott ehrlich bestrebt gewesen, seine Fabrik zu einem leistungsfähigen Unternehmen auszubauen. Die schlechten Absatzverhältnisse,

in Verbindung mit großen Einnahmeausfällen und einer zu geringen Leistungsfähigkeit, mögen schuld an dem schnellen Verfall des Werkes gewesen sein. Das Werk kam im Jahre 1923 in die Hände des Apothekenbesitzers Schmitten in Gladbeck, der seine dortige Apotheke verkauft hatte, um in Erwitte eine chemische Fabrik zu betreiben. Aber auch Schmitten konnte sich nicht halten. Im Jahre 1926 ging das Grundstück im Wege der Zwangsversteigerung in das Eigentum der Grundstücksverwertungsgesellschaft Erwitte GmbH, in Bochum, einer Tochtergesellschaft des Westdeutschen Zementverbandes, über. In deren Eigentum befindet es sich heute noch. Die Hoffnung, die die Arbeiterschaft auf die neue Industrie gesetzt hatte, war damit vernichtet. Das war umso schmerzlicher, als, wie schon erwähnt, die Zigarrenindustrie in den Nachkriegsjahren zu einer Bedeutungslosigkeit herabgesunken und nicht mehr in der Lage war, die vielen Arbeiter zu beschäftigen. Die meisten Arbeiter waren auf Arbeitslosenunterstützung angewiesen.

Um sie dennoch zu beschäftigen, hat die Gemeindeverwaltung mehrere Jahre hindurch größere Notstandsarbeiten ausführen lassen, so u. a. den Ausbau der Kreisstraße Erwitte—Westernkotten— Böckenförde, die Überbrückung der durch die Ortschaft Erwitte führenden offenen Bachläufe usw. Daneben her ist sie aber darauf bedacht gewesen, ernst gemeinte und leistungsfähige Gründungen von Kalk- und Zementwerken zu fördern. Wie schwer dieses Beginnen war, davon kann sich nur der eine Vorstellung machen, der jahrelang im heftigsten Kampf mit dem Syndikat gestanden hat. Es bedurfte jahrelanger Arbeit und jahrelanger Kämpfe, um bis zur heutigen blühenden Erwitter Kalk- und Zementindustrie zu kommen.

