2025: Zur Geschichte des Westerntor-Hauses

Wolfgang Marcus

Am 21.08.2025 bekam ich von Kay Lüning, dem neuen Eigentümer, die Anfrage, ob ich Material zur Geschichte des Westerntor-Hauses, also alte Karten, Fotos, Ansichten, Presseberichte usw. oder auch etwas zum Straßennamen „Westerntor“ zusammenstellen könnte. Er wolle die Einrichtung, besonders den Bereich der Tagespflege, neu dekorieren und da dürfe etwas zur Geschichte Westernkotten nichts fehlen. – Natürlich habe ich gern zugesagt, aber um etwas Zeit gebeten.

Am 30.10. 2025 hatten wir telefonisch alles weiter geklärt. Ergebnis: etwa 15 Info-Tafeln mit Motiven aus Westernkotten und kurzen Erläuterungen, dazu eine kurze Abhandlung zur Geschichte des Westerntor-Hauses.

Hier meine Ergebnisse mit eingefügten Fotos in chronologischer Form, die zum Teil auf Fotos im Westerntor-Haus zu sehen sind.

Der Bereich des Westerntor-Hauses um 1575

    Die älteste Ansicht von Westernkotten datiert aus dem Zeitraum um 1575. Hier ein Ausschnitt:

    Noch keine Bebauung im Bereich des heutigen Westerntor-Hauses [Quelle: Staatsarchiv Münster]

    Die Karte ist geostet, das heißt: Osten liegt oben. Im unteren Teil der Karte macht die Landwehr, heute „Westwall“ genannt, einen Knick und überquert die heutige Straße „Westerntor“. Auch wenn die Karte kein genaues Luftbild ist, wie es sie heute gibt, erkennt man, dass im Bereich des heutigen Westerntor-Haus sich noch keine Bebauung befand.

    Der Bereich des heutigen Westerntor-Hauses auf einem Gemälde aus dem Jahr 1666

      1666 malte der Gemäldemaler Carl Fabritius für den Paderborner Bischof die Dörfer und Städte, in denen der Bischof bzw. das Bistum reichen Besitz hatte. Auch Westernkotten gehörte dazu, schließlich war der Paderborner Bischof seit 1027 Obereigentümer der Salzquellen. Auf dem Gemälde, das aus Osten, also von Bökenförde aus, erstellt wurde, ist nicht genauer zu erkennen, ob am Westerntor bereits ein Haus stand. Das Gemälde konzentriert sich mehr auf den damaligen Adelssitz und zeigt auch, dass der Ort eher landwirtschaftlich geprägt war:

      Westernkotten 1666, von Bökenförde aus gesehen [Foto: Dr. Roland Pieper, Münster]

      Der Bereich des späteren Westerntor-Hauses im Urkataster von 1829

        Als Westernkotten 1815 preußisch wurde, ordneten diese auch eine genaue Landvermessung an. Daraus entstanden auf exakter Messung basierende Pläne an, die sog. Urkataster. Hier der Ausschnitt eines Übersichtsplans:

        Der Bereich, in dem heute das Westerntor-Haus steht, befindet sich etwas unterhalb des zweiten „e“ von „Westernkotten“. Sehr gut kann man erkennen, dass hier damals noch keine Häuser oder Gebäude standen, sondern nur naturnahes Gelände, wohl Gärten, Wiesen und Weiden.

        Auf der folgenden Vergrößerung sind sogar die damaligen Eigentümer der Flächen zu lesen: Caspar Bickmann, Anton Nonte und das „Provinzial-Steuer-Direktorat zu Münster“.

