Deckmann – ein seltener Name in Westernkotten

Wolfgang Marcus

  1. Brief im Bestand von Maria Peters

Im Bestand von Maria Peters fand sich lediglich ein Brief aus der Familie Deckmann, und zwar ein Feldpostbrief von „Jäger Werner Deckmann“ an den seinerzeitigen Bürgermeister Heinrich Eickmann.

Der Brief ist am 4.3.1944 geschrieben und am 5.3. abgestempelt worden. Werner Deckmann besuchte derzeit als Jäger die Fallschirmschule in Wittstock an der Dosse. Wittstock/Dosse ist heute eine Kleinstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten von Brandenburg. Den nationalsozialistischen Geist erkennt man an dem Zitat erkennen, wo es heißt „Liebe und Dankbarkeit gegen das Vaterland können nur mit dem Tode aufhören,“ einem Zitat von Friedrich dem Großen. Das Zitat spiegelt dessen Auffassung vom absolutistischen Herrscher als „erstem Diener seines Staates“ wider, einem Satz, der in die Denkweise der Nationalsozialisten gut passte.

Vorderseite des Briefes an den damaligen Bürgermeister Heinrich Eickmann.

Der Text lautet transkribiert wie folgt:

Wittstock, den 4. Nov. 44

Lieber Herr Eickmann!

Die besten Grüße von der Fallschirmschule übersendet Ihnen Werner Deckmann. Mir geht es soweit wohl noch ganz gut. Sie werden ja auch wohl gut durch den Winter gekommen sein. Hier liegt noch Schnee und ist recht kalt dabei. Der Dienst ist hier in der Schule sehr streng. Knochenbrüche gibt es am laufenden Band. Aber alles geht vorüber, auch die Ausbildungszeit. Der Lehrgang kostet viel Mut und Schweiß. Was macht die Gemeinde? Halten Sie noch Verbindung mit Pehlke Katasteramt aufrecht? Wenn ich einmal in Urlaub komme, muss ich mal sehen, ob der Laden im Katasteramt noch läuft. Ich nehme es ja an.

Seien Sie herzlich gegrüßt

Ihr

Werner Deckmann

Der Brieftext im Original

  1. Einige Informationen zu Familie Deckmann in Westernkotten

1859: Im Verzeichnis der Pferdebesitzer und deren Pferde in der Gemeinde Westernkotten im Jahre 1859 wird als letzter genannt:  Nr. 33 Deckmann Anton mit einem Pferd.

1864: Im Urverzeichnis aller Einwohner von Westernkotten aus dem Jahre 1864 wird erwähnt: Wirt Anton Deckmann und seine Frau Mina, geb. Topp, dem Stiefsohn Wilh. Krefting und den Kindern Heinrich und Adolf, Haus-Nr. 236, später Lippstädter Straße 5.  Die Familie Deckmann war damals eine von nur vier evangelischen Gemeinden in Westernkotten.

1945: Im Einwohnerverzeichnis wird für die Lippstädter Straße Heinrich Deckmann erwähnt. Und auch in den Vorbemerkungen zu einem Aufsatz vom Direktor der Saline, Carl Weicken, über das Kriegsende 1945 heißt es: „Die Nachbarschaft der Saline bestand aus dem Bahnhof, Haus Hiltemann, dem Haus Knoche, Haus Deckmann und dem Bauernhof Hötte, zwei Kilometer westlich des Ortes Westernkotten als kleinere Siedlung.“

1949: Damals standen an der Lippstädter Straße (B 55) die Häuser Hiltemann, Deckmann, Hötte und Knoche.[1]

Heute ist der Name Deckmann nach meiner Kenntnis nicht mehr vertreten. Das Haus Lippstädter Straße 5 bewohnen heute andere Familien privat.

  1. Auf der Suche nach „Deckmann in Westernkotten“ mit KI (Stand: 11.10.2026)

Hier das Ergebnis:

Die Familie Deckmann in Westernkotten – Gastwirtschaft und Wegegeldstelle

Die Familie Deckmann lässt sich in der Geschichte Westernkottens vor allem mit einer Gastwirtschaft an der Straße nach Lippstadt verbinden. Das Heimatbuch von 1958 berichtet bei der Beschreibung der früheren Wegegeldstellen, dass das „kleine Wegegeld“ bei Deckmann zwischen der Gieseler und der späteren Eisenbahnhaltestelle erhoben wurde. Deckmann betrieb dort eine Gastwirtschaft in einem Haus, das bei Erscheinen des Heimatbuches als Hötte’sches Haus bezeichnet wurde. Der Bericht nimmt auf ein Aktenstück von 1835 Bezug; einen Vornamen des damaligen Gastwirtes nennt er allerdings nicht. Damit ist der Familienname bereits im Zusammenhang mit der Verkehrsgeschichte des 19. Jahrhunderts überliefert.

Genauer wird die Familie in der Einwohnerliste von 1864 greifbar. Nach deren Auswertung lebten im Haus Nr. 236, später Lippstädter Straße 5, der Wirt Anton Deckmann, seine Ehefrau Mina, geborene Topp, sein Stiefsohn Wilhelm Krefting sowie die Kinder Heinrich und Adolf. Die Familie gehörte zu den wenigen evangelischen Haushalten Westernkottens: Von insgesamt 1.247 Einwohnern waren damals lediglich zwölf evangelisch. Im selben Haus wohnte außerdem Dorothea Dolffs, geborene Messerschmidt, die Ehefrau des Wegegeldeinnehmers Wilhelm Dolffs. Das belegt die räumliche Verbindung von Gastwirtschaft und Wegegelderhebung, bedeutet aber nicht, dass Anton Deckmann selbst das Wegegeld einzog.

Das Anwesen lag außerhalb des Dorfkerns an der heutigen B 55, nördlich des ehemaligen Westernkötter Bahnhofs. Kirchlich gehörte die evangelische Familie zum Einzugsgebiet der 1864 gebildeten Kirchengemeinde Erwitte, die auch die Evangelischen Westernkottens umfasste. Noch im Jahrbuch 2016 wird das ehemalige Haus Deckmann als benachbart zur früheren Saline und zum Bauernhof Hötte erwähnt. Der Familienname blieb somit auch als Bezeichnung eines Hauses im örtlichen Gedächtnis erhalten. – Die bisherigen Belege zeigen einen evangelischen Gastwirtshaushalt an einer wichtigen Straßenverbindung. Woher Anton Deckmann stammte, wann er Mina Topp heiratete und welchen weiteren Lebensweg die Kinder nahmen, bleibt offen. Ebenso ist die Verwandtschaft mit dem im Zusammenhang mit 1835 genannten Gastwirt noch zu klären. Dafür wären Kirchenbucheinträge, Personenstandsunterlagen und die ursprüngliche Einwohnerliste heranzuziehen.

Die wichtigsten Fundstellen sind:

– Bad Westernkotten. Ein Heimatbuch 1258–1958, Passage über die Wegegeldstellen und die Gastwirtschaft Deckmann.

– Wolfgang Marcus: Evangelische Christen in Erwitte, Westernkotten und Lippstadt. Von der Zeit Martin Luthers (1483–1546) bis ins frühe 20. Jahrhundert, in: Jahrbuch Bad Westernkotten 2017, S. 89–98, hier S. 94–95.

– Wolfgang Marcus: Die Einwohner Westernkottens im Jahre 1864, in: Lippstädter Heimatblätter, 73. Jahrgang, 1993, S. 97–101.


[1] Alle Angaben aus dem Heimatbuch von 1987.