Wolfgang Marcus
Durch die Auswertung des Nachlasses von Maria Peters bin ich auch auf die Familie Knoche gestoßen, wobei ich dort nur ein (unvollständiges) maschinenschriftliches Manuskript – bearbeitet von Maria Peters – fand. Der Text schildert das Kriegsende 1945 in Westernkotten aus der Sicht von Elisabeth Knoche, geb. Adämmer. Es ist auf der Homepage der Heimatfreunde veröffentlicht: https://heimatverein-badwesternkotten.de/wp-content/uploads/2026/09/2026-09-03-Marcus-Peters-Kriegsende-in-Westernkotten-aus-Sicht-von-Elisabeth-Knoche.pdf
Spontan erinnere ich mich an Heini Knoche und seine Familie aus der Aspenstraße, an Heinz Knoche aus dem Laarweg, an Peter Knoche aus der Lindenstraße und Bernhard Knoche aus dem Sanddornring sowie Maria Knoche, die bei der Stadtverwaltung Erwitte arbeitet.
Der folgende Aufsatz ist deshalb sicherlich nicht annähernd vollständig, versucht aber – auch mit Hilfe von KI – eine gewisse Grundstruktur aufzuzeigen.
1. Herkunft und Bedeutung des Namens
Der Familienname Knoche gehört zu den Namen, die ursprünglich aus einem persönlichen Beinamen entstanden sind. Das Wörterbuch der deutschen Familiennamen führt ihn auf das mittelhochdeutsche Wort „knoche“ zurück, das unter anderem Knochen und Astknorren bedeutete. Gemeint war demnach ein knochiger, knorriger Mensch oder, im übertragenen Sinne, jemand, der als grob empfunden wurde. Solche Bezeichnungen konnten sich im Laufe der Zeit zu erblichen Familiennamen entwickeln. Über die Eigenschaften heutiger Namensträger sagen sie selbstverständlich nichts aus.
2. Ein Familienzweig aus Wadersloh
Für die Geschichte der Knoche in Westernkotten liegt ein besonders anschaulicher Bericht von Heinrich Knoche vor. In seinen Erinnerungen an das frühere Wohnhaus an der B 55 beschreibt er die Ansiedlung seiner Großeltern: Als 1883 die Westfälische Landeseisenbahn ihren Betrieb aufnahm, wurde die dortige Pferdewechselstation entbehrlich. Nach seiner Darstellung kaufte der aus Wadersloh stammende Landwirt Heinrich Knoche, der im Winter auch Holzschuhe herstellte, das Anwesen. Er heiratete Franziska Peters aus Millinghausen und begründete dort seinen Familienzweig. Damit ist eine konkrete Herkunftslinie der Westernkötter Knoche überliefert; eine gemeinsame Abstammung sämtlicher örtlicher Namensträger ist dadurch allerdings noch nicht nachgewiesen.
1928 übernahm der Sohn Bernhard Knoche das Anwesen. Er war bei der Reichsbahn beschäftigt und heiratete Josepha Koch aus Erwitte. Zum Haushalt gehörte eine kleine Landwirtschaft als Nebenerwerb. Das alte Wohnhaus musste 1955 dem Ausbau der B 55 weichen; die Familie errichtete ein neues Haus am Westerntor, an der Ecke zur Lindenstraße. Die Familiengeschichte spiegelt damit zugleich Veränderungen der örtlichen Verkehrs- und Baugeschichte wider.
3. Kinderreiche Familien und wiederkehrende Vornamen
Wie sich der Name innerhalb der Verwandtschaft verbreitete, lassen Heinrich Knoches Kriegserinnerungen erkennen. Der am 21. Dezember 1930 geborene Verfasser hatte fünf Geschwister. Zu seinem Freundeskreis gehörten sein Bruder Bernhard und ein gleichnamiger Vetter Heinrich Knoche. Bereits diese Angaben zeigen eine größere Verwandtschaft, in der der Familienname und bestimmte Vornamen mehrfach vorkamen. Kinderreiche Familien bieten somit eine plausible Erklärung für die örtliche Häufung des Namens. Wie viele Personen heute in Bad Westernkotten Knoche heißen und welchen Rang der Name dort einnimmt, lässt sich aus diesen historischen Quellen jedoch nicht bestimmen.
4. Engagement für Sport und Heimatgeschichte
Namensträger Knoche begegnen auch an wichtigen Stellen der örtlichen Vereinsgeschichte. Bernhard Knoche gehörte zu den Gründungsmitgliedern des am 22. Februar 1920 gegründeten Spiel- und Sportvereins Westernkotten. Johannes Knoche übernahm am 30. Juni 1982 dessen Vorsitz (bis 1992). Über mehrere Generationen ist der Name damit im Vereinsleben greifbar.
Besondere Verdienste um die Bewahrung örtlicher Erinnerungen erwarb sich Heinrich, genannt Heini, Knoche. Er schrieb über die Geschichte des SuS, hielt seine Erlebnisse während des Krieges und der ersten Nachkriegswochen fest und dokumentierte alte Haus- und Beinamen in plattdeutscher Sprache. Sein Beitrag „Olle Hius- und Buinoamen in Kuorten“ erschien im Jahrbuch Bad Westernkotten 2010, S. 134–135. Seine gesammelten Vereinsakten und Protokolle bildeten zudem eine wichtige Grundlage für die Aufarbeitung der SuS-Geschichte zum hundertjährigen Bestehen 2020.

5. Ein Name mit örtlicher Geschichte
Der Name Knoche steht in Bad Westernkotten somit für mehr als eine häufige Namensbegegnung: Er verbindet Familiengeschichte, Eisenbahn und Straßenbau, sportliches Engagement und die Pflege der plattdeutschen Überlieferung. Besonders gut dokumentiert ist der aus Wadersloh zugewanderte Familienzweig. Wann der Name erstmals überhaupt in Westernkotten auftauchte und wie die einzelnen Familienzweige miteinander zusammenhängen, müsste durch Kirchenbücher und Einwohnerverzeichnisse genauer geklärt werden.
Quellen und Belege
- Heinrich Knoche: „Meine Erinnerungen an unser altes Wohnhaus an der B 55“, in: Bad Westernkotten. Jahrbuch 2019, S. 210–211.
- Heinrich Knoche: „Krieg, Kriegsende und Nachkriegswochen in Westernkotten“, in: Heimatblätter 2007, S. 9–15; auch auf wolfgangmarcus.de.
- Heinrich Knoche: „Zur Geschichte des Spiel- und Sportvereins Bad Westernkotten 1920–2007“, in: Heimatblätter 2007, S. 121 ff.; online mit ergänzter Vorsitzenden-Liste.
- Wolfgang Marcus: Hausnamen/Hausstätten-Namen in Westernkotten, 2024, insbesondere Abschnitt Aspenstraße und Anmerkung 9.
- Wörterbuch der deutschen Familiennamen, Stichwort „Knoche“, online wiedergegeben bei Academic.