        Belegt wird der Grundbesitz des Steueramtes auch durch folgende Ausführungen: „„Bereits für die Jahre 1829 sind in Westernkotten sowohl ein Untersteueramt als auch ein Salzsteueramt belegt, die zunächst dem damaligen Hauptzollamt Paderborn unterstanden. 1846 und 1852 war Hauptamtsrendant Weierstraß Vorsteher des Untersteueramts Westernkotten. Er war zugleich Salzfaktor. Mit Schließung des Hauptsteueramts Paderborn mit Ablauf des 31. Dezember 1853 wurde das Untersteueramt Westernkotten dem neu gegründeten Hauptsteueramt Lippstadt unterstellt. 1863 waren in Westernkotten tätig Oberkontrolleur, Steuereinnehmer und Salzfaktor Zumpfort und ein Steueraufseher. – Im Jahre 1867 wurde das Salzmonopol abgeschafft und durch eine allgemeine Salzsteuer ersetzt. Zwecke der Steuerüberwachung waren u. a. die steuersichere Einfriedung der Salzwerke … Zum 1. April 1898 wurde das mit einem Beamten besetzte Salzsteueramt I in ein Salzsteueramt II umgewandelt. Es befand sich seinerzeit in der Dorfstraße, seit 1945 Aspenstraße“ [1]

        Beschreibung der Ortslage im Bereich des Westerntor-Hauses nach dem 2. Weltkrieg

          In seinem Aufsatz „Die kommunalpolitische Entwicklung von 1949 bis heute“[2] beschreibt der frühere Ortsvorsteher Alfred Beste auch die Siedlungsausdehnung von Bad Westernkotten. Dazu heißt es: „Der Stand der Wohnbebauung am 23. Mai 1949 im Vergleich zu heute:

          – 23.05.1949 etwa 230 Wohnhäuser

          – 31.12.1968 etwa 423 Wohnhäuser

          – 01.03.1987 etwa 661 Wohnhäuser

          Bis auf den Schäferkamp, den südöstlichen Ortsteil, der nach wie vor stark landwirtschaftlich geprägt ist und von der Wohnbebauung her sich nicht wesentlich verändert hat, hat sich der Ort in alle Richtungen enorm ausgeweitet. Am 23. Mai 1949 bildeten folgende Wohnhäuser die Randbebauung von Westernkotten:

          • in Richtung Erwitte: das Haus Schäfermeier/Bering, Westerntor 4;
          • in Richtung B 55 an der Weringhauser Straße (ab Auf der Brede): die Häuser Eickmann, Wiehen, Gut Weringhoff mit den drei Arbeiterhäusern und der Mühle, an der B 55 die Häuser Hiltemann, Deckmann, Hötte und Knoche; an der Griesestraße: die Häuser Pütter und Erdmann;
          • an der Nordstraße (ab Antoniusstraße): die Häuser Merschmann/Krüger, Maßolle, Schröer, Becker/Beste, Mergemeier, Schröer/Leifels, Hoppe-Klosebaum, Wiese, Knych/Korn und Schröer/Ammelt; an der Stadtgasse: das Haus Stillecke;
          • an der Antoniusstraße (ab Osterbachstraße): die Häuser Hense/Köhler und Korf/
          • Holtkötter;
          • an der Osterbachstraße: am Ende die Häuser Kerkhoff, Nr. 31 und Buxoidt, Nr. 44;
          • an der Bruchstraße (ab Südwall/Ostwall): das Haus Kuckelmann;
          • am Südwall: das Haus Hellemeier;
          • an der Aspenstraße und B 1 (ab Westwall): die Häuser Spiekermann, Nr. 44, Erdmann, Adämmer, Berendwilm/Schulte, Diesmeier und der Domhof;
          • am Schäferkämper Weg: das Haus Westerfeld, Nr. 3.

          Es wird also deutlich, dass sich bis 1949 noch kein Haus im Bereich des heutigen Westerntor-Hauses befand. Das letzte Haus hier war das Haus Westerntor 4, in dem sich früher der Schlecker-Markt befand. Heute ist dort die Firma Physio-Team untergebracht.

          Allerdings verweist Beste darauf, dass die Straße damals schon komplett ausgebaut war, aber als Kreisstraße K 56. [3]

          Einige Entwicklungen in Bad Westernkotten von 1949 bis 1995

          Für jedes Jahr habe ich mindestens ein besonderes Ereignis aufgezählt:

          1949: Zum letzten Mal wird in einer Salzhütte (Saline) aus dem Salzwasser Salz produziert.