Das Syndikat war inzwischen nicht müßig gewesen. Durch einen Beauftragten ließ es, soweit als möglich, alle für Zementwerksgründungen geeigneten und an der Eisenbahn entlangliegenden Grundstücke aufkaufen, bis schließlich an der rechten Seite der Straße von Erwitte nach Anröchte fast keine Gründungsmöglichkeit mehr bestand. In den Jahren 1921 bis 1927 hat die Gemeindeverwaltung mit 5 verschiedenen Interessenten-Gruppen, mit denen sie wegen der Errichtung eines Zementwerkes in Verbindung getreten war, verhandelt. Um nicht noch einmal einen Reinfall, wie im Falle Plaßmann zu erleben, hatte sie die Gründungsverträge so vorsichtig abgefasst, dass es den Gründern unmöglich gemacht wurde, das Grundstück dem Syndikat in die Hände zu spielen. Obschon die Vertreter der Gemeinde bei den Verhandlungen strengste Vertraulichkeit beobachteten, hatte der Beauftragte des Syndikats doch stets von den Gründungsverhandlungen Kenntnis erhalten. Alle fünf Gründungen haben sich zerschlagen. Trotz dieser fortwährenden Misserfolge haben die Vertreter der Gemeinde aber kein Mittel unversucht gelassen, um schließlich doch einen Gründer zu finden, der ehrlich bestrebt war, ein größeres Zementwerk als Familien- und nicht als Spekulationsgründung in Erwitte zu errichten. Die Aussichten hierzu wurden immer besser, je mehr das Syndikat konkurrenzlos dastand und je höher es infolgedessen auch die Zementpreise setzte. Um die Gemeindeverwaltung in ihren Gründungsbestrebungen beweglicher zu gestalten, hatte die Gemeindevertretung eine viergliedrige Kommission eingesetzt. Sie bestand aus dem Amtmann und Gemeindevorsteher Maurer als Vorsitzenden, dem stellv. Gemeindevorsteher Anton Bücker und den Gemeindevertretern Franz Biermann und Heinrich Wigmann als Mitgliedern. Um der Kommission die Möglichkeit zu geben, alle Verhandlungen, die mit der Gründung eines Zementwerkes irgendwie in Verbindung standen, so vertraulich führen zu können, dass der Inhalt der Verhandlungen nicht, wie bisher, zur Kenntnis des Beauftragten des Syndikats kam, war sie mit den dazu nötigen Vollmachten ausgestattet. Diese berechtigten die Kommission insbesondere, für die Gemeinde Zementwerksgrundstücke in die Hand zu nehmen und notwendigenfalls auch käuflich zu erwerben, ohne vorher die Genehmigung der Gemeindevertretung dazu einzuholen. Dadurch blieb das Syndikat über die Absichten der Gemeinde im Dunkeln und der Industriekommission wurde es ermöglicht, eine Anzahl geeigneter Grundstücke zu angemessenen Preisen für die Gemeinde Erwitte bzw. für einen von der Gemeinde zu benennenden Dritten zu erwerben und auch andere für spätere Neugründungen in Frage kommende Grundstücke durch Eintragung eines Vorkaufsrechts sicherzustellen. Vor allen Dingen gelang es ihr, von dem Weinhändler Hille in Lippstadt ein wichtiges Schlüsselgrundstück in der Größe von 2Z4 Morgen zu kaufen. Es handelte sich um das Grundstück, auf welchem jetzt das Verwaltungsgebäude des Zementwerks Wittekind steht. Nur über dieses Grundstück konnte die Gemeinde die projektierte Industriebahn in das Hintergelände, welches fast in unbegrenztem Umfange für Zementwerksgründungen geeignet ist, hineinführen. Trotz größter Schwierigkeiten, die durch das Eingreifen des Syndikats auch in dieser Angelegenheit hervorgerufen worden waren, ist der mit dem Grundstückskauf verfolgte Zweck erreicht und die Industriebahn im Jahre 1928 erbaut worden.

Heute sind 2 Werke an die Bahn angeschlossen und es besteht, nachdem die Gemeinde vom Freiherrn von Landsberg inzwischen 430 Morgen des im Zuge der Industriebahn liegenden Geländes gekauft hat, keine Gefahr mehr, dass das Syndikat durch den Ankauf noch weiterer Industriegrundstücke Neugründungen, die an sich z. Zt. nicht beabsichtigt werden, verhindern kann.

