Von Wolfgang Marcus
Im Bestand von Frau Peters fand ich einen gedruckten Aufsatz zum Hof Schütte-Rixmeier, wohl verfasst von Franz Schütte, einem früheren Rektor der Friedrichschule in Lippstadt. Anmerkungen von mir und von Maria Peters habe ich in eckige Klammern eingefügt []. Sodann einen Kommentar dazu von Josef Schütte, geb. 1954. Ergänzt habe ich die Darstellung durch einen kurzen Text und zwei Fotos, die wir bei unserer Ausstellung 2006 zum 100-jährigen Bestehen des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Bad Westernkotten präsentiert haben. Dann folgt noch ein Abschnitt über die Bedeutung des Familiennamens „Schütte“.
Geschichte des Familien- und Hofnamens von Schütte- Rixmeyer in Bad Westernkotten
Wir unterscheiden den Familien- und Hofnamen.
Der Hofname
Der Hofname Rixmeyer geht zurück bis in die Zeit des Kaisers Karl des Großen (768-814) nach Christi.Karl der Große legte überall in seinem Reiche Königshöfe an. Diese boten dem Kaiser Unterkunft und Verpflegung bei seinen Zügen durch das Reich. In Erwitte war ein solcher Königshof. Die beiden nächsten lagen in Soest und Unna, Sie waren gewöhnlich 5- 8 Tagesstunden voneinander entfernt. Zu jedem Königshof gehörte eine Königskufe, 45 ha oder 180 Morgen, deren Erträge dem Kaiser und seinem Gefolge auf seinen Reisen dienten.Da diese gewöhnlich nicht ausreichten, mussten die angrenzenden Dörfer Abgaben leisten.
Für diese Abgaben in Westernkotten hatte Rixmeyer-Königsmeyer zu sorgen. Er hatte in Westernkotten 20 ha Eigenland, dazu kamen dann noch 25 ha Königsland. Die Erträgnisse waren alljährlich an den Königshof in Erwitte zu leisten.
Durch einen Schütte, meinen Großvater, euren Urgroßvater, ging der Hof auf 2 ha = 8 Morgen zurück. Eure Großeltern und meine Eltern brachten den Hof wieder auf rd. 20 ha = 80 Morgen.
Die jetzige Generation hat die heilige Verpflichtung, durch Fleiß, Tüchtigkeit und fortschrittliches Tun den Hof wieder über 100 Morgen- also über 25 ha zu bringen mit Gottes Hilfe.
Bis zum Dreißigjährigen Krieg lag der Hof dort, wo jetzt das Schwesternhaus [das frühere Elisabethheim Ecke Schützenstraße/Aspenstraße. WM] ist und brannte vollständig nieder. [Durch Feuer vernichtet am 3. August 1691 über 100 Gebäude und Kapelle. Feuer in Salzhütte entstanden. MP].
Da Westernkotten infolge der Pest vollständig bis auf 18 Personen ausgestorben war und die meisten Häuser deshalb leer standen, baute man nicht neu, sondern bezog das Haus Nr. 31 an der Hauptstraße am Bach.
Dieses Haus brannte vor 160 Jahren bei einem Großbrand [? MP], dem die meisten Häuser an der Hauptstraße zum Opfer fielen, vollständig nieder und wurde dann neu errichtet. Das Haus wurde dann mehrmals durch An- und Umbau verändert [Sprenger, Winold. MP] Der größte Umbau und Anbau durch Kuh-, Schweinestall nebst Kornboden erfolgte vor 4o Jahren. Er war sehr kostspielig.
Da auch dieser den wirtschaftlichen Anforderungen nicht mehr genügte, siedelten Heinrich und Theodor Schütte aus, verkauften das Haus für 60 000 DM an die Firma Köneke und bauten am Friedhof, wo sie vor 50 Jahren eine Grundscheune erbaut hatten und errichteten dort den jetzigen Hof.
Der Bau und die Existenz des neuen Hofes wurden vor allem gesichert durch den unermüdlichen und selbstlosen Einsatz des guten, menschenfreundlichen Onkel Heinrich. Obgleich amputiert, war er rastlos tätig. In grauer Morgenfrühe vor Sonnenaufgang suchte er jeden Tropfen Milch zusammen, um die Lasten zu tragen, die der Hof zu leisten hatte.
Durch Krankheit, Unglück am Vieh und Grundstückskauf waren die hohen Lasten entstanden. Innerhalb von zwei Jahren fielen drei Pferde, ein viertes Pferd wurde dann noch von den Nazis im Dorf dem Hofe genommen [Daran wird deutlich, dass Franz Schütte diesen Aufsatz nach 1945 geschrieben hat. WM].