          1950: Gründung der Solbad Westernkotten GmbH: In Zukunft will man die Sole zu Heilzwecken nutzen. Seitdem gibt es Kurdirektoren. Hier die bisherigen mit Namen: Ewald Klinkhammer (1950-1965), Helmut Werner Gröger (1965-1976), Rudolf Hilger (kommissarisch 1976), Josef Grumpe (1976-1987), Peter Scheler (1988-1991), Heinz Romweber (1991-1998), Wilhelm Loth (1999-2001), Rolf von Bloh (2001-2012), Dr. Jens Rieger (2012-2015). Stefan Eydt (2017-2018), Kay Lüning (2018-2023) und Michael Kemper (2024-heute). Daneben gibt es seit 2024 den Geschäftsführer der Heilbad Westernkotten GmbH“.

          1951: Mehr als 14.000 Bäume sind bis Ende des Jahres im Kurpark gepflanzt.

          1952: 24.12.: Erster Fernseher im Ort.

          1953: Die ersten Siedlungshäuser „Auf der Brede“ unmittelbar neben dem Kurpark werden bezogen.

          1954: Die ersten Siedlungshäuser im Fredegras werden fertig gestellt.

          1955: Bau der heutigen Brücke an der Nordstraße über die Gieseler.

          1956: Der Männergesangverein lässt einen Heimatfilm drehen.

          1957: Bettenzahl: 248; Übernachtungen: 42.231; Kurgäste stationär: 1822; Kurgäste ambulant: 989; abgegebene Heilbäder: 28.218; abgegebene sonstige Kurformen (Inhalationen, Massagen usw.): 13.413.

          1958: Der Ort feiert sein 700-jähriges Bestehen mit einem Heimatbuch, einer neuen Schützenhalle, einem neuen Feuerwehrauto und dem Neubau der Kurhalle. – Eröffnung des Edeka-Marktes Kreling an der Osterbachstraße.

          1959: Herbert Gunkel schreibt – wohl als erster – an der Uni Münster eine Staatsarbeit über Westernkotten. – Ab 1.4. öffentliche Müllabfuhr. – 31.5.: 2000 Gäste beim Festkonzert des MGV aus Anlass des 25jährigen Bestehens. – Einebnung des 2. Salzbrunnens auf dem Königssood.

          1960: Gründung der Firma Elektro Lüning – Gründung der Fleischerei Gockel.

          1961: Ein neues Kurmittelhaus wird eröffnet.

          1962: 29.3.: Die Dernbacher Schwestern verlassen nach 41 Jahren Bad Westernkotten. –               11.5.: Eröffnung der Gaststätte „Treffpunkt“- Verrohrung des Mühlenteiches der Weringer Mühle.

          1963: Der Speicher des Weringhoff wird zerlegt und an das Freilichtmuseum Detmold verkauft. Heute steht er als Restaurant „Alter Kornspeicher“ an der Kurpromenade.

          1964: Bau der Kläranlage an der Osterbachstraße, heute eine Station zum Abpumpen des Schmutzwassers zum Zentralklärwerk in Erwitte. – 13.10.: Josef Brock wird neuer Bürgermeister von Bad Westernkotten. – 17.11.: Gründung des dritten Brieftaubenvereins im Ort, „Tempo“.

          1965: Die Kurhalle wird erweitert, sie bekommt einen Kursaal und eine Bühne. -Der Gemeinderat beschließt den Neubau einer Schule. – Gründung der Altherren-Abteilung des SuS. – Hochwasser am Schützenfestsamstag, insbesondere in Lippstadt. Gegen 17 Uhr steht noch nicht fest, ob in Bad Westernkotten überhaupt ein Schützenfest gefeiert wird. – 19.11.: Einweihung des neuen Elisabethkindergartens.

