Treziak, Johann – Feldpost eines Soldaten

Wolfgang Marcus

Im Bestand von Maria Peters fand ich auch einige Feldpost von Johann Treziak, der nach meiner Erinnerung an der Nordstraße 5 gegenüber der damaligen Post wohnte. Nach Angaben auf Totenzetteln[1] wurde er am 3.7.1919 geboren und verstarb am 12.5.2006. Seine Frau Theresia wurde am 30.1.1920 geboren und starb am 21.3.2010.

Ich habe mich am 08.08.2026 an die Arbeit gemacht, seine Post zu sichten, chronologisch zu ordnen und einige Aufsätze daraus zu transkribieren.

17.11.1939: Feldpost an Elisabeth Eickmann

    Die Karte ist an Elisabeth Eickmann, Westernkotten über Lippstadt (Westf.), No. 79, adressiert. Der Text lautet: Sendet Ihnen Schütze Joh. Treziak … Marienburg Westpreußen, Sandhof-Kaserne[2]. Viele Grüße an alle andern!

    04.01.1940: Brief aus Marienburg

      Der Text lautet: Marienburg, den 04.01.1940. Werte Familie Eickmann! Endlich komme ich dazu, euch auch ein paar Zeilen zu schreiben. Es war mir nicht eher möglich, euch zu schreiben, denn ich habe jetzt hier viel zu tun. Mein Helfer ist jetzt noch in Urlaub; und außerdem habe ich jetzt noch mehr Leute von einer anderen Körperschaft, deren Ausbilder auch im Urlaub sind, zeitweise dazu gekriegt. Wenn man sich damit den ganzen Tag herumschlägt, dann ist man des Abends auch heiser und müde. Dann muss man sich auch noch abends die Vorschriften ansehen für den Dienst am nächsten Tag. Wir haben hier einen Feldwebel von der Schützenkompanie als Zugführer; der versteht nichts vom Geschütz und doch sollen die Rekruten was lernen. Letzten Endes sind wir ja auch kein Gott, dass wir in so kurzer Zeit das können, was die Unteroffiziere auf den Schulen alles lernen. Trotzdem ist unser Kompanieführer bis jetzt noch nicht mit uns zufrieden. Im Übrigen geht es mir noch ganz gut, welches ich euch allen auch von Herzen gerne wünsche. Sind die Bilder eigentlich was geworden? Falls ihr meine Neujahrskarte nicht erhalten habt, wünsche ich euch noch nachträglich viel Glück und Segen im neuen Jahr. Sonst wüsste ich nichts Neues von hier zu berichten. In der Hoffnung, dass euch mein Brief bei der besten Gesundheit antrifft und bald etwas von euch zu hören, verbleibe ich mit den besten Grüßen Johann. Recht herzliche Grüße auch an alle mir Bekannten!

      14.01.1940: Brief aus Marienburg

        11.04.1940: Brief aus Marienburg

          26.04.1940: Brief aus Marienburg

          Der Text lautet: Marienburg, den 26.04. 40. Werte Familie Eickmann! Euer Päckchen und die Karte habe ich bei der besten Gesundheit erhalten. Hierfür danke ich euch recht herzlich. Leider ist der Urlaub nicht genehmigt. Es wird nur in den dringendsten fällen Urlaub gewährt. Wenn das geglückt wäre, so hätte es mir auch bestimmt nichts ausgemacht euch zu helfen. Wir haben aber meinen 14-tägigen Erholungsurlaub aber noch in Aussicht. Wenn ich den kriegte, und ihr habt dann grad viel zu tun, so werde ich nicht derjenige sein, der nur zusieht. Vielleicht kriege ich den noch vor Pfingsten. Es ist doch gut, wenn man noch etwas Hoffnung hat. Seit nun recht herzlich gegrüßt von Johann. Viele Grüße an alle anderen!

