Wolfgang Marcus
Im Nachlass von Maria Peters habe ich heute – 06.08.2026 – den Bestand zur Familie Schiffmann anfanghaft ausgewertet. Da geht es hauptsächlich um Honig. Hier die Ergebnisse.
Karten von A. Schiffmann an Bürgermeister Eickmann
Eine Karte ist abgestempelt am 19.4.1940:


Die Vorderseite der Karte „Kriegs-Winter-Hilfswerk 1939/40“ zeigt „Bilder vom Einlass unserer Polizei im Osten. MG-Posten der Ordnungspolizei über den Dächern von Warschau beim Einzug der deutschen Truppen“. – Der Text lautet: Lieber Herr Eickmann, leider haben Sie mich im letzten Jahr vergessen. Da ich nun 7 Monate im Hospital gelegen habe, konnte ich mich um die Honig-Angelegenheit nicht mehr bemühen. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie noch etwas für mich erübrigen könnten. Frdt. Grüße A. Schiffmann.
In der zweiten Karte geht es auch wieder um Honig:


Adresse: Herrn Heinrich Eickmann, Imker, Westernkotten über Lippstadt (Stempeldatum unklar, wahrscheinlich aber zw. 1940 und 1945). Text: Lieber Herr Eickmann, ich möchte mich nochmal wegen des Honigs in frdl. Erinnerung bringen. Sie haben mich doch hoffentlich nicht vergessen? Schöne Grüße, Ihr A. Schiffmann, Dortmund, Schützenstraße 113.
Briefe von A. Schiffmann an Bürgermeister Heinrich Eickmann
Brief vom 25.9.43. Hier die erste Seite:

Und hier der Text: Lieber Herr Eickmann, Sie haben mich doch in diesem Jahr nicht vergessen. Ich habe mit Absicht bis heute nicht angeklopft, weil ich immer noch so eine stille Hoffnung hatte. Auch konnte ich bisher geschäftlich nicht abkommen, sonst wäre ich Ihnen letzthin doch mal auf die Imkerstube gerückt. Also, lieber Herr Eickmann, nun geben sie Ihrem guten Herzen einen Schups und erfreuen Sie recht bald mit einem himmlischen Blütensaft. Ich erzählte ihnen sicher einmal, wie notwendig ich den Honig für mein Nervenleiden benötige, deshalb rechne ich bestimmt damit. Hoffentlich geht es Ihnen und Ihrer Frau noch recht gut. Auch in Dortmund haben wir bis jetzt noch Glück gehabt und sind bei den Angriffen mit einem blauen Auge davon abgekommen. – Viele Grüße Ihr Alois Schiffmann.
Ein Brief ist am 23.4.44 abgestempelt. Hier das Foto des Umschlags und ersten Seite:
Der Gesamttext lautet: Lieber Herr Eickmann, sie können sich vielleicht vorstellen, wie überrascht ich war, als ihre fünfpfündige Kostbarkeit hier ankam, zumal ich ja schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte. Jedenfalls sehr lieb von Ihnen, dass sie doch noch an mich gedacht haben, mein herzlicher Dank dafür. Ich glaube, Ihnen seinerzeit schon mal erzählt zu haben, dass ich mich von meiner damaligen Verschüttung immer noch nicht ganz erholt habe und dass der Honig mir außerordentlich gut bekommt, insbesondere gegen meine Schlaflosigkeit. So hilft nun dem einen diesen, dem anderen jenes. Leider war ich inzwischen noch nicht wieder in der dortigen Gegend, so dass ich auf einen Sprung hätte zu Ihnen kommen können. Na, vielleicht bietet sich in absehbarer Zeit besser die Gelegenheit. —Mit gleicher Post schicke ich ihnen 15 M. für den Blütensaft. Indem ich hoffe, dass es Ihnen und Ihrer lieben Frau noch recht gut geht, bin ich mit den besten Grüßen Ihr Alois Schiffmann.