          1966: 28.10.: Eröffnung des ehemaligen Cafés Wieneke am Birkenweg. – 27.11.: Pfarrer Norbert Gersmann wird als neuer Pfarrer von Bad Westernkotten in sein Amt eingeführt.

          1967: Der Forellenweg wird angelegt, er dient der Verbindung zwischen dem Kurpark und dem Naturschutzgebiet Muckenbruch.

          1968: Die Westerfelder Solequelle wird zur Sicherstellung der Soleversorgung erbohrt. – 22./23.6.: Einweihung des Sportplatzes „Am Zehnthof“. Hier stand früher der Rittersitz der alten Erbsälzerfamilien. 1.7.: Erstmals sind Kanalbenutzungsgebühren zu zahlen. – 9.8.: Eröffnung der neuen Schule an der Schützenstraße. – 12.09. Heintje und die Geschwister Renate und Werner Leismann in der Volkshalle. 2800 Zuschauer.  – Neu gefasst und mit einer Glaskuppel abgedeckt ist der Brunnen am Königssood. – 13.10. Der Blaue Bock gastiert in der Volkshalle. Ehrengast des Abends: Lothar Emmerich von Borussia Dortmund.

          1969: Die Kurhalle wird nochmals erweitert. – Der Schützenverein feiert das 275. Vereinsjubiläum. – Einweihung eines Brunnens am Alten Markt. Er wird 1999 beim Umbau der Ortsmitte entfernt.

          1970: Gründung des Omnibusbetriebes Niermann und des Massagebetriebes Aust, Tannenweg.

          1971: 20.1.: Gründung des Sportschützenvereins. – Am 8.7. stirbt Heinrich Eickmann, der einzige Ehrenbürger der Gemeinde Westernkotten.

          1972: 1.1.: Gründung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg. – Gründung der Brunnenapotheke. Heute (2025) gibt es keine Apotheke mehr im Ort, allerdings zwei im nahegelegenen Erwitte.

          1973: An der Weringhauser Straße wird das neue, erweiterte Kurmittelhaus eröffnet, später erweitert, heute im Zugang von den Kliniken zu den Hellweg-Sole-Thermen gelegen. – Erstes Pfarrfamilienfest der kath. Kirchengemeinde. – Die evangelische Kirche kauft das heutige Paul-Gerhardt-Haus. – Errichtung des sog. Rodelberges und eines Trimm-Dich-Pfades im Muckenbruch.

          1974: Erste Salinenkirmes der Pfadfinder, wie seitdem jedes Jahr im Kurpark.

          1975: Bad Westernkotten wird ein Stadtteil von Erwitte und erhält die staatliche Anerkennung als Heilbad. – Das Kurheim „Mühlenweg“ – heute „Design Budget Hotel Salinenparc“ – öffnet seine Pforten. – – 19.4.: Einweihung der Turnhalle und des Lehr-schwimmbeckens. – 26.6.: Alfred Beste zum Orts-vorsteher gewählt. – 1.7.: Gründung einer Handballabteilung des SuS. – Eröffnung der Gaststätte Voss. – Bau des Radweges nach Erwitte. – Oktober: Abriss des historischen Zehnthauses.

          1976: Anlegung der Grünanlage Westerntor östlich des Westwalls (steht heute im Eigentum der Fam. Schäfer)

          1976/77: Gründung Kur- und Verkehrsvereins, der AWO und des Fördervereins. – 9.10.: Konsekration der neuen kath. Pfarrkirche durch Erzbischof Dr. Degenhardt. – Am 11.10. wird Josef Grumpe zum neuen und ersten eigenen Kurdirektor gewählt.

           1977: Einweihung der Friedhofshalle. – 30.5.: Offizielle Einweihung des Paul-Ger-hardt-Hauses. – 27.6.: Einweihung des Johannes-Hauses. – Eröffnung des Cafés Gerling.

          1978: Eröffnung des „Sole- und Moorbadehaus“ als Anbau an das Kurmittelhaus, das seit dem 9.1.1978 leerstehende Badehaus wird zum „Haus des Gastes“ umgestaltet und im September ein-geweiht. – Am Solering gibt es einen neuen Groß-Parkplatz.

