Von Wolfgang Marcus
Ich erinnere mich als Kind daran, dass Blumen in manchen Vorgärten und Beeten hinter dem Haus eine Rolle spielten. Meist wurden Blumenzwiebeln unter Nachbarinnen getauscht und selbst gezogen. – Eine große Rolle spielten Blumen vor allem auch bei Festen im Jahreskreis, besonders bei der Lobetagsprozession, aber auch bei Sitten im Lebenslauf, besonders der kirchlichen Hochzeit. Und auch bei der Grabbepflanzung auf dem Friedhof spielten Blumen eine wichtige Rolle.
Am 19.2.1994 fand die Eröffnung von Flora Conzepta in der Salzstraße 10-12 statt. So lange hat sich meines Erachtens kaum ein Blumenladen oder Blumenhaus in (Bad) Westernkotten gehalten. Anlass genug, sich einmal mit der Geschichte des Blumenhandels in unserem Ort zu beschäftigen.

Visitenkarte des Blumenhauses Flora Conzepta
Im Folgenden soll es um zwei Leitfragen gehen:Welche Blumenläden gab und gibt es in (Bad) Westernkotten? Und: Welche besonderen Erfahrungen hat die Inhaberin Silvia Kleikemper in den 32 Jahren gemacht?
Welche Blumenläden gab und gibt es in (Bad) Westernkotten?
Zunächst einmal ist wichtig, Blumenläden bzw. Blumenfachgeschäfte von Gärtnereien und Garten- und Landschaftsbaubetrieben (GaLaBau) zu unterscheiden. Blumenläden im heutigen Sinn – also spezialisierte Geschäfte für Schnittblumen, Sträuße und Floristik – entstanden in Deutschland im 19. Jahrhundert. Vor dem 19. Jahrhundert: Blumen wurden meist auf Wochenmärkten verkauft oder direkt von Gärtnern bezogen. Mit der Industrialisierung entstanden erste feste Blumenfachgeschäfte In größeren Städten. Um 1900 entwickelte sich Floristik als eigenes Handwerk mit Ausbildung und Innungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sich Blumenläden stark, auch in kleineren Städten und Dörfern – Blumen wurden zunehmend Teil von Alltags- und Festkultur. Heute ist der Beruf des Floristen offiziell anerkannt und über den Fachverband Deutscher Floristen organisiert.
Und in Bad Westernkotten? Blumenfachgeschäfte in Bad Westernkotten lassen sich erst für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg nachweisen. Vorher nahm man zum Verschenken oder Dekorieren in der Regel die Blumen aus dem eigenen Garten.
In Bad Westernkotten waren und sind – nach Entstehungszeit geordnet – die folgenden Betriebe ansässig (die Liste ist sicherlich nicht vollständig).
Gärtnerei Willy Markoni, Salzstraße 11 (1928-ca. 1985)
Hinter dem Wohnhaus, Salzstraße 11, errichtete Willy Markoni etwa im Jahre 1928 zwei Treibhäuser, in denen Pflanzen und Blumen gezüchtet wurden. Später, etwa im Jahre 1937, erwarb er das vor seinem Haus gelegene Salinengrundstück (heute Parkplatz Kurhaus) vom Kurhausbesitzer Wilhelm Wiese, machte es in mühevoller Arbeit für seine Gärtnerei nutzbar und konnte somit seinen Betrieb erweitern. Im Wohnhaus, Salzstraße 11, wurde ein Blumenladen eröffnet, erkennbar an den großen Schaufensterbereichen.

Ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus der Gärtnerei Markoni in der Salzstraße [Aufnahme 2/2015] W. Marcus]
1955 wurde ein neues Wohnhaus mit Ladengeschäft an der Weringhauser Straße 12 gebaut. Der Blumenladen wurde nach dorthin verlagert. In der Salzstraße 11 eröffneten Hans Ewen und seine Frau Gertrud, die Schwester von Willy Markoni, einen Lebensmittelladen. – Als Willy Markoni 1969 starb, führten Hans (+2006) und Gertrud Ewen (+1999) den Betrieb noch viele Jahre im Nebenerwerb weiter. Hans Ewen bekam auch Aufträge auf dem Friedhof und auch von der Stadt Erwitte. So pflegte er Beete am Ehrenmal oder etwa an der Antoniuslinde. – Das Blumengeschäft Markoni wurde dann von 1973-1985 an H. W. Knepper verpachtet, bevor Heinz-Martin Brüggemeier hier 1986 einen Eissalon eröffnete. – In diesem Gebäude, Weringhauser Straße 12, befindet sich heute die Mietwagenfirma Berolina. – Das Blumenhaus Markoni war mit ziemlicher Sicherheit das älteste Blumengeschäft des Ortes. [Heimatbuch 1987, S.389 und 396, mdl. Mitteilung von Hans Ewen jun., Uhlandstraße 27, am 10.08.2017]
Gärtnerei Friedrich Merschmann, Westerntor 51 (1955- ca. 2020) und „Blumen-Boutique“ – Eröffnung: 27. 11. 86 Aspenstraße 12
Gründer des Betriebes war Gärtnermeister Friedrich Merschmann, geb. 1932. Nach einer Ausbildung zum Gärtner bei der Gärtnerei Wolters in Erwitte, zwei Wintersemestern Meisterschule in Münster Wolbeck wurde der Geschäftsbetrieb im Jahre 1955 am Hockelheimer Weg 14 mit einem ersten kleinen Gewächshaus und Frühbeet-Kästen aufgenommen. – Bis 1965 befand sich der Betrieb am Hockelheimer Weg, danach Umsiedlung zum Westerntor 51. Bau eines Wohnhauses und ca. 1000 qm Gewächshausfläche. Danach schrittweise Vergrößerung auf die heutige Fläche von ca. 7000 qm Gewächshaus. Ab 1983 gemeinschaftliche Führung des Betriebes mit dem Sohn Friedrich Merschmann, geb. 1960, und dessen Frau Marita.