Inzwischen waren 2 Ereignisse eingetreten, die die Gemeinde Erwitte dem Ziele ihrer jahrelangen Wünsche und Kämpfe nähergebracht hatten. Kurz hintereinander kamen in den Jahren 1926 und 1927 2 Werksgründungen zustande. Während das Syndikat bisher nur die an der rechten Seite der Straße von Erwitte nach Anröchte liegenden Industriegrundstücke aufgekauft hatte, hatten folgende Gründer, ohne dass das Syndikat es verhindern konnte, geeignete Grundstücke an der linken Straßenseite erworben. Im Jahre 1926 errichtete der Fabrikdirektor Wilhelm Güldenhaupt aus Geseke und der Direktor Fritz Zassenhaus aus Zittau einen Kalkringofen für 16 Kammern. Das Werk, welches erfreulicherweise keine Spekulationsgründung war, ist bis heute mit großem Fleiß ununterbrochen betrieben worden. Vor 2 Jahren hat die Firma, die unter dem Namen „Kalk- und Zementwerke Felsenfest GmbH, in Erwitte“ gerichtlich eingetragen ist, das Werk durch die Erbauung eines Schachtofens zur Herstellung von Naturzement erweitert und verbessert. Es werden z. Zt. 48 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Zu Beginn des Jahres 1927 erwarben die Zwillingsbrüder Karl und Franz Seibel aus Fritzlar, Bezirk Kassel, die bisher ein eigenes Gut in Neuengamme bei Hamburg bewirtschaftet hatten, von dem Landwirt Müller-König in Erwitte ein Grundstück, in der Absicht, darauf eine Fabrik zur Herstellung von Naturzement zu errichten. Auch dieses Werk war, wie die Erfahrung gelehrt hat, keine Spekulations-, sondern eine Familiengründung, infolgedessen war es dem Syndikat auch nicht möglich, die Gründung zu verhindern, oder das fertige Werk aufzukaufen und stillzulegen. Das Werk wurde im Jahre 1927 als modernes und mit den neuzeitlichsten Maschinen ausgerüstetes Zementwerk in einem Umfange von 2 Schachtöfen erbaut. Schon am 13. Juni 1927 konnte der Betrieb mit einem Arbeiterbestande von 55 eröffnet werden. Es war das zweite Naturzementwerk in Deutschland. Erstmalig wurde durch die Firma Gebr. Seibel festgestellt, daß sich das Erwitter Material in hervorragender Weise auch zur Herstellung von Zement eignete. Die immer wieder vom Syndikat aufgestellten Behauptungen, das Erwitter Material eigne sich allenfalls zu Kalk-, niemals aber zur Zementbereitung, waren damit endgültig widerlegt. Das Werk ist seitdem ununterbrochen betrieben worden. Sowohl den verlockenden Angeboten, als auch den schärfsten Kampfesmaßnahmen des Westdeutschen Zementverbandes haben die Werksinhaber den heftigsten Widerstand entgegengesetzt und sich bis heute als Außenseiter mit Erfolg behauptet. Das Werk wurde im Jahre 1931 in ein Portlandzementwerk umgebaut und im Jahre 1935 auf 4 Schachtöfen mit einer Jahreskapazität von 16 500 Waggon L 10 t erweitert. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten beträgt z. Zt. 170, die der Handlungsagenten rund 60. Besondere Verdienste um das Zustandekommen dieses schönen und leistungsfähigen Werkes hat sich der Prokurist Ferdinand Schnittker aus Overhagen, ein Vetter der Werksinhaber, erworben. Schnittker war z. Zt. der Gründung des Werkes als Laborant auf dem Portlandzementwerk Ww. Evers in Büren beschäftigt. In dem dortigen Laboratorium hatte er die besondere Eignung des Erwitter Kalksteins für die Herstellung von Natur- und Portlandzement festgestellt.

Nachdem durch diese ersten Gründungen der Bann gebrochen und die Gewähr gegeben war, dass in Erwitte mit Erfolg Kalk- und Zementwerke gegründet werden konnten, gelang es den eifrigen Bemühungen der Industriekommission, schon kurze Zeit nach der Inbetriebnahme des Zementwerkes Gebr. Seibel die für diesen Zweck erworbenen bzw. notariell an die Hand genommenen Grundstücke zweckentsprechend zu verwerten und noch weitere Zementwerksgründungen zustande zu bringen. Im Jahre 1928 schloss die Gemeinde nach voraufgegangenen sorgfältigen Verhandlungen mit 4 verschiedenen Gruppen Gründungsverträge: Durch Vertrag vom 19. März 1928 verkaufte sie den Kaufleuten Heinrich und Josef Spenner und dem Bauunternehmer Pauly aus Büren die zur Gründung eines Zementkalkwerkes erforderlichen Grundstücke. Das Werk, welches unter dem Namen „Portlandzementwerke Nordstern GmbH Erwitte“ gerichtlich eingetragen ist, liegt an der Industriebahn, zu deren Bau sich die Gemeinde durch Vertrag verpflichtet hatte. Die Werksgründer übernahmen die Verpflichtung, bis spätestens 1. September 1928 eine Fabrikanlage zur Herstellung von Zementkalk zu errichten, in Betrieb zu nehmen und dauernd ordnungsmäßig zu betreiben. Die Gründer verpflichteten sich ferner, ihre Produktion weder an andere zu vergeben, abzutreten, oder in anderer Weise zu übertragen, sowie nicht Mitglied des Westdeutschen Zementverbandes oder einer ähnlichen Organisation zu werden, es sei denn, dass die Gemeindevertretung sich damit einverstanden erklärte. Das Werk, welches anfänglich nur Zementkalk herstellte, ist inzwischen als Portlandzementwerk mit 3 Schachtöfen ausgebaut worden. Es werden z. Zt. 106 Angestellte und Arbeiter beschäftigt. Das Werk hat sich auf eine größere Leistungsfähigkeit (10 000 Doppelwagen L 10 Tonnen) eingestellt, doch war es ihm, seit es Mitglied des Westdeutschen Zementverbandes geworden war, nicht möglich, die volle Kapazität auszunutzen. Auch das Werk Nordstern fabriziert auf Grund des guten Kalksteinvorkommens einen erstklassigen Portlandzement. Auf dem Werk sind außer den Werksinhabern Heinrich und Josef Spenner noch 3 weitere Brüder beschäftigt und es kann ihnen allen nachgesagt werden, daß großer Fleiß und besondere Tüchtigkeit sie auszeichnen. Auch sie haben sich in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Zeit behaupten können und sind den Kampfesmaßnahmen des Syndikats nicht unterlegen.