          1979: Erstmalige Versorgung von Teilen Bad Westernkottens mit Erdgas.

          1980: Das Kurheim Wiesengrund wird eingeweiht (später „Sanatorium, heute „Klinik Wiesengrund“). – Bau des Solerings, zunächst ein als sog. „Wirtschaftsweg“ deklariert.  Gründung des ersten Seniorenheims, „Haus Tanneck“, am 15.8. im Fredegras.

          1981: Die Hellweg-Sole-Thermen werden am 30.10. eröffnet.

          1982: Das Kurheim Günnewig in der Aspenstraße wird in ein Seniorenpflegeheim umgebaut. Heute „Haus am Osterbach“.   – Bau der Kurarkaden zwischen den Sanatorien und den Hellweg-Sole-Thermen.

          1983: Am 01.08.83 wurde für die Linienbusse der Stundentakt eingeführt. Später gab es dann auch einen 30-Minutentakt von 10 – 15 Uhr. – Die insbesondere von den Anliegern L. Deimel und F. von Notz angeregte Verlegung der Buslinie über die Straße Westerntor nach Erwitte über Aspenstraße und Schäferkämper Weg löste 1998 eine Protest-Unterschriften- Aktion aus.

          1984: Fertigstellung der Kurpromenade von Griesestraße bis Westerntor.

          1985: Eine moderne Moor-Aufbereitungsanlage wird im Kurmittelhaus installiert.

          1986: Um den älteren Bürgern und Kurgästen das Überqueren der Fahrbahn in der Ortsmitte zu erleichtern, musste am 3.10.1986 die erste Ampelanlage in Bad Westernkotten an der Ecke Westerntor/Kurpromenade in Betrieb gesetzt werden. Beim Umbau der Ortsmitte 1999 war sie nicht mehr notwendig.

          1987: Damals gab es an der Straße Westerntor bereits folgende Gästeunterkünfte und Gaststätten: Privat-Pension garni Haus Schröer, Westerntor 15; Hotel-Restaurant Haus Westerntor, Westerntor 5 (Gründung 1974); Pension und Bauernhof Josef Schütte-Rixmeier, Westerntor 28; Gartenbaubetrieb Merschmann, Fritz, Gründung 1952 im Hockelheimer Weg 14, dann Verlagerung zum Westerntor 51.

          1988: 13.3.: Erstes Kurkonzert des Musikvereins. – 21. 4.: Eröffnung des Cafés Schröer-Fidora, Nord-straße 2. – 14.5.: Erste Kurbadschau der Gewerbe-treibenden. – 1.6.: Wiedereröffnung von Haus Dietz durch das Ehepaar Gerken. – 31.8.: Inbetriebnahme der Ampel am Forellenweg bei Hoppe-Klosebaum. – Oktober: Der Kurparkeingang wird gegenüber den Hellweg-Sole-Thermen angelegt. –

          1989: Die im Jahre 1989 aufgestellten Blumenkübel im Westerntor, es waren die ersten in Bad Westernkotten, wurden 1999 durch Pflanzbeete ersetzt.

          1990: 8.2.: Der Kreistag beschließt die Abstufung der K 56 (Westerntor) zur Gemeindestraße. – April: Einführung von Kartentelefonen in den 5 vorhandenen Telefonzellen. – 21.7.: Die NRW-Stiftung kauft die Schäferkämper Wassermühle.

          1991: Abstufung der Kreisstraße K 56 von der Ortsmitte bis Erwitte ab 01.01.91.

          1992: Am 5.5. startet ein neues Angebot des Kur- und Verkehrsvereins, die Planwagenfahrt. – Die Salzstraße wird kurpromenadenartig ausgebaut. – 30.8.: Einweihung des zweiten Kindergartens im Ort, der Kindertagesstätte „Regenbogen“ – 6.9.: Erstes ökumenisches Pfarrfest – 25.9.: Festakt zum 150jährigen Bestehen des Kurortes – 21.11.: Eröffnung des Weinkellers „Burgfrieden“ durch Heinz-Martin Brüggemeier.