Unermüdlich arbeiteten sein Bruder Theodor mit den drei Töchtern Mia, Toni und Elly auf dem Hofe. Da die Mutter schon früh starb, musste Mia schon im jugendlichen Alter den Haushalt führen; dabei halfen im Hause und draußen Toni und Elly, alles ging in mustergültiger Weise voran.
Ein besonderes Geschenk des Himmels war die Heimkehr des Sohnes Josef aus russischer Gefangenschaft auf den Hof. Er fand in seiner Frau Wilma eine tüchtige Partnerin. Beide arbeiteten selbstlos unermüdlich auf dem neuen Hofe, den sie bald auf die Höhe brachten. Josef erntete auf dem Felde und den Weiden hohe Erträge. Große Summen investierte er in zeitgemäßen Ackergeräten. Mit seinem Traktor lag er monatelang jeden Tag auf der Landstraße, um das Material für den Neubau herbeizuschaffen.
Der Familienname
Bis zum Dreißigjährigen Kriege 1618 ist der Familienname Kleeschulte nachzuweisen. Der Name besagt schon, dass die Familie gut situiert war, denn Klee wurde nur von begüterten und fortschrittlichen Familien angebaut. Zur Fütterung des Viehes wurde allgemein Rauhfutter genommen. Es war damals Tatsache, dass jedes zweite Pferd blind war. Diese Blindheit war durch Rauhfutter vielfach bedingt.
Nach 1618 tritt der Familienname Sprenger auf, der bis Anfang des 19. Jahrhunderts geführt wurde.
Dann kommt der Familienname Schütte vor. Diesen Namen brachte euer Urgroßvater, mein Großvater, der vom Hilferlingshofe aus Weckinghausen stammte, als Anton Schütte Franziska Sprenger heiratete.
Die Mutter von Anton Schütte hieß Elisabeth und war eine geborene Poehling aus Overhagen. Poehlings hatten damals einen großen Hof. Anton Schütte war ein grober und starker Mann. Als er im Monat März 10 Morgen Hafer bei starkem Märzwind gesät hatte, zog er sich eine schwere Lungenentzündung zu und starb am 10.Tage.
Sein Sohn Anton hätte den Hof nun erben müssen. Die Mutter heiratete in zweiter Ehe einen Roetger und der älteste Sohn Anton wurde mit 16 Morgen Ackerland, die vor Mönnigs Weide liegen, nach Westernkotten abgeschoben.
Als er so nun um den Hof und später noch um die 16 Morgen gebracht und betrogen wurde, verlor er den Glauben an die Gerechtigkeit und hatte keine Lust mehr am Arbeiten und so ging der Hof in Westernkotten bald zurück.
Mein Vater sagte und gab als Urteil über seinen Vater den Satz „Jungen von großen Höfen taugen nichts auf kleineren Höfen, sie bringen sie zurück und gehen abwärts“.
Der rechtmäßige Erbe des Hofes in Weckinghausen war mein Großvater. Er wurde nun um sein Erbteil gebracht und die Ungerechtigkeit fasste man in das Urteil: Der Hof in Weckinghausen kommt nicht ans dritte Geschlecht und so geschah es auch wortwörtlich.
In Westernkotten arbeiteten auf dem Hofe Rixmeyer Franz Josef Schütte und seine Ehefrau Maria, die eine geborene Hollenbeck-Rüsings vom Schäferkampe war. Dort waren auf dem Hofe sechs Mädchen, die alle sehr strebsam waren.
Franz Josef Schütte hatte im Kriege 1870/71 in der Schlacht bei Gravelotte einen Granatsplitter im rechten Oberschenkel bekommen.
Sechs prächtige Söhne schenkte Gott dem Ehepaar. Die Mutter war erfüllt von echter Gottes- und Nächstenliebe. Kein Armer und Kranker verließen den Hof, ohne dass ihm geholfen wurde. Die Mutter ermahnte uns als brave Lobetagskinder zu leben und als Christusträger durchs Leben zu gehen. Sie forderte uns auf, im Leben das Danken nicht zu vergessen für all das Gute, das Gott der Familie und dem Hause erwiesen hatte.
Anmerkung von Josef Schütte, geb. 09.03.1954, dem jetzigen Besitzer des Hofes am
Westerntor 28.
Bad Westernkotten, 06.02.2008
Der Text wurde verfasst von Franz Schütte, Rektor der Friedrichschule in Lippstadt, einem Bruder meines Großvaters Theodor Schütte. Leider sind nur wenige Namens- und Jahreszahlenangaben gemacht worden.
Einiges möchte ich nach meinem Wissen berichten.
Zu Seite und 2:
Der eigentliche Erbe des Hofes Schütte – Rixmeier an der Aspenstraße war der Onkel Heinrich, ebenfalls ein Bruder meines Großvaters. Da dieser jedoch im 1. Weltkrieg Ein Bein verlor, musste mein Großvater, der Schmied Theodor Schiitte, verheiratet mit Antonie, geb. Dietz, wohnhaft in Lippstadt, Burgstraße 33, den Hof in Westernkotten übernehmen.
