Wolfgang Marcus
Im Nachlass von Maria Peters fand ich auch Unterlagen zu Familie Flöer, die ich nachfolgend abdrucke und transkribiere sowie durch weitere Recherchen ergänze.
Todesanzeige von Bernhard Flöer
Im „Patriot“ vom 02.7.1927 findet sich folgende Todesanzeige von Bernhard Flöer:

Bernhard Flöer wird hier als „Kaufmann“ bezeichnet. Da unsere Kinder früher immer in einem kleinen Laden an der Osterbachstraße 1 bei „Flöers Christine“ eingekauft haben, wird der Kaufladen von Bernhard Flöer dort gestanden haben.
Nachruf zu Bernhard Flöer
Im „Patriot“ vom 7. Juli 1927 findet sich folgender Text: Westernkotten, 6. Juli.
Am vergangenen Sonntag wurde die sterbliche Hülle unseres lieben Mitbürgers Bernhard Flöur zu Grabe getragen. Wohl selten hat sich ein so großer Trauerzug zu unserem schönen Friedhof bewegt. Stumm neigten sich noch einmal die Fahnen über seiner Gruft und nun deckt ihn kühle Erde. Beliebt und geachtet wegen seines echten Charakters und seiner Uneigennützigkeit gegen jedermann, wegen seiner Sorge und seines Strebens für das Allgemeinwohl seine Heimatgemeinde und für das ganze deutsche Vaterland hat ihm denn auch die Bürgerschaft ein so zahlreiches Geleit gegeben. Gern hörte man seinen Rat und hilfsbereit war er für jedermann immer zur Stelle. Nun ist er dahingegangen allzu plötzlich hat uns einer unserer besten verlassen. Unter den jahrhundertealten Lobetagslinden hat er am Lobetag seine letzte Ruhestätte gefunden. – Er kann ausruhen von den Mühen, die er hier im Leben gehabt hat; und möge ihm der Herrgott seinen Lohn im Jenseits zuteilwerden lassen R. i. P.
Hier wird schon deutlich, dass Bernhard Flöer ein damals sehr angesehener Mitbürger war.
Todesanzeige einer Nachfahrin

Anfang August 2025 erschien diese Todesanzeige im „Patriot“. Maria Flöer wohnte in der Straße Auf der Brede 29. Dies wird heute noch von ihrer Tochter Ulrike und deren Familie besucht. Auch die Söhne Michael und Bernd kenne ich ein bisschen. Dr. Michael Flöer ist ein anerkannter Historiker. Und in seinem Buch, das er mit Claudia Maria Korsmeier herausgegeben hat, – Die Ortsnamen des Kreises Soest -, habe ich schon mehrfach gelesen und Wissenswertes gefunden.