          1993: Das sog. Orthopädische Zentrum wird gebaut. Die Kurhalle mit Vorplatz wird neugestaltet. – Ab 19. März: Heinz-M. und Petra Brüggemeier neue Pächter des Kurhauses. 2.3.: Der Rat beschließt bei drei Gegenstimmen den Namen „Astrid-Lindgren-Schule“.

          1994: Der Eigentümer Osburg (vorher Erbengemeinschaft Spiekermann) war nicht bereit, die im rechtsverbindlichen B-Plan Nr. 17 ausgewiesene Parkplatzfläche von 900 qm an die Stadt zu verkaufen. Stattdessen beantragte er am 31.05.94 im PGA, den B-Plan für das geplante Westerntorhaus Roreger/Deimel entsprechend zu ändern. Nur ein paar öffentliche Stellplätze neben dem Westwall sind verblieben. – 1994 konnten am Solering gegenüber dem Friedhof 25 Stellplätze angelegt werden, die später erweitert wurden.

          1995: 8.1.: Die Fußballer des SuS gewinnen die ersten Stadtmeisterschaften in der neuen Ballsporthalle. – 15.3.: Der Heimatverein präsentiert den neuen 28seitigen Mühlenführer. – Mitte März: Fertigstellung der Rad- und Fußgängerbrücke bei Hoppe-Klosebaum über die Gieseler. – 18.3.: Letztes Mammut-Skat-Turnier des Skatvereins. – 30.3.: Einweihung des modernen Brunnens in der Kur-promenade vor den Hellweg-Sole-Thermen. Mitte Mai wird auch der Brunnen unmittelbar im Eingangsbereich fertig gestellt. – 29.4.: Verabschiedung der evgl. Pastorin Christine Dinter. – 27.5.: Einweihung des Friedensglobus. – 28.5.: Der SuS steigt in die Landesliga auf. – 5.6.: Orgelabbruch-konzert in der Pfarrkirche. – 24.6.: Einweihung der ersten drei Tennisplätze im Hockelheimer Feld. – 22.7.: Bundesverdienstkreuz für Magdalene Jesse. – 18.8.: Eröffnung des Schlecker-Marktes im Westerntor. – 30.8.: Bürgerversammlung zur Umgestaltung der Ortsmitte mit viel Resonanz. – 2.9.: Einführung eines Nachtbusses auf der Linie R 61. – 16.9.: Eröffnung der Fahrschule Plitt im ehemali-gen Textilhaus Schrage an der Bruchstraße. – 15.10.: Abschiedsfeier für Pfarrer Norbert Gers-mann in der Schützenhalle. Er versieht aber den Dienst noch bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers Anfang 1996. – 28.11.: Beginn der Bauarbeiten am Westerntor-Haus [Betreutes Wohnen]. – 16.11: Der Kreistag beschließt die Abstufung der K 57 (Nordstraße). Die Stadt Lippstadt ist zunächst noch dagegen. – 24.12.: Zum ersten Mal erklingt die neue Speith-Orgel in der kath. Pfarrkirche.

          1996: Die Stadt Erwitte schafft Planungsrecht für das Westerntor-Haus – Der Bau kann beginnen

          Der Begriff „Betreutes Wohnen“ verbreitete sich in Deutschland vor allem ab den frühen 1990er-Jahren; in Bad Westernkotten findet man belegbare Hinweise auf entsprechende Wohn-/Service-Angebote spätestens seit den 1990er/2000er-Jahren.

          Ab etwa 1992 wurde im städtischen Planungsausschuss an der Aufstellung eines Bebauungsplanes gearbeitet. Hintergrund waren wohl Initiativen verschiedener Familien, ein entsprechendes Haus mit zahlreichen kleinen Wohnungen zu bauen. Letztlich setzen sich aber eine Kooperation der Familien Ludwig Deimel und Theo Roreger (aus Anröchte, die Frau von Theo Roreger, Michaela geborene Hense, stammt aber aus Bad Westernkotten und wohnte direkt gegenüber dem heutigen Westerntor-Haus) durch und konnte in Frage kommende Flächen erwerben.

