Prünte – Brief des Oberleutnants an die Eltern des Soldaten Johannes Prünte

Wolfgang Marcus

Im Nachlass von Maria Peters fand ich bisher (27.08.2026) nur eine Akte, die Kopie eines Schreibens an die Eltern des getöteten Soldaten Johannes Prünte.

Hier die Transkription:

Panzer-Grenadier-Abteilung 235                              den 3. November 1942

Herrn und Frau Andreas Prünte

Westernkotten 84/ Kreis Lippstadt-Ansberg.

Wohl den größten Schmerz, den es für Eltern gibt, muss ich Ihnen mit der Nachricht zufügen, dass Ihr lieber Sohn Johunnes bei der Verteidigung einer wichtigen beherrschenden Höhe im Kaukasus am 24.0kt.1942 gefallen ist.

Doch wird der Schmerz dadurch gemildert, dass man sagen kann: Er war ein Soldat treuester Pflichterfüllung und Dienstauffassung! Und, wie er stets gewesen ist, so ist er in den Tod gegangen: Pflichtbewusst und einsatzbereit! So sprachen sein Kompanieführer, Oltn. Lilienfein, wie sein Zugführer von Ihrem lieben Sohn, unserem treuen Kameraden Schützen Johannes Printe. Beide Offiziere wurden auf jener umkämpften Höhe schwerverwundet und sie. bedauern, z.Zt. nicht selbst an Sie, die schwer geprüften Eltern, schreiben zu können. 5ie baten mich, als ich sie gestern in einem rückwärtigen Lazarett besuchen konnten, in ihrem Namen Ihnen Nachricht zu geben und bitten zugleich um Entschuldigung, dass diese Benachrichtigung. durch die gegebenen Verhältnisse hier erst jetzt geschehen kann.

Folgende Schilderung der Lage und Umstände, die zum Heldentod Ihres lieben Sohnes führten, füge ich an. Die Kompanie erhielt vor etwa 14 Tagen den Auftrag, eine Höhe zu stürmen, die als Beobachtungs- und Ausgangspunkt für den weiteren Angriff der Division von entscheidender Bedeutung war. Der Auftrag wurde mit hervorragendem Schneid und Schwung durchgeführt, die Höhe genommen und gehalten. Am 24. 10.42 vormittags begann der Feind mit heftigen Gegenangriffen, dies bis in die Abendstunden andauerten. Als Gewehrschütze verteidigte Johannes eine hart umkämpfte Stelle. Dabei ereilte ihn sein Geschick: Eine feindliche Kugel traf ihn im Liegen durch die Schulter in sein junges, tapferes Herz. Die Kompanie verliert mit ihm einen einsatzbereiten, pflichtbewussten und tapferen Soldaten und einen in kurzer Zeit allgemein beliebt gewordenen Kameraden.

Sie dürfen stolz sein, einen solchen Sohn gehabt zu haben, den Sie im Kampf um die Zukunft unseres Volkes nun opfern mussten. Ich weiß, jedes Wort erscheint zu viel und es gibt vielleicht nichts, was Eltern in ihrem ersten Schmerz trösten konnte. Nur eins soll Sie beruhigen. Wir werden Johannes nie vergessen. Ihr Verlust ist auch unser Verlust, auch wir wissen, was wir mit ihm verloren. Sein Tod ist uns Ansporn zu weiterem Kampf.

Über die Lage seiner letzten Ruhestätte kann Ihnen erst zu einem späteren Zeitpunkt berichtet werden unter Beifügung von Photographien. Das persönliche Eigentum Johannes‘ wird Ihnen von der Komp. zugesandt werden.

In aufrichtigem Mitgefühl mit stillem Gruß

Ihr Friedrich Schlee

Oberleutnant und Ordonanz-0fizier