1913 errichtete mein Großvater die Scheune am Westerntor. Die Familie lebte jedoch bis 1960 an der Aspenstraße.
Als mein Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, wurde ihm am 06.11.1950 der Hof übertragen und von diesem für 40000.- DM, nicht wie geschrieben für 60000.-DM, an die Firma Johannes Köneke verkauft. – Mein Vater, nicht mein Großvater, errichtete dann 1958 -1960 eine neue Hofstelle am Westerntor. Einen Teil des Neubaus der Stallungen wurde schon nach einem Jahr durch Brandstiftung ein Raub der Flammen. – 1960 siedelte meine Familie dann zum Westerntor aus.
Der 3. Abschnitt auf Seite 2 ist nicht ganz korrekt.
Die Milchwagentouren fuhr mein Vater vor dem 2. Weltkrieg in jungen Jahren von der Aspenstraße bis nach Lippstadt. Diese Beziehungen pflegte er noch bis ins späte Alter. Die Fortsetzung der Familiengeschichte möchte ich ergänzen nach dem 1. Abschnitt auf Seite 3.
Meine Mutter Wilhelmine, geb. Ammelt, versorgte unsere Familie, die 4 Kinder: Maria, Josef, Irmgard und Heiner, den kranken Onkel Heinrich, meinen Großvater Theodor, den Knecht Eduard. Sie arbeitete nicht nur im Haus, sondern auch im Stall und auf dem Feld und verpflegte von 1960 bis in die 90er Jahre Kurgäste in Vollpension, so dass sie einen großen Teil zur Weiterentwicklung des Hofes beitrug. – 1980 verpachtete mein Vater den Hof an mich und übertrug ihn 1994 auf meinen Namen. – Im Jahr 2000 habe ich mich entschlossen, die Schweinezucht aufzugeben und die Ländereien zu verpachten, da ich am jetzigen Standort keine großen Chancen für eine Fortführung des Betriebes gesehen habe.
Josef Schütte
Notizen und Fotos bei der Ausstellung 2006
Ehemaliger landwirtschaftlicher Betrieb Schütte, Westerntor 28
Lage des Betriebes:
Der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb liegt am Westrand von Westernkotten an der Einmündung des Solerings in die Straße Westerntor. Früher lag der Hof an der Aspenstraße 14 (heute Zahnarztpraxis Schmücker). Der alte Hofstätten-Name ist „Rixmeier“.
Zur Geschichte des Hofes und zur landwirtschaftlichen Produktion:
Hofeigentümer: 1940 wird in der Liste der Mitglieder des landwirtschaftlichen Ortsvereins Theodor Schütte genannt.


Luftbild um 1970
Die Wortbedeutung „Schütte“
Der Familienname Schütte bedeutet meist „Schütze“ oder „Wächter“. Er geht auf das mittelniederdeutsche Wort „schutte“ zurück und gehört damit zu den Berufsnamen – ähnlich wie Müller oder Schmidt. Die ursprüngliche Bezeichnung konnte unterschiedliche Tätigkeiten meinen:
– einen Bogen-, Armbrust- oder Büchsenschützen, auch einen Jäger;
– einen bewaffneten Stadtwächter;
– einen Wald- oder Flurhüter, der Wälder, Felder und deren Nutzung überwachte.
Dahinter stehen die beiden Bedeutungsbereiche „schießen“ und „schützen“. Welcher davon bei einer bestimmten Familie den Ausschlag gab, lässt sich aus dem Namen allein nicht erkennen.
Sprachlich stammt Schütte aus dem niederdeutschen, also norddeutschen Sprachraum, zu dem auch Westfalen gehört. Schütte ist die niederdeutsche Entsprechung von Schütze beziehungsweise Schütz. Das „tt“ entspricht hier dem hochdeutschen „tz“. Der „Deutsche Familiennamenatlas“ behandelt diese Formen ausdrücklich gemeinsam.
Damit ist die allgemeine Namensherkunft erklärt, aber noch kein bestimmter Ursprungsort einer Familie Schütte nachgewiesen. Für eine Schütte-Familie aus Bad Westernkotten oder dem Raum Erwitte müsste man die ältesten Kirchenbuch-, Hof- und Urkundenbelege verfolgen. Erst diese könnten zeigen, woher die konkrete Familie kam und ob der Name ursprünglich eine Tätigkeit oder einen übernommenen Hofnamen bezeichnete.
[Quellen zum Nachlesen: Rita Heuser, Artikel „Schütze“, Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands; Konrad Kunze/Damaris Nübling (Hrsg.), Deutscher Familiennamenatlas, Band 2, Berlin/New York 2011, S. 414–421.]