          Streitverfahren gab es mit Ludwig Deimel und Theo Roreger1994/95 im Zusammenhang mit der Planung des Westerntorhauses. Ludwig Deimel war von Anfang an gegen die Festsetzung der zulässigen Wohneinheiten. Da er sich in der CDU OU BW nicht durchsetzen konnte, ist er im Mai 1994 aus der CDU ausgetreten. –  Die CDU setzte durch, dass zur Straße Westerntor eine Teilfläche für städtische Parkplätze von der Stadt Erwitte erworben wurden. Und Theo Roreger musste so einen Teil des früheren Bauernhofes Schrewe (Körling) kaufen, um über dieses Grundstück überhaupt eine Bebauung möglich zu machen. [Freundliche Mitteilung von Hans Lüning am 4.11.2025]

          Nachfolgend einige Daten zum weiteren Verlauf:

          29.05. und 01.06.1996: Im „Patriot“ werden zwei Anzeigen geschaltet, die ausführen, dass im „Westerntor-Haus“, das zurzeit errichtet wird, „betreutes Wohnen“ angeboten wird. [P29.5.u.1.6.]

          13.06.1996: Der Planungsausschuss besichtigt das „Westerntor-Haus“ und lässt sich vom Bauherren Theodor Roreger das Konzept ,,Betreutes Wohnen“ erläutern. [P26.6.]

          Am 16.08.1996 fand das Richtfest des „Westerntor-Haus“ statt.

          Am 12.10. 1996 konnte ich den Abbruch der Scheune rechts neben dem China-Restaurant an der Straße Westerntor erleben.

          1997: Einweihung des Westerntor-Hauses

          Hier einige Daten für dieses Jahr aus meiner zusammengestellten Ortschronik:

          • 31.1.: Bäcker Albrecht, Inhaber der Bäckerei Johannknecht, eröffnet im „Westerntor-Haus“ eine Filiale.
          • 13.2: Das CDU-Mitglied Bernd Funck schreibt einen kritischen Leserbrief mit folgendem Inhalt: „„Es ist erfreulich, wenn sich Herr Deimel als Ratsmitglied der Erwitter FDP um die Zukunft des Kurortes Bad Westernkotten sorgt. Zweifel und Bedenken an der Glaubwürdigkeit seiner Initiative kommen einem dann, wenn Ludwig Deimel das städtebauliche Gutachten von Dr. von Winning aus dem Jahre 1993 heranzieht. Hat Herr Deimel es überlesen oder vergessen, dass einer der Schwerpunkte dieses Gutachtens der dringende Rat an die Politiker ist, dass ‚das notwendige städtebauliche Planungskonzept so gestaltet werden müsse, dass Bad Westernkotten seine Identität als ländlicher Kurort behält?‘ Unter diesem Gesichtspunkt—so Dr. von Winning — sollten Neubauten so errichtet werden, dass sie sich in den Maßstab einer dörflich strukturierten Bebauung einfügen. Wenn man nun weiß, dass der Privatmann Ludwig Deimel für den Bauklotz am Westerntor (Westerntor-Haus) persönlich mitverantwortlich ist und dass Herr Deimel — wenn es um persönliche Interessen geht — sich für eine Wohnbebauung mit einer möglichst großen Anzahl von Wohneinheiten einsetzt, muss die Heranziehung des Gutachtens von Dr. von Winning mehr als peinlich wirken. Mein Rat, Herr Deimel! Sie hätten besser geschwiegen!“ – Bernd Funck Eichenweg 16
          • 23.2.: Nochmals ganzseitige Anzeigen mit Werbung für das „Westerntor-Haus“, in das bisher bereits sieben Mitparteien eingezogen sind. [P22.2.; LAS 23.2.]
          • 1.3.: Feierliche Einweihung des „Westerntor-Hauses“. Grußworte von Bürgermeister Fahle und Sparkassendirektor Petry. Pfarrer Müller und Pastor Jäger nehmen die kirchliche Einsegnung vor. Bisher sind sieben Wohnungen bezogen. [P4.3.; Einladung]
          • 22.5.: Dia-Vortrag zur Geschichte Bad Westernkottens von W. Marcus im „Westerntor-Haus“, ca. 50 Zuhörer. [P15.5.]

