Familiengeschichte und Erinnerungen an zwei Weltkriege
Von Wolfgang Marcus · unter Verwendung von Unterlagen aus dem Nachlass von Maria Peters und von Egbert Steins
Die Geschichte der Familie Hilwerling in Westernkotten ist durch Familienunterlagen, Fotos, Totenzettel und Feldpost überliefert. Besonders eindringlich zeigen diese Dokumente, wie die beiden Weltkriege in das Leben der Familie eingriffen. Daneben geben sie Einblicke in das Wohnen, das Vereinsleben und die familiengeschichtlichen Verbindungen über Westernkotten hinaus.
Familie und Haus in Westernkotten
Im Jahr 1909 ließen Josef Hilwerling und Gertrud Adämmer mit dem Erwitter Bauunternehmer Johann Postert ein Haus am heutigen Südwall errichten. Eine spätere Aufnahme zeigt das Haus Westernkotten Nr. 168 um 1938. Auf dem Bild sind Elisabeth, Rudolf senior und Rudolf junior zu sehen.

Haus Hilwerling, Westernkotten Nr. 168, im Jahr 1932. Von links: Elisabeth, Rudolf senior und Rudolf junior.
Rudolf Heinrich Hilwerling war 1907/08 gemeinsam mit Gertrud Gockel Schützenkönig. Während des Ersten Weltkriegs befand er sich nach den Familienunterlagen von 1914 bis 1919 in englischer Kriegsgefangenschaft.

Rudolf Hilwerling senior in englischer Kriegsgefangenschaft. Familienunterlagen.

