Wolfgang Marcus
1828: Grundstück und Haus im Urkataster

Aus diesem Ausschnitt aus dem Urkataster wird deutlich, dass das Grundstück im Winkel zwischen dem Holzweg und der heutigen Aspenstraße einem Josef Lanz gehörte. Das Haus darauf liegt am Ostrand des Grundstücks, dort, wo die Böschung des Osterbaches weniger steil ist.
1864: Der Name Lanze in der sog. Urliste der Gemeinde Westernkotten 1864
Hier wird für das Haus Holzweg Nr. 1 der Schneider Josef Lantze genannt, dieses Mal mit „t“ vor dem „z“.
Erstmals wird hier der Beruf Schneidermeister angegeben. Der Hausstättenname wird im Heimatbuch von 1987 mit „Pücher“ angeben. Nach der Einwohnerliste von 1785 wohnte dort tatsächlich eine Familie Pücher, 1775 allerdings eine Familie Caspar Asshoff.
Geburtseintrag und Totenzettel des Schneidermeisters Joseph Lanze (1865-1917)

Auf diesem Geburtseintrag und dem Totenzettel ist zu lesen, dass Joseph Franz Lanze am 23. Oktober 1865 um 10 Uhr abends in Westernkotten geboren wurde. Sein Vater war der Schneider Joseph Lantze, seine Mutter Gertrud Schröer. Sie wohnten im Haus mit der Nummer 17a. Der Hausstättenname ist mit „Püggers“ angegeben. Die Taufe fand am 26. Oktober statt. Taufpaten waren Joseph Schröer aus Westernkotten und Klementine Gockel aus Westernkotten.

1920: Totenzettel der Lehrerin Sophia Lanze (1860-1920)
Sophia Lanze muss die Schwester von Josef Lanze gewesen sein. Das geht aus ihrem Totenzettel hervor, wo es heißt: „Nur ungern schied sie 1917 aus den Bergen des Sauerlandes, als der Tod des einzigen Bruders sie in die Heimat zurückrief.“

Hier der vollständige Text des Totenzettels:
Jesus! Maria! Joseph! Sophia!
„Die viele in der Gerechtigkeit
unterweisen, werden leuchten wie
die Sterne zu ewigen Zeiten.“
Dan. 12. 3.
Zur frommen Erinnerung
an die in Gott ruhende
Lehrerin a. D.
Sophia Lanze.
Die teure Entschlafene wurde geboren im Januar 1860 in Westernkotten. Schon früh hegte sie den Wunsch, Lehrerin zu werden. Ihre Ausbildung erhielt sie im Lehrerinnen-Seminar zu Paderborn. Sie wirkte in Eversberg, Wennemen und Alme. 40 Jahre arbeitete sie recht segensreich in der Schule, davon 33 Jahre in Alme bei Brilon.
Tiefe Religiosität und große Pflichttreue, Einfachheit und Bescheidenheit zierten sie. Gott und die Jugend, das war das Zentrum ihres Denkens. Was sie als Lehrerin geschafft, das hat der gerechte Vergelter ihr gut geschrieben für den Tag der Ernte, das danken ihr ihre zahlreichen Schülerinnen. Nur ungern schied sie 1917 aus den Bergen des Sauerlandes, als der Tod des einzigen Bruders sie in die Heimat zurückrief. Nun mußte sie im Elternhause die Ruhetage genießen, die der treuen Arbeiterin nach erfolgter Pensionierung noch bescheret waren. Die heimtückische Grippe mit ihren Begleiterscheinungen hat ihre schwache Kraft gebrochen, und nach andächtigem Empfange der hl. Sterbesakramente wurde sie am Ostermontag, dem 5. April 1920, eingeführt in die himmlische Heimat. Die Seele der lieben Verstorbenen wird dem hl. Opfer der Priester am Altare und dem frommen Gebete ihrer Kolleginnen, Schülerinnen und Bekannten empfohlen, auf daß sie ruhe in Gottes hl. Frieden!
Gebet. Erlöse, o Herr, die Seele deiner Dienerin Sophia, damit sie der Welt abgestorben, sich bald deiner ewigen Anschauung im Himmel erfreuen möge. Durch Christum unsern Herrn. Amen.
1917: Übergabe des Schneiderbetriebes Lanze an die Familie Niggenaber
Ferdinand Mönnig schreibt unter „Schneiderbetriebe“ Folgendes: Lanze, Josef Gründung 1898 Holzweg 1 [Das Jahr der Gründung wird nicht ganz exakt sein.]; Niggenaber, Adam Übernahme 1917 Holzweg 1; Niggenaber, Ewald Übernahme 1964 Holzweg 1. – Adam Niggenaber erlernte das Herren-Schneiderhandwerk bei Josef Lanze, heiratete später eine Nichte von Jos. Lanze und führte somit den Schneiderbetrieb von Herrn Lanze fort. Sein Sohn Ewald, der ebenfalls dieses Handwerk erlernte und 1953 seine Meisterprüfung ablegte, blieb im häuslichen Betrieb. Die Herrenmaßschneiderei erweiterte sich mit der Heirat von Ewald Niggenaber auch zur Damenschneiderei, da Frau Gertrud Niggenaber das Damenschneiderhandwerk erlernt hatte. Zeitweilig beschäftigte die Schneiderei 5 — 6 Mitarbeiter. Geführt wurde dieser Betrieb bis zum Jahre 1971.
Persönliche Anmerkungen
Meine Mutter Hildegard war eine geborene Niggenaber, Tochter des vorgenannten Adam Niggenaber. Ihr Bruder war Ewald Niggenaber. Insofern waren mir die Informationen nicht gänzlich neu. Auch der Hausstättenname war mir geläufig, wurde mein Opa doch immer „Püchers Adam“ genannt.
Bereits 2001 hatte ich folgenden Text aufgeschrieben: „Adam Niggenaber (geb. 9.4.1899) war bei Schneidermeister Joseph Lanze, Holzweg (Pücher) in die Lehre gegangen. In dieser Zeit hatte Adam Niggenaber wohl schon ein gutes Verhältnis zu seiner späteren Frau, Sophia Schröer-Mariannen. Diese kam nach der Schule als Dienstmädchen in die Gastwirtschaft Androi nach Erwitte. Da sie zum alten Meister Lanze auch ein gutes Verhältnis entwickelt hatte, war sie im Haus gern gesehen und musste dem alten Meister in seiner Krankheit häufiger vorlesen. Als Meister Lanze am 24.4.1917 starb, lebte nur noch dessen Schwester, die Lehrerin Sophia Lanze, die nach dem Tod des Bruders aus Alme zurück nach Westernkotten zog, um das väterliche Anwesen zu bewohnen. Sie – oder vielleicht schon ihr Bruder – hat dann vor ihrem Tod am 5.4.1920 der nicht einmal 20jährigen Sophia Schröer das Anwesen Lanze nebst einigen Ländereien vererbt. Wenig später heiratete sie meinen Großvater, Adam Niggenaber. [Mitteilung meiner Tante Gertrud Sievering geb. Niggenaber, am 18.6.2001; unter Hinzuziehung der Daten der Totenzettel der Geschwister Lanze]