Durch Vertrag vom 16. April 1928 verkaufte die Gemeinde an die Gesellschafter der neugegründeten „Erwitter Portlandzementwerke Hansa GmbH“, den Landwirt Theodor Lenze, den Architekt Johannes Lenze, sowie den Kaufmann Gerhard Schlautmann in Geseke ein Grundstück, mit der Verpflichtung, darauf bis spätestens 1. September 1928 eine Fabrikanlage zur Herstellung von Zement, Zementkalk und Sack-Kalk zu errichten. Geldgeber waren Bauern aus dem Kreise Beckum. Obwohl diese große Summen in das Werk hineingesteckt hatten, konnte es sich nicht halten. Im Jahre 1932 geriet es in Konkurs und kam zum Erliegen, kam dann aber überraschenderweise in die Hand einer Tochtergesellschaft des Syndikats, der eigens für diesen Zweck gegründeten Gesellschaft „Hanseaten“. Das Konkursverfahren schwebt noch immer und das Werk ist, wie man sich denken kann, noch immer außer Betrieb.

Eine besondere Bedeutung für die Gemeinde Erwitte und auch für die nähere und weitere Umgebung erlangte eine weitere Gründung, die durch den Vertrag vor dem Notar Carl Nadorff in Erwitte am 19. Mai 1928 zustande kam. Durch diesen Vertrag übernahm der Fabrikant Hugo Miebach und sein Schwiegersohn Dr. Schnepper in Dortmund, denen die Gemeinde ein dem Söbberinghoff gegenüberliegendes Industriegrundstück in der Größe von 87 Morgen verkauft bzw. vermittelt hatte, die Verpflichtung, bis zum 1. April 1929 ein aus 2 Schachtöfen bestehendes Zementwerk zu errichten. Das Werk, ursprünglich als Naturzementwerk aufgezogen, inzwischen aber als Portlandzementwerk mit 7 Schachtöfen ausgebaut, hat sich die neuesten Errungenschaften der Technik zunutze gemacht. Es kann, wenn auch nicht als eines der größten, so doch als eines der modernsten Zementwerke Deutschlands angesprochen werden. Es werden z. Zt. 24 Angestellte, 120 Arbeiter und rd. 60 Handlungsagenten beschäftigt. Die Leistungsfähigkeit des Werkes beträgt z. Zt. 17 500 Doppelwagen L 10 t. Der Fabrikant Hugo Miebach betreibt außerdem in Dortmund noch ein Elektromotorenwerk. Die Leitung des Erwitter Werkes liegt in den Händen des Direktors Back, der von Beruf Ingenieur und als Fachmann maßgeblich bei der Gestaltung und dem Ausbau des Werkes beteiligt gewesen ist. Den letzten Gründungsvertrag schloss die Gemeinde am 31. August 1928 vor dem Notar Wilhelm Pape in Lippstadt. Durch diesen Vertrag verkaufte sie das von dem Landwirt Kaspar Jordan erworbene Grundstück an die Portlandzement- und Kalkwerke Ww. Evers in Büren, deren Inhaber die Zwillingsbrüder Franz und Philipp Evers sind. Die genannten Werke hatten die Verpflichtung übernommen, bis zum 1. Juli 1929 in der Nähe der von der Gemeinde zu erbauenden Industriebahn ein Kalk- und Zementwerk, bestehend aus einer Einheit von mindestens 2 Öfen zu erbauen. Die Gründer dieses Werkes waren z. Zt. des Vertragsabschlusses schon Mitglied des Westdeutschen Zementverbandes. Sie durften daher in Erwitte nur Kalk bis zu einer gewissen Festigkeit herstellen. Das Werk ist seit seinem Bestehen nur in geringem Umfange betrieben worden. Vielleicht tritt hierin jetzt eine Änderung ein, denn das Werk ist vor kurzem unter dem Namen „Hellweg-Zement- und Kalkwerke GmbH“ in das Eigentum des Dr. jur. Adolf Evers und des Gerichtsreferendars Eduard Evers, beide in Büren, übergegangen.

