Wolfgang Marcus
Insbesondere der Arbeitskreis Geschichte hat einige Ausstellung zu ortshistorischen Themen organisiert. Im Bestand von Frau Peters fand ich dazu einige (unvollständige) Aktenstücke, die ich hier weithin unkommentiert transkribiert habe.
2000: Ausstellung „Streiflichter – 50 Jahre Kurgeschichte“
Die Ausstellung kündigte der „Patriot“ vom 5.5.2000 mit folgendem Zeitungsartikel an:

Bei Maria Peters finden sich folgende Notizen: Die Ausstellung „Streiflichter – 50 Jahre Kurgeschichte“ – aus der Sicht des Zeitungslesers wird vorgestellt vom Arbeitskreis Geschichte – dem Wolfgang Marcus vorsteht und ist vorbereitet worden von den Heimatfreunden Ferdinand Müller, Maria Peters, Annemarie Schröder Else Thranberend. Die Beschriftung der Tafeln lieferte Ulrich Lange. Das Zeitungsmaterial der Jahre 1950 -bis etwa 1975 fanden wir durch die freundliche Unterstützung der Prokuristin der Solbad – Lotti Merschmann- im Archiv der Kurverwaltung. Spätere Ausgaben fielen einem Wasserschaden zum Opfer und waren unbrauchbar. Die Jahre 1983 – 2000 stammen aus einer privaten Sammlung.
Sodann folgt eine wahrscheinlich nicht vollständige tabellarische Liste wichtiger Ereignisse aus der Kurortgeschichte:
1954
Kämmerer-Tagung / Verwaltungsrechtler aus Niedersachsen und NRW im Kurhaus; in Anbetracht, der Kurerfolge Überzeugung, dass das Bad eine bedeutende Zukunft haben kann”. Im Marz 1954 wird der Tag des Baumes begangen. Auch ein wichtiges Anliegen zum Wachsen des Kurparks des Kurdirektors Klinkhammer. Mai 1954: Das Müttererholungsheim wird vergrößert. “Führende Stellung unter den Sozialbädern – Westernkotten und Waldliesborn.”
1955
“Mittag“ und „Handelsblatt“: „Heilbäder am Rande des Industriegebietes in dörflicher Abgeschiedenheit”. Im Reiseführer der “Frankfurter”. Westernkotten im längeren Beitrag. „Kurbetrieb steter Aufschwung.”
1956
Hohe Zuwendungen vom Landschaftsverband und 2000 DM für das Mütterheim.
1957
Der Kurpark wachst. Wieder Tag des Baumes, auf Anregung Kurdirekt. Klinkhammer. „Seit 1950 in einer flachen, baumlosen Landschaft, einen Kurpark von rund 2ha Größe planmäßig aufgeforstet.” Erwähnt wird besonders der Garten-Architekt Diller vom Landschaftsverband, der fast alle heimischen Baumarten angepflanzt hat. Kosten des Gesamtprojekts 100.000 DM. Zudem fand eine Pflanzaktion durch die hiesige Schuljugend statt. 10.7.57: Handelsblatt Düsseldorf „Aroma von der Meereswand”. Gegenüberstellung Waldliesborner Wald / dörfliches Westernkotten.
1958
Juli – Jubiläum 700 Jahre Westernkotten. Vom Salzort zum Kurort. Westernkotten nunmehr Bad Westernkotten. Das Geschenk des Regierungspräsidenten jetzt urkundlich. Festsitzung des Kreistages im Kursaal. Festivitäten zum Bad. “Übernachtungszahlen vervierfacht.“ – „Zwei Bäder bilden die Lungenflügel Lippstadts” – Bürgermeister Koenen (Lippstädter Rundschau) – „Bad Westernkotten – Ein Heimatbuch” erscheint zum 700jähr. Jubiläum unter der Mitarbeit von Heinrich Eickmann. Bürgermeister Anton Schifermeier/ Amts- u. Gemeindedirektor Reichmann im Auftrage des Rates und der Gemeinde.