Marita Merschmann erläutert den Betrieb am Westerntor [Foto W. Marcus, 4/2017]
Begonnen wurde mit dem Anbau von Tulpen, Freesien und als Hauptkultur Schnittgrün. Verkauf über den Wochenmarkt und die Blumenversteigerung. Ab 1975 Umstellung auf Topfpflanzenproduktion. Hauptkulturen Frühjahrsblüher, Beet- und Balkonpflanzen, Stiefmütterchen und Weihnachtssterne. Vermarktung über den Großhandel und Privatverkauf. – Seit ca. 10 Jahren werden zusätzlich Tomaten, Gurken und Paprika angebaut. Der Verkauf erfolgt direkt ab Gärtnerei. [Mitteilung Friedrich Merschmann vom 17.04.2017; vgl. auch HB 1987, S.396]
Und Marita Merschmann ergänzt per Mail vom 03.03.2026 diese Informationen wie folgt: Der Gartenbaubetrieb Merschmann, Westerntor, wurde zum 31. Oktober 2018 eingestellt. Im Frühjahr 2019 begann Erdbeer-Weilandt, Salzkotten, mit den Umbauarbeiten in den Gewächshäusern, um dort anschließend Erdbeeren unter Glas zu kultivieren. – Die Blumen-Boutique in der Aspenstraße, wurde im März 1993 aus familiären Gründen an Gärtnermeister Josef Dahlhoff, Rüthen abgegeben. Das Geschäft wurde unter Blumen Dahlhoff weitergeführt. Ab 2011 hat seine Schwester Monika Dahlhoff, den Laden übernommen. Aus Altersgründen wurde das Fachgeschäft im Juni 2024 geschlossen.
Blumen Dahlhoff (1986 – 2024)
Dieses Blumengeschäft wurde am 27.11.1986 unter dem Namen „Blumen-Boutique“ von Friedrich Merschmann in der Aspenstraße 12 eröffnet. [HB 1987, S. 398]
Ab April 1993 übernahm die Firma Josef Dahlhoff aus Rüthen das Blumenfachgeschäft der Familie Merschmann an der Aspenstraße 12. Am 1.4.2003 feierte Blumen Dahlhoff, Aspenstraße 12, bereits den 10. Geburtstag [Patriot 1.4.2003]. Aus Altersgründen wurde das Fachgeschäft im Juni 2024 geschlossen.
Flora Conzepta (1994 – heute]
Am 19.2. 1994 fand die Eröffnung eines Blumenhauses unter dem Namen „Flora Conzepta“ durch Hedwig Knepper und Silvia Öffler als GbR in der Salzzstr.10-12 (vorher Kristallerie Bohemia) statt. In einer Gewerbeaufstellung der Stadt Erwitte steht „Einzelhandel mit Floristikartikeln“. In den Folgejahren weiß das kreative Fachgeschäft insbesondere bei Frühjahrs-, Herbst- und Adventsausstellungen zu überzeugen. – Ab 1.1.2010 ist Silvia Kleikemper geb. Öffler alleinige Inhaberin. – Am 7.3. 2024 feierte Flora Conzepta bereits das 30-jährige Bestehen.
Welche besonderen Erfahrungen hat die Inhaberin Silvia Kleikemper in den 32 Jahren gemacht?
Frau Kleikemper schreibt mir dazu: Besondere Erfahrungen kann man in so einem persönlichen, inhabergeführten Geschäft fast täglich machen. Es ist bei uns so abwechslungsreich, es gibt immer neue Herausforderungen und es ist einfach schön, neben den Kunden aus dem Ort auch die vielen Gäste, die man oftmals über Jahre immer wieder sieht, mit Neuem oder Altbewährten zu verzaubern. Als Westernkötter Mädchen ist die persönliche Bindung zum Ort natürlich auch ganz besonders. Als Höhepunkt im Jahr kann man auf jeden Fall die blumige Ausstattung des Schützenfestes nennen. Die Ausstellungen, die es früher gab, werden heute durch andere Events abgelöst. So gibt es ca. zweimal im Jahr ein Moonlight-Shopping in Verbindung mit Studio M, Frau Hansmann. – Dies ist nur ein Beispiel für den Wandel im Blumengeschäft.[2]
[1] Zum Thema Blumen in Bad Westernkoten sind auch bereits zwei Aufsätze erschienen: Sellmann, Anette, Blumenpracht und Kräuter (Gartentag der kfd), in: Jahrbuch (JB) 2014, S.14; Marcus, Wolfgang, „Als erstes hat Gott der Allmächtige einen Garten angelegt“ – Gärtnereien, Garten- und Landschaftsbaubetriebe und Blumenfachgeschäfte; in: JB 2018, s. 171-176
[2] Mitteilung vom 20.04.2026