Erstabdruck: o. V. (wohl Heinrich Eickmann) im „Patriot“ vom 26.8.1937
Der Patriot · 1937 · Ortsmeldung vom 24. August
Westernkotten, 24. Aug. Eine alte Familie. Die hiesige Salzsiederei ist uralt und schon seit dem Anfange des 11. Jahrhunderts nachweisbar. Als Kaiser Konrad im Jahre 1027 dem Bischof Meinwerk den Königshof Erwitte schenkte, wurden schon die Salzquellen zu Westernkotten als zum Königshof gehörig bezeichnet. Im Laufe der Zeit kamen die einzelnen Anteile an dem Salzwerk in mehrere Hände. Verschiedene Ursachen führten dahin, dass der Betrieb zunächst beschränkt und später aufgegeben wurde. Den Anfang machte die sog. Königliche Hütte, die anfangs der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts stillgelegt wurde. Vor nunmehr 25 Jahren folgten nach und nach auch die übrigen Betriebe. Es erfolgte die Stilllegung der Jesseschen-Löperschen-Bredenollschen Saline, während der von Papensche Betrieb nach dem Kriege zum Erliegen kam. Unter den einheimischen Salzsiederfamilien hat die Familie Jesse seit fast 200 Jahren eine hervorragende Stelle eingenommen.
Als ältester uns bisher bekannter Vertreter des Geschlechtes erscheint 1693 Cordt Jesse, dessen Sohn Heinrich (gest. 1729) mit Elisabeth Venefeld aus Rüthen vermählt war. Deren Sohn Johann Philipp Jesse war Camerarius (Stadtkämmerer) in Warstein und heiratete 1732 Katharina Mever, die am 28. September 1726 im Franziskanerkloster Rüthen durch Pater Wendelinus in die kath. Kirche aufgenommen wurde. Ihr Sohn Gottfried Jesse kam durch den Erbamtmann Frhr. von Landsberg vor 1769 nach Westernkotten und gewann durch seine Heirat mit Elisabeth Jantzen u. a. Anteil an dem hiesigen Salzwerk. Eine Schwester Gottfrieds, Marie Antoinette, heiratete am 21. August 1762 Franz Anton Seißenschmidt, Stadtsekretär zu Warstein. In der Trauungsurkunde wird vermerkt, dass die Brautleute im vierten Grad blutsverwandt waren. — Gottfried Jesse erhielt durch seine Heirat mit der erwähnten Elisabeth Jantzen für seine Nachkommen auch Anwartschaft auf die von Heinrich Jantzen, Kanonikus in Köln, im Jahre 1721 errichtete Studienstiftung für alle Verwandten, ausgenommen Mädchen.
Sein Sohn Reinhard Jesse (geb. in Westernkotten 23. 1. 1833) war verheiratet mit Lina Gordes, geb. am 4. April 1833], Tochter der Eheleute Bürgermeister Adam Gordes (gestorben als Rentmeister in Westernkotten am 24. Mai 1860) und Sophie Küper aus Werl, die am 2. März 1887 in Westernkotten heimging. Aus der Ehe Reinhard Jesses gingen 13 Kinder hervor. Um die Gemeinde und das Solbad Westernkotten hat er sich besonders verdient gemacht. Er starb am 2. Mai 1900; am 8. Juli 1902 folgte ihm seine Gattin im Tode.