Die um das Zustandekommen einiger leistungsfähiger Zement- und Kalkwerke geführten jahrelangen Kämpfe hatten nun doch zu dem erhofften Ziele geführt. Es war gelungen, 6 Werke, darunter 3 größere, nach Erwitte zu bekommen. Auf diesen Werken fanden viele Arbeiter aus Erwitte und den umliegenden Ortschaften Arbeit und Brot. Auch das Handwerk war in Anbetracht der vielen Werksbauten gut beschäftigt.

Über die Beschaffenheit des Erwitter Kalksteins und seine Eignung für die Herstellung von Kalk und Zement hat Direktor Back einen besonderen Beitrag zu diesem Heimatbuch geliefert. Seine Ausführungen können noch dahin ergänzt werden, dass es infolge der hervorragenden Eigenschaften des Erwitter Zements den Werken bis heute nicht schwergefallen ist, ihre Erzeugnisse in allen Gauen Deutschlands, besonders in Süd- und Norddeutschland, abzusetzen. Die Werke haben unter Beweis gestellt, dass auch bei gleichen Zementpreisen ihre Erzeugnisse gern genommen werden.

Wenn man bis vor wenigen Monaten allgemein in Erwitte geglaubt hatte, dass die Ausnutzung der Bodenschätze erstmalig in den Nachkriegsjahren in Erwitte ausgenommen und erst die jetzige Generation auf den Gedanken gekommen sei, in Erwitte Kalk zu brennen, so wurde man durch die überraschenden Mitteilungen des Dr. Herberhold, dass er bei seinen Forschungsarbeiten im Landsbergschen Archiv das Gegenteil festgestellt habe, eines Besseren belehrt. Schon im Jahre 1681 habe ein Graf von Landsberg gemeinsam mit einem Herrn von Droste in der Steinkuhle einen Kalkofen mit Raum für 40 Fuder Steine gebaut und betrieben.

Nachdem innerhalb eines Zeitraumes von 3 Jahren in Erwitte 6 Kalk- und Zementwerke zustande gekommen waren, von denen heute noch 4 voll und eins in kleinerem Umfange betrieben werden, hat die Gemeinde in Anbetracht dessen, dass die Arbeitslosigkeit behoben war, sich dem Westdeutschen Zementverband gegenüber gegen eine feste Jahresentschädigung verpflichtet, bis auf weiteres keine neuen Zementwerke zu fördern.