Winterliches Familienfoto aus den überlieferten Unterlagen.
Zwei Brüder im Ersten Weltkrieg
Lorenz und Heinrich Hilwerling wurden als Söhne des Salinenarbeiters Franz-Joseph Hilwerling und seiner Frau Gertrud Anna Maria, geborene Adämmer, in Westernkotten geboren. Beide starben als Soldaten im Ersten Weltkrieg.
Lorenz Hilwerling 1888 bis 1914
Lorenz Hilwerling wurde am 14. Februar 1888 geboren und arbeitete in einer Fabrik in Lippstadt. Am 18. Mai heiratete er Josephine Maas; das Jahr der Eheschließung ist in der Vorlage nicht angegeben. Als ihr Sohn am 15. April 1915 geboren wurde, war sein Vater bereits tot.
Lorenz diente als Unteroffizier der Reserve in der 3. Kompanie des Infanterie-Regiments 158. Die Regimentsgeschichte führt ihn für die Kämpfe vom 20. bis 28. Oktober 1914 im Raum Lille als vermisst. Nach den von H. Dirksen und H. Ochsler übermittelten Angaben starb er in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober; sein Tod sei von einem Vizefeldwebel seiner Kompanie bezeugt worden. Der Name des Zeugen ist in der Vorlage nicht vollständig überliefert.
Das Regiment hatte zuvor bei Le Transloy und Bouchaine gekämpft und war bis in den Raum Neuve-Chapelle und Richebourg vorgedrungen. Ein Angriff am Abend des 26. Oktober führte zunächst zur Einnahme von Teilen der feindlichen Stellungen. Anschließend gerieten die Sturmtruppen unter starkes Feuer; nur ein kleiner Teil konnte sich zurückziehen. Die Kämpfe dauerten über Mitternacht hinaus.
Heinrich Hilwerling 1890 bis 1918
Heinrich Hilwerling wurde am 28. Juli 1890 geboren. Er diente als Unteroffizier in der 2. Kompanie des Infanterie-Regiments 202 und starb am 4. Juli 1918 bei Hamel an der Somme. Die Gefallenenliste der Regimentsgeschichte nennt ihn im Zusammenhang mit den Kämpfen im Raum Hamel, Chipilly, Froissy, Bray, Cappy und Suzanne.
Nach der überlieferten Zusammenfassung setzte am Morgen des 4. Juli schweres Artilleriefeuer ein, dem ein durch Nebel begünstigter Infanterieangriff folgte. Das zunächst in Reserve liegende I. Bataillon trat zum Gegenstoß an. Zeitweise konnten Gräben zurückgewonnen werden; wegen hoher Verluste mussten die Stellungen später wieder aufgegeben werden. Nach der Zusammenfassung verlor das Regiment allein an diesem Tag 88 Männer durch Tod.
Familienangehörige im Zweiten Weltkrieg
Auch im Zweiten Weltkrieg starben Westernkötter mit dem Namen Hilwerling. Die erhaltenen Totenzettel erinnern an Rudolf, Theo und Lorenz Hilwerling. Die genauen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen allen hier Genannten sind anhand der vorliegenden Unterlagen noch zu überprüfen.
Rudolf Hilwerling 1920 bis 1941
Rudolf Hilwerling wurde am 24. November 1920 als Sohn von Rudolf Heinrich Hilwerling und Maria Jakobi in Westernkotten geboren. Er war das erste von fünf Kindern, besuchte die Volksschule im Ort und begann anschließend eine Lehre bei der Westfälischen Union in Lippstadt. Im Dorf war er nach der Familienüberlieferung beliebt und spielte im Sportverein Fußball.
Im Frühjahr 1940 wurde er zum Reichsarbeitsdienst nach Arolsen eingezogen. Nach der Grundausbildung in Osnabrück diente er im besetzten Frankreich, unter anderem bei einem Wachbataillon in Paris. Im März 1941 wurde seine Einheit zunächst nach Ostpreußen und anschließend nach Polen verlegt.
Beim deutschen Angriff auf die Sowjetunion ab dem 22. Juni 1941 gehörte Rudolf zur 3. Kompanie des Infanterie-Regiments 58 der 6. Infanterie-Division. Sein Weg führte nach Angaben der Familienunterlagen über Dünaburg und Witebsk in Richtung Moskau; im Oktober erreichte seine Einheit Kalinin, das heutige Twer. Teile der Strecke legte er auf dem Fahrrad zurück.
Am 18. November 1941 fiel Rudolf bei Tutanj westlich von Twer. Er wurde zunächst in Kumordino begraben. Die Familienunterlagen geben wieder, dass die damalige Wehrmachtauskunftstelle eine mögliche spätere Umbettung prüfen wollte; Rudolf wird im Namenbuch der deutschen Kriegsgräberstätte Rshew geführt. Ob eine Umbettung tatsächlich stattgefunden hat, geht aus der Vorlage nicht hervor.
Ein großer Teil seiner Feldpost ist erhalten. Die Briefe dokumentieren seine Stationen und seine enge Verbindung zur Familie, zu Westernkotten und zu Freunden in anderen Einheiten. In seinem letzten Brief schilderte er die entbehrungsreiche Lage und schrieb: „Ich schreib nur noch nach Euch “- Der Brief wurde nach den Familienunterlagen an seinem Todestag abgestempelt, sechs Tage vor seinem 21. Geburtstag. Ein Bericht des damaligen Bataillonskommandeurs von Issendorf beschreibt stark verminderte Kompaniestärken und schwere Belastungen durch Kälte und fehlende Winterkleidung.

Totenzettel für Rudolf Hilwerling. Familienunterlagen.

Umschlag des letzten überlieferten Feldpostbriefs von Rudolf Hilwerling junior.

Todesanzeige für Rudolf Hilwerling im Patriot, Dezember 1941.

Aufnahmen und Karte zu Tutanj und Kumordino aus den Familienunterlagen.

Soldatenaufnahme aus den Familienunterlagen; die genaue Zuordnung ist noch zu klären.
Theo und Lorenz Hilwerling
Der Totenzettel für Theo Hilwerling nennt als Geburtsdatum den 27. Oktober 1918 und als Todestag den 25. Dezember 1943. Er starb demnach in der Nähe von Swerwoye Kairy beim Brückenkopf Nikopol; die Schreibweise der Ortsnamen ist anhand weiterer Quellen zu prüfen.

