2026: Franz-Josef Steins, Ex-Major des Bad Westernkötter Schützenvereins, ein Mann (nicht nur) mit einem guten Gedächtnis

Von Wolfgang Marcus

Ab und zu treffen ich Franz-Josef Steins (*07.11.1927) mal beim Einkaufen. Mit seinem Sohn Egbert (*1954, ehemaliger Lehrer in Selm) und seiner Tochter Marlies (*1952, ehemalige Fachbereichsleiterin an einer Volkshochschule) habe ich immer mal wieder Kontakt. So etwa beim Lobetag 2025, wo ich einige Fotos gemacht habe:

Im Vordergrund Franz-Josef Steins, links daneben sein Sohn Egbert, beim Lobetags-Gottesdienst 2025

Da er lange Zeit Major im Schützenverein war, ein sehr gutes Gedächtnis hat und an Geschichte interessiert ist, sprach er mich auf dem Pfarrfest im September an, ob ich ein Exemplar des neuen Jahrbuches für ihn hätte. Das brachte ich ihm dann vorbei und kam dabei auf die Idee, einen kleinen Aufsatz über ihn zu schreiben. Dazu hat er mir am 12.12.2025 einige handschriftliche Aufzeichnungen übergeben und Fotos gezeigt. Beides ist in die folgenden Zeilen eingeflossen.

Biographische Angaben

Franz-Josef Steins wurde am 7.11.1927 in Beckum geboren. Seine Eltern waren Josef Steins aus Westernkotten und dessen Frau Elisabeth, gebürtig aus Beckum. – Er wohnte bis 1933 in Beckum und ist dann nach Westernkotten umgezogen. Hier ein Foto seiner Eltern beim Schützenfest 1961:

Josef und Elisabeth Steins in der 2. Reihe beim Schützenumzug 1961

Die Volksschule (1914 erbaut, heute Paul-Gerhardt-Haus) besuchte er von 1934 bis 1942, in der Bank neben ihm saß mein Onkel Ewald Niggenaber.

Franz-Josef Steins (vordere Reihe Fünfter von links) auf einem Klassenfoto 1937/38 der Volksschule Westernkotten, Geburtsjahrgang 1927/28. Von oben nach unten – von links nach rechts: 1. Reihe: Brüggemeier, Heinz – Bertelt, Hubert – Gerling, Heinz– Köneke, Willi – Kerkhoff, Anton – Schäfer, Josef – Buse, Josef – Riekenbrauck, Erich Wilhelm – Eickmann, Heinrich – Leonhardt, Ludwig – Schrage, Josef – Köneke, Heinrich — 2. Reihe: Remmert, Trude – Hense, Maria (verh. Horn) – Frenzel, Arild – Hense, Josefine – Lüning, Sophia – … (nl-Mädchen, Familie wohnte bei Mönnig) – Hammelbeck, Resi – Hilwerling Elisabeth (verh. Steins) – Spiekermann, Elli (verh. Hengsbach) — 3. Reihe: Hense, Gertrud – Lange, Maria – Köneke, Bernhardine – Feldewert, Hedwig – Ostheimer, Liselotte – Speckenheuer, Trude – Lüning, Sophia (verh. Heine) – Johannknecht, Ursula (verh. Brüggemeier) – Träger, Ingrid – Neite, Elisabeth – Heithoff, Elisabeth – Tigges, Hilde – Knoche, Elli — 4. Reihe: Schmitz, Heinrich – Niggenaber, Ewald – Schäfermeier, Josef – Schröer, Hubert – Steins, Franz-Josef – Frenzel, Oskar – Schrage, Franz – Träger, Erich – Erdmann, Walter – Brexel, Josef – Erdmann, Willi – Knych, Erich – Spiekermann, Paul.[1]

Ab 1.4. 1942 machte Franz-Josef eine Lehre als Maschinenschlosser bei der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) in Lippstadt.

Am 9.3.1944, also im 6. Kriegsjahr, wurde er zur RAD-Flak (RAD steht für Reichsarbeitsdienst) eingezogen. Hier Fotos aus seiner Militärzeit:

Das Foto zeigt eine Flak-Stellung 8.8 cm im Oktober 1944 in Groitzsch bei Leipzig. Von links: Franz-Josef Steins, Walter Ermann und ein Böhle aus dem Sauerland.

Franz-Josef Steins ist auf diesem Foto ganz rechts zu erkennen.

Franz-Josef erzählt, dass er als Geschützführer arbeitete, während der kräftige Walter Erdmann die Geschosse einlegen musste.

Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8.Mai 1945 wurde er von dem seinem Batteriechef aus dem Militärdienst entlassen und gelangte in tagelangen Fußmärschen von Horst in Holstein zurück nach Westernkotten.

Ab 1.6.1945 setzte er seine Lehrzeit bei der WLE fort; nach der Facharbeiterprüfung wurde er als Schlosser übernommen. Weiter ging es beruflich im November 1947: Er wurde in die Lokführer-Laufbahn übernommen und kam somit in den Fahrdienst. „70 Jahre war ich dann Mitglied in der GDL, der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer,“ weiß Franz-Josef zu berichten. „Ich wurde im Güter- und Personenverkehr eingesetzt. Meine Stationen waren Lippstadt-Nord, Warendorf, Ennigerloh, Stadtlohn, Beckum, dann wieder Lippstadt-Nord. 1987 ging ich als Hauptlokführer in Pension.“

Bereits 1952 heiratete er Elisabeth Hilwerling, die leider am Samstag, 27.8.2016 verstorben ist. Hier die Todesanzeige aus dem „Patriot“ vom 30.8.2016:

Franz-Josef wohnt heute noch in seinem Haus und erfreut sich trotz seiner jetzt 98 Lebensjahre und vielen schwierigen Erfahrungen weithin guter Gesundheit. Und nach meinem Eindruck kann ich das nur bestätigen. Auch der familiäre Zusammenhalt ist sehr gut: Die Kinder kommen regelmäßig aus Olfen und Iserlohn zu Besuch, kümmern sich um die Dinge, die nötig sind uvm. Und auch große Familientreffen finden statt.