Vorstehendes Bild über den Werdegang der Erwitter Zement- und Kalkindustrie würde nicht vollständig sein, wollte man nicht auch auf die schweren Kämpfe, die den Werken von den deutschen Zementverbänden aufgezwungen und durch die verschiedene Werke in ihrer Existenz ernstlich bedroht wurden, wenigstens andeutungsweise Hinweisen. Von den fortwährenden Kämpfen und Beunruhigungen, wie sie in den ersten Jahren in Bezug auf Zementabsatz und Qualität, namentlich

auch gegen den Naturzement geführt wurden, soll hier nicht gesprochen werden. Die Gemeindeverwaltung verfolgte all diese Kämpfe mit größtem Interesse, weil davon auch der Lebensnerv der Gemeinde Erwitte empfindlich berührt wurde, und ging gemeinsam mit den Werken in die aktive Abwehrstellung. Die gefährlichste Zeit für die Erwitter Zementindustrie waren ohne Zweifel die letzten Wochen vor der Machtübernahme durch die NSDAP., Ende 1932 und Anfang 1933. So schwer und sorgenvoll diese Zeit für die Außenseiter und auch für die Gemeinde war, die an dem Zustandekommen ihrer Industrie nach besten Kräften mitgewirkt hatte und an ihrem ferneren Gedeihen in höchstem Maße interessiert war, so groß war auch die Freude, als man im Monat Februar 1933 sagen konnte, „die Gefahr ist vorüber“. Grund zu der Besorgnis war ein Antrag des Westdeutschen Zementverbandes vom Jahre 1932 an das Reichswirtschaftsministerium auf Erlass einer Notverordnung über die Zwangskontingentierung in der Zementerzeugung.

Eine Zwangskontingentierung würde den Ruin der Außenseiterwerke bedeutet haben, da das Kontingent des einzelnen Werkes bei dem Vorhandensein von nur 2 Öfen so niedrig gewesen wäre, dass die Werke nicht mehr hätten rentabel arbeiten können. Eine längere Stilllegung der Werke, oder ein Verkauf derselben an das Syndikat, wie es von den Antragstellern vielleicht gewünscht wurde, wäre die unausbleibliche Folge gewesen. Wie groß die Gefahr war, mag daraus erhellen, dass die deutschen Zementverbände diesmal gemeinsam den Kamps gegen die Außenseiter führten und dass das Reichswirtschaftsministerium bereits einen Teil der Mitglieder des vorläufigen Reichswirtschaftsrates nach Berlin beordert hatte, um zu der Frage der Zwangskontingentierung ein Gutachten zu erstatten. Die Vertreter der Syndikate und auch des Gutachterausschusses tagten in Permanenz in Berlin und es blieb den Vertretern der Außenseiterwerke und dem Vertreter der Gemeinde nichts anderes übrig, als auch den Wohnsitz für einige Wochen nach Berlin zu verlegen, um der Gefahr wirksamer begegnen zu können. Obschon die letzteren im Gutachterausschuss, der an mehreren Tagen mit großer Besetzung tagte, auch zu Worte kamen, hatten sie doch den Eindruck, als wenn die beantragte Zwangskontingentierung kommen werde. Inzwischen kam die nationale Erhebung des deutschen Volkes, der Tag der Machtübernahme durch die NSDAP. Die streitenden Parteien konnten den denkwürdigen 30. Januar 1933 in Berlin miterleben. Die Vertreter der Erwitter Werke bekamen durch verschiedene Verhandlungen mit maßgebenden Wirtschaftsberatern der Bewegung Fühlung und hatten dadurch Gelegenheit, die nationalsozialistische Regierung darauf aufmerksam zu machen, dass mit einer Zwangskontingentierung dem durch verfehlte Maßnahmen in eine schwierige Lage gekommenen Westdeutschen Zementverband nicht geholfen, den Außenseitern und der Gemeinde aber schwerer und nicht wieder gut zu machender Schaden zugefügt würde. Das Reichswirtschaftsministerium lehnte dann den Antrag auf Zwangskontingentierung ab und empfahl den Zementverbänden und den

Außenseitern sich gütlich auseinanderzusetzen. Das gelang auch noch während der Anwesenheit aller Beteiligten in Berlin. Damit war diese große Berliner Kampfhandlung noch einmal ohne Existenzgefährdung der Außenseiterwerke und der Außenseitergemeinden beendet worden.