Nov. 1958
Schmuckstück des Badeortes – Kurhalle feierlich eröffnet. „Aus dem anfänglichen Versuch, die Kurgäste hierher zu entsenden, sei nun eine bewährte Dauereinrichtung geworden“ Zitat LVA Rheinland. – Dynamit Troisdorf: „Das kluge und ordnende Wirken Ihres Kurdirektors hat maßgeblich zur Aufwärtsentwicklung Ihres Heilbades beigetragen.” – Neue Ziele: Vorblick auf die kommenden Aufgaben (Klinkhammer): …“dass laut wissenschaftlicher Untersuchung das Moor aus dem bei Bad Westernkotten gelegenen Muckenbruch als Badetorf hervorragend verwendet werden könne.
1959
„Deutschlands jüngster Badeort” – Kurhaus jetzt unter der Regie von Rudolf Pohlmeier.
1960
Eröffnung des neuen Kurmittelhauses. Funk und Fernsehen zugegen. Reportageleiter Werner Höcker. „In den nun 11 Jahren des Bestehens ist unter der hervorragenden Leitung von Kurdirektor Klinkhammer und Kurarzt Dr. Bisping erstaunliches geleistet worden (Lippstädter Rundschau).
1961
Berliner Morgenpost: „Die Pensionswirtin kocht selbst. Behaglich wohnt man in den neu erbauten Pensionshäusern.”
1963
Weitere Baumaßnahmen. Vergrößerung der „Mehrzweckhalle” wird geplant und Neubau eines Moorbadehauses. In Bad Westernkotten wurden seit 1950 Giber 1.000.000 DM verbaut.
1965/66 (ab 1965 Kurdirektor Gröger)
Heilbad in ländlicher Stille – Kurkonzert Bad Westernkotten/Bad Ischl. Die Kurhalle am Gradierwerk wird um das Doppelte erweitert.
1967
Kurverwaltung in neuen Räumen in der ehemaligen Gaststätte Besting. Haus am Park der Bestimmung übergeben. – „Bremer Nachrichten” April 1967: Mancherlei Vorzüge hat Bad Westernkotten aufzuweisen.“ – Mozart Sängerknaben in Bad Westernkotten. – Abschied von Dr. Bisping.
1968
Januar: Anregungen und Kurse für Pensionsinhaber. Bemühungen um zufriedene Kurgäste. – März: „Erstes Konzert des Jahres in der Kurhalle.“ – Kurarzt Dr. Luce / Kurdirektor Gröger. – Jugendmusikkorps der Stadt Bad Kissingen. Fanfarenzug Prinzregent Büren. – Der „Blaue Bock” mit Lia Wöhr und Heinz Schenk. Bad Leonfelder Trachtengruppe. In den „Ruhrnachrichten” erscheinen Berichte über Veranstaltungen in Bad Westernkotten. Auch in den „Düsseldorfer Nachrichten”, in der „Glocke und im „Wuppertaler Stadtanzeiger” wird über Bad Westernkotten berichtet. – Erste Überlegungen zur Gründung eines Verkehrsvereins werden getroffen.
2007: Notizen zur Kurhausbesitzerfamilie Wiese
Von 1871 bis 1947 führte die Familie Wiese das Kurhaus in (Bad) Westernkotten. Die in Papierform erhaltenen Stichwortzettel von Maria Peters habe ich grob geordnet und transkribiert.
Wilhelm Wiese — geb. 19. September 1874 zu Westernkotten — übernahm nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1910 das Solbad Westernkotten. Er leitete den Badebetrieb bis zum Kriegsjahr 1944. In seiner Zeit als Solebesitzer kam es zu verschiedenen Verbesserungen des Badebetriebs.
Um die Versorgung mit Heilsole zu sichern, wurde 1920 eine Gussrohrleitung von der 1845 erbohrten Solequelle, der „Isernen Schute“ zum Badehaus verlegt. – Die anreisenden Kurgäste bekamen die Gelegenheit, mit der Pferdekutsche vom Bahnhof Westernkotten abgeholt zu werden.