Totenzettel für Theo Hilwerling. Familienunterlagen.
Ein weiterer Totenzettel erinnert an Lorenz Hilwerling, geboren am 22. Januar 1913 in Westernkotten. Er starb demnach am 15. Januar 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Er ist nicht mit dem 1914 gestorbenen Lorenz Hilwerling zu verwechseln.

Totenzettel für Lorenz Hilwerling, 1913 bis 1948.
Familiengeschichtliche Spuren in Eikeloh
Der Ortschronist Hubert Schulte Beerbühl beschreibt in „Eikeloh – Ein Dorf am Hellweg – 836–1986“ auf Seite 315 die Geschichte des Hauses Nr. 10, Drosten beziehungsweise Dahlhoff. Danach wurde Henrich Droste 1490 als Bewirtschafter eines Hofes des Grafen von Rietberg genannt. Welcher der in Betracht kommenden Höfe gemeint war, bleibt nach der Darstellung unsicher.
In der Folge erscheinen verschiedene Träger des Namens Droste. Um die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts soll der Hausname Hilverling gelautet haben. 1820 hieß der Eigentümer Caspar Droste. Sein Sohn Heinrich Hilverling, gestorben am 14. August 1846, war zunächst mit Eva Willeke und danach mit Margaretha Jütte, genannt Plömer, verheiratet. Heinrichs Tochter Sophia heiratete Caspar Dahlhoff von der Bökenförder Warte. Das Ehepaar errichtete 1839 das Wohnhaus; später ging der Besitz an den Sohn Caspar über, der 1866 Elisabeth Steinweg aus Störmede heiratete.
Die Verbindung dieser Eikeloher Linie zur Westernkötter Familie Hilwerling bedarf einer sorgfältigen Prüfung anhand der Familienunterlagen und weiterer Quellen. Die unterschiedlichen Schreibweisen Hilverling und Hilwerling sind dabei zu beachten.
Quellen und weitere Familienforschung
Die hier zusammengestellten Angaben beruhen auf dem Nachlass von Maria Peters und auf Unterlagen von Egbert Steins, die ich im Oktober 2026 erhielt. Egbert Steins hat seine Familienforschung auch im Internet dokumentiert. Für eine umfassende Familiengeschichte sollten die einzelnen Angaben, Urkunden und Verwandtschaftsbeziehungen künftig systematisch miteinander verglichen werden.
In einer Totenzettelsammlung der Gesellschaft für Familienkunde waren nach dem in der Vorlage enthaltenen Screenshot zehn Einträge zum Namen Hilwerling verzeichnet, die sämtlich Westernkotten zugeordnet waren. Dies gibt den Stand des abgebildeten Suchergebnisses wieder.

Suchergebnis der Totenzettelsammlung zum Namen Hilwerling; Stand gemäß Vorlage.

Familiengeschichtliche Übersicht aus den Unterlagen von Egbert Steins.

Auszug aus einer familiengeschichtlichen Zusammenstellung.

Historischer Listen- oder Registerauszug aus den Familienunterlagen; genaue Quellenangabe noch zu ergänzen.

Auswahl von Dokumenten auf der Familienforschungsseite von Egbert Steins.
Quellen: Nachlass Maria Peters; Familienunterlagen und Internetseite Egbert Steins: https://steins-olfen.hier-im-netz.de/homepage2005/neuindex-1.html; Angaben von H. Dirksen und H. Ochsler zu den Regimentsgeschichten, www.historiker14-18.de; Hubert Schulte Beerbühl, Eikeloh – Ein Dorf am Hellweg – 836–1986, Münster 1986, S. 315. Bildquellen: Familienunterlagen und die in der Vorlage genannten Sammlungen; Einzelangaben sind gegebenenfalls noch zu ergänzen.