Wer nun geglaubt hatte, dass das Zementproblem nun für einige Zeit nicht wieder zum Vorschein kommen würde, irrte sehr. Anfang Oktober des Jahres 1933 hatte sich der Westdeutsche Zementverband erneut an das Reichswirtschaftsministerium mit dem Antrage auf Zwangskontingentierung bzw. Zwangskartellierung gewandt. Hinzu kam, dass die Zementwerke Seibel und Wittekind wegen der Bindungen, die sie bei den Verhandlungen im Monat Februar mit dem Westdeutschen Zementverband eingegangen waren, für ihre gesamte Belegschaft einen Stilllegungsantrag stellen mussten. Hierüber war die Arbeiter- und Bürgerschaft dermaßen aufgeregt, dass sie sich in großer Anzahl am Abend des 23. Oktober 1933 im Saale des Hotels Hüneke spontan zu einer großen Protestkundgebung versammelte, nachdem vorher die Fabriksirenen zum Zeichen des Protestes eine ganze Stunde geheult hatten. Wenn es im dritten Reich auch solche Protestversammlungen nicht mehr geben sollte, so war diese mit der großen und ernsten Besorgnis zu entschuldigen, in die alle interessierten Kreise durch den erneuten Antrag des Syndikats geraten waren. Es folgten nun die üblichen Verhandlungen, die auch diesmal wieder mit einer Ablehnung des Syndikatsantrages endeten. Besonders dankbar für die Unterstützung bei diesen Verhandlungen sind sowohl die Inhaber der Außenseiterwerke als auch die politische Gemeinde Erwitte dem früheren Landrat in Lippstadt, jetzigen Vizeoberpräsidenten Dr. Flottmann in Breslau und auch dem jetzigen Landrat Simon, früheren Bürgermeister der Stadt Lippstadt.

Die Hoffnung, dass endlich einmal eine Beruhigung auf dem Zementmarkt eintritt, scheint leider nicht in Erfüllung gehen zu sollen, denn alljährlich, wenn das Jahr zu Ende geht, regen sich auch die Zementverbände und entfachen den üblichen Kampf mit den Außenseitern. Wenn das Zementproblem hier nun doch etwas ausführlicher, wie ursprünglich beabsichtigt war, behandelt worden ist, so liegt das darin begründet, dass die Zementfrage für die Gemeinde Erwitte, deren hundert Jahre alte Zigarrenindustrie als Hauptlebensquelle fast versiegt und infolgedessen nicht mehr in der Lage ist, der arbeitenden Bevölkerung Arbeit und Brot zu geben, so außerordentlich wichtig ist. Im Zusammenhange damit war es infolgedessen nicht zu umgehen, in diesem Heimatbuch auf die Kämpfe und Gefahren hinzuweisen, die die hiesigen Werke und die politische Gemeinde haben durchmachen müssen, dies umso mehr, als das Entwicklungsstadium der heimischen Industrie einen sehr wichtigen Teil der Heimatgeschichte bildet.

In Bezug auf den Wert der Außenseiterwerke für die deutsche Volkswirtschaft verdient hervorgehoben zu werden, dass die Außenseiter für sich das Verdienst in Anspruch nehmen dürfen, durch ihre Betätigung in der Zementindustrie mit dazu beigetragen zu haben, daß die reichlich überzogenen Zementpreise, wie sie in der „außenseiterlosen Zeit“ auf dem deutschen Baumarkt geherrscht haben, auf eine erträgliche Höhe herabgesetzt worden sind.

Welche Bedeutung die Zement- und Kalkindustrie in den wenigen Jahren ihres Bestehens, neben der völligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit in finanzieller Hinsicht auch für die politische Gemeinde Erwitte gehabt hat, kann aus dem letzten Teil des nachfolgenden Verwaltungsberichtes aber auch aus der nachstehenden Güter-Versand- und -Empfangs-Statistik der Westfälischen Landeseisenbahn entnommen werden.

Übersicht über den Güter-Versand und -Empfang. — Station Erwitte. —