Die Anzahl der Gäste nahm trotz der Kriegszeit deutlich zu. So wurden um 1940 bereits 18.000 Solebäder verabreicht.
Ab dem 1. Juli 1945 erfolgte die Verpachtung des Badebetriebs an die Westfälische Provinzialverwaltung in Münster. Unter dieser Leitung geschah die offizielle Wiedereröffnung des Solbades am 1. Mai 1950.
Wilhelm Wiese – geb. 19. September 1874 zu Westernkotten — übernahm also nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1910 das Solbad Westernkotten, welches er bis zum Kriegsjahr 1944 erfolgreich leitete.

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Frau Ferdinande Wiese
Ehefrau des Kaufmanns und Solbadbesitzers Friedrich Carl Wiese, geb. am 8. April 1846 in Erwitte, der im Jahre 1871 das Solbad Westernkotten mit allen Rechten erwarb. Unter seiner kaufmännischen Leitung erfuhr der Badebetrieb einen deutlichen Aufschwung. So wurden bereits um 1900 jährlich 600 Badegäste verzeichnet.
Die aus Lippetal -Hovestadt stammende Ferdinande Dieckmann vermählte sich am 30.Januar 1872 mit dem am 8. April 1846 in Erwitte geborenen Kaufmann und Solbadbesitzer Friedrich-Karl Wiese. Dieser hatte 1871 das Solbad Westernkotten vom Rentmeister Erdmann mit allen Rechten erworben. Anfangs waren drei Badezellen vorhanden. Die Sole wurde mit einem Göpel mittels Pferdebetrieb aus dem Bohrloch gepumpt. 1893 ersetzte ein Dampfkessel den Betrieb des Göpels. Zugleich wurde das Badehaus zum zweiten Mal erweitert und im Laufe der Jahre auf 18 Badezellen vergrößert Anstelle der alten Scheune -wurde 1895 ein Saalbau errichtet. Um 1900 wurden schon gut 600 Badegäste verzeichnet. Neben dem Solbadbetrieb, der Gaststätte, dem heutigen Kurhaus, betrieb Wiese ein „Spezereigeschäft“ mit Mehl-, Zigarren- und Tabakhandlung. Friedrich-Karl Wiese starb am 10.8.1910. – Das Denkmal wurde von den ,,Heimatfreunden Bad Westernkotten e.V.“ im Jahre 2007 nach hier versetzt.
Nach dem Tod des Vaters übernahm Wilhelm Wiese das Solbad und nannte sich Solbadbesitzer(?). Am 31. Januar 1911 heiratete er die aus Benninghausen kommende Ida Mönnig. Badegäste wurden nun mit der Pferdekutsche vom 1,5 km entfernt liegenden Bahnhof Westernkotten abgeholt. Im 1. Weltkrieg war der Badebetrieb zeitweilig nur an 3 Tagen in der Woche möglich. Um die Versorgung des Badebetriebes mit Heilsole zu sichern, wurde 1920, zu der 1845 erbohrten Solequelle, der „Isernen Schute”, eine Gussrohrleitung zum Kurhaus verlegt. Um 1940 wurden bereits 18000 Solbäder verabreicht. – Seit 1925 versuchte Familie Wiese unseren Ort in „Bad“ Westernkotten umzubenennen, was aber erst 1958 erfolgte. Im 2. Weltkrieg musste 1944 der Badebetrieb eingestellt werden, da das Kurhaus mit Büros und Ausweichlagern belegt war. Am 1. Juli 1945 pachtete dann die Westfälische Provinzialverwaltung den ganzen Betrieb. Die offizielle Wiedereröffnung des Badetriebes erfolgte dann am 1. Mai 1950. – Das Denkmal wurde von den Heimatfreunden Bad Westernkotten e.V. im Jahre 2007 nach hier versetzt.