Tölle, Stefan – Unterlagen im Nachlass von Maria Peters

Wolfgang Marcus

Im Bestand von Maria Peters fand ich die folgenden Unterlagen. Sie sind wohl von Dieter Tölle an Frau Peters in dieser Reihenfolge abgeheftet und übergeben worden. Ich habe sie im September/Oktober 2026 etwas erläutert und in einen größeren Zusammenhang gebracht.

Akten aus dem Nachlass von Frau Peters

20.8.1968

    Hier also ein Anschreiben der „Deutschen Dienststelle für die Benachteiligung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht“ in Berlin

    24.7.1949

    Schreiben der LVA in Münster.

    Entlassungsschein für den Möbellackierer Stefan Tölle, geboren am 27.4.1920 in Westenholz

    Sonderausweis Paris für den Unteroffizier Stephan Tölle vom Juni 1940 mit einer Bescheinigung vom 9. Juni 1975

    Funker Stephan Tölle erhält die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 vom 1. Oktober 1939 mit einer Empfangsbescheinigung über Wehrsold mit Sonderzulage vom 22.5.1945

    Das Amt Delbrück vom 22.10.1973, dass Stefan Tölle 1937 zur früheren Wehrmacht eingezogen wurde.

    Bescheinigung der Sparkasse der Stadt Rietberg aus dem Jahr 1947, dass der Unteroffizier Stefan Tölle Wehrsold erhalten hat

    Bescheinigung vom Krankenbuchlager Berlin vom 2.10.1974

    Weitere Bescheinigung vom Krankenbuchlager Berlin vom 30.7.1974

    Bescheinigung einer Luise Molitor aus Daun vom 29.8.1973, dass Stefan Tölle vom Obergefreiten zum Unteroffizier befördert wurde

      Bescheinigung für Stefan Tölle über Truppenteile, Lazarett-Aufenthalte und Kriegsgefangenschaft

        Fortsetzung: Bescheinigung über den Dienstgrad

          Zusammenfassung der obigen Bescheinigungen zu einem Fließtext durch die KI

            Stefan (Stephan) Tölle – ein Soldatenleben im Spiegel seiner Bescheinigungen

            Stefan Tölle, dessen Vorname in einigen Dokumenten auch „Stephan“ geschrieben wird, wurde am 27. April 1920 in Westenholz geboren. Er erlernte den Beruf des Möbellackierers und lebte zunächst in Westenholz Nr. 248. Später wohnte er in Bad Westernkotten am Holzweg 12; diese Anschrift ist durch mehrere Schreiben seit 1968 belegt. Die im Bestand von Maria Peters überlieferten Unterlagen ermöglichen einen Einblick in seinen militärischen Werdegang und seine späteren Bemühungen, Dienstzeiten und gesundheitliche Beeinträchtigungen nachzuweisen.

            Nach einer Bescheinigung des Amtes Delbrück vom 22. Oktober 1973 wurde Tölle bereits am 2. November 1937, also mit 17 Jahren, zur Wehrmacht nach Gütersloh einberufen. Die Berliner Nachweisstellen verfügten dagegen über keine Unterlagen zu seiner Vorkriegsdienstzeit. Ihre Aufzeichnungen setzen am 30. August 1939 ein und nennen die 3. Kompanie des Luftgau-Nachrichten-Regiments 12. Eine Verleihungsurkunde vom 1. Oktober 1939 bezeichnet ihn als Funker beim Luftgau-Nachrichten-Regiment 6 und dokumentiert die Verleihung der „Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938“. Die verschiedenen Truppenangaben zeigen, dass seine Dienstlaufbahn nur aus verstreuten Belegen rekonstruiert werden kann.

            Von Dezember 1939 bis Mai 1940 war Tölle nach einer späteren Zeugenaussage als Angehöriger des Flakregiments 30 in Daun stationiert. Dort wohnte er im Elternhaus von Luise Molitor in der Leopoldstraße 19. Molitor bestätigte 1973, dass er am 1. Mai 1940 vom Obergefreiten zum Unteroffizier befördert worden sei. Ein zeitgenössischer „Sonderausweis Paris“ vom Juni 1940 führt ihn bereits als Unteroffizier und nennt das Fort Rosny als Unterkunft. Damit ist sein Aufenthalt bei den deutschen Truppen in Paris unmittelbar belegt.

            Für den 1. April 1942 ist seine Zugehörigkeit zur 1. Kompanie der leichten Reserve-Flak-Abteilung 991 nachgewiesen. Vom 27. Januar bis zum 19. Februar 1943 wurde er wegen Gelbsucht im Luftwaffenlazarett Frankfurt am Main behandelt und anschließend als dienstfähig zur Truppe entlassen. Die letzte ermittelte Truppenmeldung vom 19. Februar 1943 nennt die leichte Flak-Ersatz-Abteilung 95. Eine Sparkassenbescheinigung belegt außerdem eine Wehrsoldzahlung für Oktober und November 1944. Noch am 22. Mai 1945 quittierte Tölle den Empfang von Wehrsold mit Sonderzulage. Im Juni 1945 befand er sich erneut in Lazarettbehandlung; die Unterlagen nennen die Kriegslazarette 541 und 614 sowie die „Marschgruppe Behr“. Am 18. Juli 1945 wurde er von einer britischen Entlassungsstelle registriert. Über Beginn und Verlauf seiner Kriegsgefangenschaft liegen jedoch keine näheren Angaben vor.

            Nach dem Krieg beschäftigten Tölle die versicherungsrechtliche Anerkennung seiner Dienstzeiten und der Nachweis gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Bereits ein Schreiben der Landesversicherungsanstalt Westfalen vom 24. Juli 1946 behandelte seine Rentenanwartschaft und die Anrechnung von Arbeitsdienst, Wehrdienst und Gefangenschaft als Ersatzzeiten. In den Jahren 1968 bis 1974 bemühte er sich wiederholt um ergänzende Nachweise. Eine Bescheinigung des Versorgungsamtes Soest vom 9. Juni 1975 bestätigte schließlich, rückwirkend ab dem 1. Mai 1974, seine Schwerbehinderteneigenschaft mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 90 Prozent. Welche Leiden dieser Einstufung zugrunde lagen und inwieweit sie auf den Militärdienst zurückgingen, geht aus den vorliegenden Dokumenten nicht hervor. Die Sammlung dokumentiert somit sowohl Stationen seines Soldatenlebens als auch dessen lange bürokratische Nachgeschichte.

            Quelle: „Tölle, Stefan – Unterlagen im Bestand von Maria Peters“, zusammengestellt und erläutert von Wolfgang Marcus, September/Oktober 2026; insbesondere die darin abgebildeten Originalbescheinigungen und Urkunden von 1939 bis 1975.