Und Bernd Flöer hat einige Zeit in der Kirche Orgel gespielt und einem unserer Söhne schon einmal Klavierunterricht gegeben.
Der Name „Flöer“ im Heimatbuch von 1987
Dieser Name findet sich an mehr als 10 Stellen. Hier die kurzen Anmerkungen nach den Seitenzahlen:
Seite 138: In der Nordstraße wird für 1945 als Hauseigentümer Rudolf Flöer genannt. Der Hausstättenname ist „Sticht“ oder „Hennebeul“. In der Osterbachstraße 4 wird die Witwe Bernhard Flöer genannt. Das Haus gehörte wohl früher einem Juden.
Seite 183: Vor Beginn der heutigen Beratung wurde das neugewählte Mitglied Bernhard Flöer durch den Amtmann des Amtes Erwitte in sein neues Amt eingeführt und mittels Handschlages an Eidesstatt verpflichtet. [Angaben aus dem Gemeinderatsprotokoll vom 17. Januar 1907]; und Seite 184: Als Vertrauensmann für die Krankenversicherungskasse wird einstimmig der Gemeindeverordnete Flöer gewählt.
Seite 186: Es wurde dann zur Neuwahl geschritten. Die diese Wahl betreffenden Vorschriften der Landgemeindeordnung vom 19. März 1856 wurden bekanntgegeben und die Mitglieder der Gemeindevertretung aufgefordert, ihre Stimme mündlich zu Protokoll zu geben, worauf die Abstimmung wie folgt erfolgte: 1. Adalbert Jesse den Schuhmacher Lorenz Meier. 2. Die Gemeindeverordneten Anton Schulte, Franz Wenner, Wilhelm Hollenbeck, Heinrich Mönnig, Bernhard Flöer den Erbsälzer Rudolf Löper jun. zum stellvertretenden Gemeindevorsteher. {Gemeinderatsprotokoll aus 1910]
Seite 196: 17. Oktober 1913: Bildung eines Kuratoriums für die ländliche Fortbildungsschule, Festsetzung des Eröffnungstages und des Stunden- bzw. Lehrplanes: Der Gemeindevorsteher macht der Versammlung das unter dem 14. August d.J. erlassene Ortsstatut der ländlichen Fortbildungsschule in Westernkotten zunächst bekannt. Vertretung geht nach eingehender Besprechung zur Bildung eines Kuratoriums über und wählt wie folgt: 1. Amtmann Dr. Hechelmann als Vorsitzenden, 2. Pfarrer Bokel als stellvertr. Vorsitzenden, 3. Hauptlehrer Probst, 4. Gemeindevorsteher Jesse, 5. Landwirt H. Deimel, 6. Landwirt Franz Rieke, 7. Kaufmann Bernhard Flöer und 8. Fabrikarbeiter Jos. Brexel.
Seite 201: Einkauf von Kohle für den Winterbedarf im Falle einer evtl. eintretenden Kohle-Knappheit: Vertretung beschließt nach eingehender Beratung, für die minderbemittelten Einwohner hiesiger Gemeinde für die Winterzeit einen Kohlen Vorrat sicherzustellen, damit unliebsame Störungen in der Kohle-Versorgung vermieden werden. Auf Vorschlag des Gemeindevorstehers beschließt Vertretung weiter, zu diesem Zwecke 500 Ctr. Kohlen-Briketts durch den Händler B. Flöer liefern zu lassen. [Protokollauszug aus 1917]
Seite 205: 13.02.1919 — Beschlussfassung über die Gültigkeit der am 3. 2. 1919 getätigten Wahlen: Die Wahlen werden für gültig erklärt. Die neugewählten Gemeindeverordneten werden vom Vorsitzenden durch Handschlag an Eidesstatt verpflichtet und in ihr Amt eingeführt. Die Namen: Jesse, Ferdinand, Spiekermann, Floer, Westerfeld, Risse, Besting, Brexel und Mintert.
Seite 237: …Die meisten Bomben waren in die Gärten der nordostwärts fliegenden Feldflur gefallen. Der Bombenteppich lag unmittelbar hinter dem Schulhause, nördlich nach Lippstadt zu.“ Anschließend werden die Hausbesitzer aufgezählt, von denen Gebäude getroffen wurden: Heinr. Kleeschulte, Adolf Schröer, Wilhelm Köneke, Rudolf Flöer, Christian Schmidt, Josef Schröer, Fritz Mintert, Heinr. Westerfeld, Theodor Lanhenke, Josef Schütte, Josef Spiekermann, Karl Koch, Wilhelm Wienecke, Fritz Maßolle, Josef Linnemann, Alois Merschmann, Franz Bals. Weder bei dem Bombenabwurf noch bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten gab es Tote und Verletzte.