          Hier noch zwei Zeitungsseiten aus dem Patriot Ende Februar 1997:

          Und hier noch ein Patriot-Bericht von der Einweihung am 1. März 1997:

          Auch im angrenzenden Straßenbereich tat sich etwas:

          • Ende März: Fertigstellung eines neuen Kurvenbereiches im vorderen Westerntor. Vor dem neuen Wohn- und Geschäftshaus Kemper sind 2 Einstellplätze entstanden, der Bürgersteig ist verbreitert worden und auch die Grünanlagen sind nachbarschaftlich abgestimmt und vergrößert worden.
          • 9.8.: Als ‚optischer Blickfang im Herzen von Bad Westernkotten’ präsentiert sich das neu errichtete Wohn- und Geschäftshaus Westerntor 1 (Kemper), in dem ein Eiscafé und ein Schuhladen (Umzug von der Weringhauser Straße) untergebracht sind. [P8.u.9.8.]
          • 13.8.: Nach intensiven Beschwerden von Bewohnern im vorderen Westerntor werden zur Verkehrsberuhigung 2 Berliner Kissen mit je einem Waschbetonkübel provisorisch installiert. Zwei Tage später sind die Kissen schon wieder demontiert.
          • Nach Abstufung aller Landes- und Kreisstraßen zu Gemeindestraßen konnten an allen fünf Ortseingängen mit Zustimmung des Regierungspräsidenten und des Straßenverkehrsamtes die blauen Schilder „Tempo 30“ aufgestellt werden.
          • 2.9.: Abbau des Durchgangsverkehrs: An den Ortseingangsstraßen werden Schilder aufgestellt, die die Durchfahrt von LKWs über 3,5 Tonnen verbieten. [P3.9.]
          • Ab 6.10. ist die Straße Westerntor voll gesperrt, da im Bereich des Westerntor-Hauses zwei Plateaus mit Formsteinen zur Verkehrsberuhigung eingebaut werden. Gleichzeitig wird die Aspenstraße bei der Apotheke vorfahrtsberechtigt. [P18.10.; 30.10.]

          1997 bis 2004: Das Westerntor-Haus beherbergt neben zahlreichen Bewohnern auch einige Dienstleistungsbetriebe

          Mir fallen folgende Betriebe und Dienstleister ein:

          • Haarstudio Sonnenberg
          • Sprenger häusliche Krankenpflege
          • Bäcker Albrecht, Inhaber der Bäckerei Johannknecht (ab 01.01.1997)
          • Tourist-Information des Verkehrsvereins
          • …

          2025: Das Westerntor-Haus wird von Kay Lüning erworben, umgebaut und ein Tagespflegebereich ergänzt

          2025 erwarb Kay Lüning das Gebäude und sanierte es umfassend. Vor allem wurde ein neuer Bereich für die Tagespflege angebaut und Anfang 2026 eingeweiht.


          [1] Marcus, Wolfgang: Salzsteueramt in Westernkotten – im Bezirk der Oberfinanzdirektion Münster gelegen; auf meiner HP: https://www.wolfgangmarcus.de/aufsaetze-2020-2025/aufsaetze-2024-2025/2024-salzsteueramt-in-westernkotten-im-bezirk-der-oberfinanzdirektion-muenster-gelegen/

          [2] In: Bad Westernkotten – Altes Sälzerdorf am Hellweg, Lippstadt 1987

          [3] aaO. S. 253