          02.09.1940

          29.7.1941: Postkarte von Bürgermeister Eickmann

          Die Karte war an den Gefreiten Johann Treciak, stationiert in Detmold, adressiert. Eickmann hat sie aber mit dem Stempel „Zurück an Absender, neue Anschrift abwarten!“ zurückbekommen. Und so ist sie dann in die Sammlung von Maria Peters gelangt. Der Text lautet: Westernkotten, 29.7. 1941. Lieber Johann! Heute ist das Ernte-Urlaubsgesuch abgegangen. Muss mal sehen, dass es klappt. Augenblicklich sind mehrere Urlauber hier, Wieneken Franz, Jösters Anton, Nucken Franz, Lanhenken Theo und Wulwes Josef. Niggenabers Franz, der bei Speckenheuer war, ist gefallen. Deine Braut half gestern Humboldts Gerste mähen. Wir haben gestern Nachmittag gedroschen. Den Roggen haben wir ab. Jetzt geht es bald an den Weizen. Also auf Wiedersehen. Viele Grüße sendet Heinrich Eickmann.

          Pfingstsonntag 1942

          17.10.1942: Erster Brief aus einem Lazarett

            Der Text lautet: Lowitsch, den 17.10. 42. Liebe Familie Eickmann! nach langer Zeit will ich auch mal wieder etwas von mir hören lassen. Wie ihr ja wohl schon von Threschen C. [seine spätere Frau Theresia geb. Coböken] erfahren habt, bin ich in Russland verwundert und liege hier in Lowitsch im Lazarett. Meine Wunden sind aber schon fast wieder verheilt, so dass ich noch in diesem Monat in Westernkotten auf Urlaub sein werde. Ich könnte zwar noch etwas länger hierbleiben, aber wenn man so lange keinen Urlaub mehr gehabt hat, dann verzichtet man auf den wirklich angenehmen Aufenthalt im Lazarett. Das gibt dann Genesungs- und Erholungsurlaub. Man kann ja auch fast nur noch übers Lazarett Urlaub bekommen. Ich will nun schließen und grüße sie alle recht herzlich. Johann

            26.10.1942: Feldpost aus dem Lazarett in Lowitsch

            Der Text lautet: Liebe Familie Eickmann! Die besten Grüße aus dem Lazarett sendet Ihnen Johann. Ich hatte Ihnen vor einiger Zeit einen Brief geschrieben, worin ich Ihnen mitteilte, dass ich wohl bald in Urlaub käme. Es hat sich aber wieder verschlimmert, sodass ich wohl noch 4-5 Wochen länger hierbleibe. Ich hoffe aber, gerade zu Weihnachten in Urlaub zu sein, dann sind es gerade 2 Jahre her, dass ich keinen Urlaub mehr gehabt habe. Ich war dann wenigstens nicht den ganzen Winter im „Paradies der Arbeiter“. Es grüßt dann alle nochmals recht herzlich Johannes, Unteroffizier Johann Treziak, Reserve-Lazarett I, Lowitsch, Abteilung … Osten[3]

            Totenzettel Treziak

            Treziak in (Bad) Westernkotten – erforscht durch KI (11.10.2026)

            Familie Treziak in (Bad) Westernkotten – Spuren einer bislang wenig dokumentierten Familiengeschichte

            Die Familie Treziak lässt sich in Bad Westernkotten anhand kirchlicher Nachrichten nachweisen. Allerdings reichen die bislang auffindbaren Quellen noch nicht aus, um ihre Herkunft, den Zeitpunkt ihrer Ansiedlung und die einzelnen Generationen zusammenhängend darzustellen. Der folgende Überblick unterscheidet deshalb zwischen belegten Personen und offenen Fragen.

            Ein konkreter örtlicher Beleg findet sich in den Pfarrnachrichten des Pastoralverbundes Erwitte vom 2. Mai 2010. Im Abschnitt der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist Bad Westernkotten werden für die Vorabendmesse am 8. Mai 2010 um 17 Uhr zwei verstorbene Personen dieses Namens genannt: Theresia Treziak und Johannes Treziak. Für Theresia war ein Dreißigtageamt vorgesehen, für Johannes ein Jahresgedenken. Damit ist der Name Treziak unmittelbar im kirchlichen Leben Bad Westernkottens belegt. Die unterschiedlichen Formen des Totengedenkens lassen erkennen, dass Theresias Tod damals erst kürzere Zeit zurücklag, während Johannes bereits früher verstorben war. Genaue Sterbedaten enthält diese Bekanntmachung jedoch nicht. Auch geht daraus nicht hervor, ob die beiden miteinander verheiratet waren oder in einem anderen verwandtschaftlichen Verhältnis standen.