Seite 308 geht es um die Kirchengeschichte. Hier heißt es: Am 1. Oktober 1951 trat Herr Wilhelm Probst, Hauptlehrer der Volksschule, in den Ruhestand. Herr Probst hat in den fast 40 Jahren seines Wirkens in Westernkotten auch das Organistenamt versehen. Sein Nachfolger wurde Herr Hauptlehrer (später Rektor) Ferdinand Schäfers, der bis Ende 1984 das Organistenamt ausübte. Auch Herr Lehrer Peter Lange ist seit 1953 bis heute als Organist tätig. In den letzten Jahren wird er von Frau Gudrun Tollwerth und Herrn Bernd Flöer unterstützt.
Seite 398 geht es um Gewerbebetriebe. Hier heißt es: Floer, Bernhard Kolonial- und Kohlenhandel, Gründung 1898 Osterbachstr. 4. In der Osterbachstraße 4 gründete im Jahre 1898 Bernhard Floer ein Kolonialwaren- und Kohlenhandelsgeschäft. Der Familienbetrieb wird heute von Frau Christine Ising, geb. Floer, seit 1965 geleitet. Der Verkauf von Kohlen und Briketts ist allerdings schon längst eingestellt. Ergänzt wurde ein Taxidienst.
Seite 395 geht es um die Postgeschichte. Hier ist zu lesen: … Vom 1. August 1885 an war Westernkotten dann auch Telegraphenanstalt. Für 1885 wurden 15 aufgegebene und 13 ankommende Telegramme registriert, 1887 bereits 61 bzw. 89. Als erste öffentliche Telefonsprechstellen werden 1903 die Kolonialwaren- und Kohlenhandlung Bernhard Floer und die Salinen von Westernkotten, 1911 „den Ziegeleibesitzer Fr. Diesmeier, den Gutsbesitzer und Geschäftsführer der Salinen, Leo Jesse, Hauptstr. und den Gutsbesitzer Heinrich Mönnig, Weringhoff“ benannt. Später ist die Postagentur in das Haus des Rechtsanwaltes Franz Jesse (heute M. Riekenbrauck, Wolfsangel) gekommen, wo dessen Haushälterin und spätere Frau — heute noch als „Post-Änneken“ bekannt — die Poststelle leitete.
Seite 404 behandelt den Verein für Geflügelzucht. Da ist zu lesen: …Die Satzung legte darüber hinaus u.a. fest, dass jährlich eine ordentliche Generalversammlung und vierteljährlich Vereinsversammlungen abzuhalten waren. Dem ersten Vorstand gehörten an: Leo Jesse (1. Vors.), Joh. Mücher (2. Vors.), Hauptlehrer Probst (1. Schriftführer), Gastwirt Dietz (2. Schriftführer und Kassierer), Heinr. Deimel, B. Floer und Jos. Spiekermann (alle Beisitzer).
Seite 415 wird die Geschichte der Feuerwehr behandelt. Hier steht u.a.: Am 12. Februar 1912 war es soweit. 43 Mitglieder erklärten ihren Beitritt. Der vorläufige Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: 1. Wilhelm Kessing als Brandmeister; 2. Heinrich Ferdinands als stellvertretender Brandmeister; 3. Wilhelm Wiese, Solbadbesitzer, als Kommissionsmitglied; 4. Franz Wittkopp, Fabrikarbeiter; 5. Lorenz Meyer, Landwirt; 6. Bernhard Floer, Kaufmann; 7. Engelbert Jesse, Tagelöhner; 8. Josef Schäfermeier, Maschinenbesitzer; 9. Franz Wenner, Schlossermeister; 10. Engelbert Johannknecht, Bäckermeister.
Seite 425 geht es um Taubenvereine. Dort findet sich folgende Aussage: Die gute alte Zeit ging zu Ende, die neue brach an. Im Jahre 1934 schlossen sich die einzelnen Vereine zu einem Großverein „Hellwegbote“ zusammen. Trotz des Zusammenschlusses hielt der Verein „Siegerlust“ seine Satzungen aufrecht und trennte sich nach dem Kriege wieder von „Hellwegbote“. Während des Krieges sind viele Sportfreunde gefallen. Zu ihnen gehören Josef Kuchenbecker, Adolf Schmidt, Adolf Dietz und Paul Flöer.

Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1976 ist in der Mitte vorn Rudi Flöer zu sehen.
- 1874: Lehrvertrag mit einem Lehrjungen namens Wilhelm Flöer, Sohn des Bernhard Flöer
Dazu habe ich einen Lehrcontract gefunden, worin es u.a. heißt: „Zwischen dem Schreinermeister Conrad Hammelbeck zu Westernkotten und dem Tagelöhner Bernhard Flöer für sich und seinen minderjährigen Sohn Wilhelm Flöer ist am heutigen Tage nachstehender Lehrcontract nach mündlicher Übereinkunft geschlossen worden… “ Hier die Vorderseite:

Der Aufsatz dazu findet sich auch auf meiner Homepage unter https://www.wolfgangmarcus.de/einzelne-aufsaetze/aufsaetze-1603-1940/1874-lehrvertrag/