Hier ein Foto vom August 2024:

Von links: Sabrina Laufer geb. Metzner, Christopher Steins, Stefan Laufer, Gesche Steins, Egbert Steins, Klaus Metzner, Luca Metzner, Maria Steins, Stefanie Metzner, Franz-Josef Steins, Christiane Metzner, Moritz Metzner, Ralf Metzner, Mechthild Köneke geb. Steins (Schwester von Franz-Josef), Käthe Metzner geb. Steins (Schwester von Franz-Josef), Hardy Khalifa, Ute Köneke, Theo Laurenz Rose, Marion Rose geb. Köneke, Carl Leander Rose, Patrick van Gemert, Marlies van Gemert geborene Steins, Sylvia Khalifa geb. Köneke (halb verdeckt),  Karim Khalifa, Petra Metzner mit Enkelkind Tilda, Mako Rose, Uta Joest geb. Steins, Jan Joest. Davor seine drei Urenkel Lena Joest, Flora Steins und Jakob Joest.[2]

Mittlerweile ist laut Franz-Josef ein weiteres Urenkelkind, Felix Joest, dazugekommen.

Großes Engagement im Schützenverein Bad Westernkotten

Franz-Josef trat nach dem 2. Weltkrieg in den Schützenverein Westernkotten ein, hier zunächst in die Handwerkerkompanie:

Handwerkerkompanie 1949. Franz-Josef Steins ist in der 2. Reihe rechts zu erkennen.

Die Handwerkerkompanie 1950 auf dem Hof Hoppe-Klosebaum. Franz-Josef Steins ist der 4. Schütze von links.

Nach der Hochzeit 1952 wechselte Franz-Josef automatisch in die Männerkompanie. 1971 wurde er zum Oberleutnant der Männerkompanie gewählt, 1975 dann zum Hauptmann. Bereits ein Jahr später wählte ihn die Schützenversammlung zum Major, also zum Vertreter des Obersts. Sein Nachfolger bei der Männerkompanie wurde Heinrich Eickmann. Ende der 1970er Jahre musste der Eingangsbereich der Schützenhalle saniert werden: Franz-Josef und Alfred Westerfeld unterzeichneten bei einem Kredit des Vereins als persönlich haftende Schuldner.

Schon bald war der Vorstand der Meinung, dass das Vogelschießen spannender würde, wenn jemand den nächsten Schützen in humorvoller Weise ankündigen würde. Und wer kam da in Frage? – Der Major Franz-Josef Steins. Dieser kannte nahezu alle Schützen persönlich; und er musste sich für einige Dönekes über die Lautsprecheranlage auch keine besonderen handschriftlichen Notizen machen.

Immer wieder packte Franz-Josef mit an, so etwa beim Aufbau einer neuen Vogelstange (Stahlrohrmast) im Jahr 1991. 1990/91 wurde die Schützenhalle nach Norden erweitert.

In einer kurzen Pause wurde der weitere Ablauf der Arbeiten besprochen. Zweiter von rechts: Franz-Josef Steins.

So wurde er bei der 300-Jahr-Feier des Schützenvereins im Jahr 1994 für besondere Verdienste mit einer Urkunde und einer Anstecknadel geehrt, 1996 wurde er zum Ehrenmajor ernannt. – Bis heute ist er noch (das wohl älteste) Mitglied des Schützenvereins Bad Westernkotten. Klaus Metzner erinnert sich: Ich weiß, dass Onkel Franz-Josef die Uniform immer mit großem Stolz getragen hat und noch beim Vogelschießen 2024 in ,,vollem Ornat‘‘ interessiert das Schießen verfolgt hat.

Major Franz-Josef Steins und Oberst Josef Gudermann [Foto aus: 300 Jahre Schützenverein Bad Westernkotten].

Weitere Aktivitäten

Franz-Josef Steins war nicht nur im Schützenverein aktiv, sondern auch leidenschaftlicher Sänger im Männergesangverein Westernkotten, der 1934 gegründet wurde und in dem auch sein Vater schon Mitglied war. Nach der Auflösung des Vereins im Jahr 2011 schlossen sich die verbliebenen Mitglieder – darunter auch Franz-Josef Steins – dem MGV Erwitte an, der aber mittlerweile auch nicht mehr existiert (Auflösung des MGV Erwitte im Jahr 2023). Für seine lange, mehr als 50jährige Treue als guter Sänger wurde er mit der Medaille des Deutschen Sängerbundes geehrt, die heute noch in seinem Besitz ist.

Kurzes Fazit

Anpacken, Bescheidenheit, ein gutes Gedächtnis, historisches Interesse, innere Ruhe und Ausgeglichenheit… all das sind Eigenschaften, die mir bei Franz-Josef Steins einfallen. Ich hoffe, allen Leserinnen und Lesern geht es auch so!


[1] Herzlichen Dank an Egbert Steins für das Foto und die detaillierte Namensauflistung sowie weitere Ergänzungen.

[2] Herzlichen Dank an Klaus Metzner, seinem Patenkind, für das Foto und die detaillierte Namensauflistung.