            Eine weitere Spur bietet das Internetverzeichnis „LocateFamily“: Dort erscheint Johann Treziak mit der Ortsangabe Erwitte; die zugrunde liegenden Angaben sollen im Januar 2008 erfasst worden sein. Dieser Eintrag ist lediglich als ergänzender Suchhinweis zu bewerten, da das Verzeichnis keine überprüfbare Originalquelle nennt. Ob Johann mit dem in den Pfarrnachrichten genannten Johannes identisch ist, bleibt offen. Die Ähnlichkeit der Vornamen allein genügt für eine solche Gleichsetzung nicht.

            Zur älteren Familiengeschichte bleiben somit wesentliche Fragen unbeantwortet: Woher kamen die Treziaks nach Westernkotten? Seit wann lebten sie hier? Welche Berufe übten sie aus, und mit welchen örtlichen Familien bestanden verwandtschaftliche Beziehungen? Ebenso wenig lässt sich aus den gefundenen Belegen eine Zuwanderung infolge von Flucht oder Vertreibung ableiten. Dafür wären persönliche Dokumente oder amtliche Einträge erforderlich.

            Für eine weiterführende Untersuchung wären besonders die Melderegister im Stadtarchiv Erwitte, die einschlägigen Personenstandsregister sowie kirchliche Trauungs- und Sterbeeinträge heranzuziehen. Auch Todesanzeigen und Familiennachrichten im „Patriot“ könnten die genannten Personen genauer einordnen. Der derzeit gesicherte Befund ist schmal, aber eindeutig: Theresia und Johannes Treziak wurden 2010 in der Bad Westernkottener Pfarrgemeinde namentlich im Totengedenken berücksichtigt. Eine darüberhinausgehende Familienchronik bedarf zusätzlicher Quellen.

            Was bedeutet der Name Treziak?

            Treziak könnte eine vereinfachte Schreibform des polnischen Familiennamens „Trzeciak“ sein. Das ist sprachlich plausibel; einen wissenschaftlichen Wörterbucheintrag, der diese Ableitung ausdrücklich für Treziak bestätigt, habe ich allerdings nicht gefunden.

            Für Trzeciak sind zwei verwandte Deutungen überliefert:

            1. „Der Dritte“ beziehungsweise „das dritte Kind oder der dritte Sohn“: Das Dictionary of American Family Names erklärt den Namen als einen vermutlich ursprünglich auf die Geburtsfolge bezogenen Beinamen, abgeleitet von polnisch trzeci = „dritter“.
            2. Ein Beiname nach dem Wort „Treciak“: Das wissenschaftliche Namenwörterbuch des Instituts für polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften nennt mehrere mundartliche Bedeutungen, darunter „ein Drittel“, „das dritte Pferd im Gespann“, „die dritte Person im Spiel“ und „dreijähriges Schaf oder dreijähriger Widder“. Welcher Anlass bei einer bestimmten Familie zur Namensbildung führte, lässt sich daraus nicht entscheiden.

            Die vermutete sprachliche Herkunft liegt somit im polnischen Sprachraum. Daraus ergibt sich aber noch kein bestimmter Herkunftsort der Westernkottener Familie. Auch eine Herkunft aus Schlesien, Westpreußen oder Ostpreußen wäre erst durch ältere Familienunterlagen zu belegen. Entscheidend wäre, ob ihre Vorfahren in Kirchenbüchern oder Personenstandsregistern tatsächlich auch als Trzeciak erscheinen.


            [1] Siehe unten.

            [2] Die Sandhof-Gegend war ein historischer Vorort beziehungsweise Landbezirk östlich des Stadtkerns von Marienburg (heute Malbork, Polen) in der früheren preußischen Provinz Westpreußen. Im Jahr 1912 wurde Sandhof in den Stadtkreis Marienburg eingemeindet (lt. KI)

            [3] Das Reserve-Lazarett Lowitsch war eine militärische Sanitätseinrichtung der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs im polnischen Łowicz (deutsch Lowitsch), das als Lazarettstandort im besetzten Gebiet diente.