2026: Polizei und Polizeigeschichte(n) aus Erwitte und vor allem Bad Westernkotten – unter besonderer Berücksichtigung von Banküberfällen

Von Wolfgang Marcus[1]

Das Wort „Polizei“

Das Wort „Polizei“ kommt vom altgriechischen Wort „Politeia“ (πολιτεία), das „Staatsverwaltung“, „Regierung“ oder „öffentliche Verwaltung“ bedeutet. Diese Ableitung von „Politeia“ wiederum basiert auf dem griechischen Wort „Polis“ (πόλις), was „Stadt“ oder „Staat“ bedeutet. Der Begriff beschrieb somit ursprünglich die gesamte weltliche Ordnung und die Verwaltung einer griechischen Stadt oder eines Staates.

Bisherige Aufsätze zur hiesigen Polizeigeschichte

Zur Geschichte der Polizei im Stadtgebiet von Erwitte und besonders in Westernkotten (speziell zu Banküberfällen) gibt es meines Erachtens noch keine grundlegende Literatur.[2] Ich habe zwar schon einen Beitrag über die Volksbank Bad Westernkotten geschrieben[3] und die Volksbank selber hat diese Geschichte für die neuere Zeit/die letzten 25 Jahre ergänzt,[4] aber darin finden sich keine Aussagen zu Banküberfällen. Auch auf meine schriftliche Nachfrage bekam ich nur den Hinweis: Uns liegen keine Infos vor.[5]

Kleinere Beiträge zur Polizeigeschichte in unserer Region hat Gregor Bachmann aus Horn-Millinghausen, Auf der Heckenbrede 10, geschrieben. Deshalb erhielt er auch am 31.10.1991 die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. Der Patriot berichtete darüber unter dem 01.11.1991: „Landrätin Karin Sander hob das Engagement des Horners für die heimische Kultur hervor, um die er sich in besonderer Weise verdient gemacht habe. Seit 17 Jahren steht Bachmann an der Spitze des MGV ‚Concordia‘, ist dem Chorgesang seit mehr als zwei Jahrzehnten verbunden, Musikcassetten wurden in dieser Zeit herausgegeben. Groß ist das Engagement des Ausgezeichneten für die Jugendschutzarbeit. So Landrätin Sander: ‚Ein Mann wird geehrt, der durch seinen persönlichen Einsatz unendlich viel für den Schutz der Jugend getan hat, dies nicht nur auf Kreis-, sondern auch auf Bundesebene und nicht zuletzt für die Kinder der in Deutschland stationierten britischen Streitkräfte.‘ So arbeitete Gregor Bachmann Sicherheitsfragen in deutscher und englischer Sprache aus, erhielt dafür Dank und Anerkennung vom Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder, vom NRW- Innenministerium sowie von der Britischen Botschaft. Die Landrätin schloss sich diesem Dank an und würdigte Bachmanns Bemühen in der Jugendpflege…Die Vorträge hielt Gregor Bachmann zu fast 90 Prozent in seiner Freizeit, er schrieb u.a. ein Buch über „25 Polizeieinsätze“, in dem er mit viel Humor jüngere Bürger unterhält, gleichzeitig Aufklärung leistet sowie einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben der Polizei und deren Bewältigung gibt.“ Das Buch erschien in einer verbesserten Auflage im Jahr 1996[6]. Hier das Cover:

Die Titel der Aufsätze lauten: Der Star – Wer raucht King-Goldwell? – Zwei Verrückte? Auf Reisen – Urkundenfälschung – Ein makaberer Scherz – Silbernitrid – Halt! Polizei! – Ein guter Schutzengel – Der Stielkamm – Eine peinliche Aufdeckung – Große Wäsche – Der Schuss auf die Eisenbahn – Umweltverschmutzung – Verhindertes Schlachtfest – Der Tod in zweierlei Deutung – Ein gefrorenes Osterei – Weideviehdiebstahl – Zechenanschlussraub – Tödlicher Verkehrsunfall – Eine friedliche Demonstration – Scheckbetrug – Nächtlicher Schusswechsel. – In den Jahren 2000 bis 2002 veröffentlichte Bachmann unter dem Titel „Wie war das vor 100 Jahren? Aus alten Polizeiunterlagen“ nochmals 22 Beiträge im „Mitteilungsblatt für die Stadt Erwitte“[7].

Örtliche Polizisten, die ich dem Namen nach kenne

Spontan fallen mir folgende Namen und Begriffe ein: Friedel Erdmann, immer nur „Dorfsheriff“ genannt, ein Polizist namens Hilgers, Heinrich Wilmsmann, der Polizist Schmitz, Spitzname „Schmitz Katze“ und Rainer Walter, der derzeit für Erwitte zuständige Polizeibeamte.

Im Folgenden versuche ich etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Ich gliedere meine Darstellung historisch. Meine Hauptquellen waren die Festschrift „1936 – 1100 Jahre Erwitte“, das Heimatbuch „Bad Westernkotten – Altes Sälzerdorf am Hellweg“ aus dem Jahre 1987, kleinere Aufsätze von Willi Mues, verschiedene Ausgaben des „Patriot“ und diverse mündliche Mitteilungen.

Polizeifunktionen bis ins 18. Jahrhundert: Polizeigewalt in der Hand der Landesherren

Im Heimatbuch von 1987 heißt es: „…Man muss hier allerdings bedenken, dass die Bistümer erst durch diese Besitzverhältnisse in der Lage waren, alle Anforderungen des Staates und hier insbesondere die Unterhaltung eines Heeres zu gewährleisten. Schon Karl der Große hatte die Verwaltung seines Landes in die Hände von Grafen gelegt. Sie hatten die Polizeigewalt inne, befehligten im Kriegsfall ein Aufgebot und zogen die vielfältigen Steuern ein. Diese Grafen standen den Freigerichten vor. Auch in Erwitte befand sich ein Freigericht, welches dem Bischof von Paderborn unterstellt war. Die rechtliche Grundlage dazu war die Schenkung aus dem Jahre 1027. Die Freigerichte befassten sich mit Angelegenheiten, die den Königsfrieden betrafen und sprachen bei Vergehen den Königsbann aus. Die acht Bannfälle waren: Verletzung des Heerbannes, Frevel gegen Kirchen, Witwen, Waisen oder verteidigungsunfähige Hilfsbedürftige, Entführung, Brandstiftung, Heimsuche. – Im eroberten Sachsenland hatte Karl der Große, um den sächsischen Adel allmählich für sich zu gewinnen, die alten Gogerichte bestehen lassen…“[8]

Und in der Erwitter Schrift heißt es im Aufsatz von Franz Herberhold: „Den Kern der Landeshoheit wird man in den alten Grafenrechten suchen müssen. Daraus entsprangen die hohe Gerichtsbarkeit, das Recht des Bannes, d. h. das Recht, bei Strafe zu gebieten und zu verbieten, Verwaltung und Polizei auszuüben, die Untertanen zum Kriegsdienst aufzurufen sowie das Recht, Befestigungen anzulegen. Aber wie diese verschiedenen dem König vorbehaltenen Rechte nicht auf einmal, sondern nach und nach durch besondere Verleihungen an die Landesherren übergingen, so vereinigte auch nicht immer jeder Landesherr alle Rechte in seiner Hand. Es ist geradezu ein besonderes Merkmal des mittelalterlichen Staates, dass Rechte verschiedenster Art und sehr ungleichen Umfangs auch in verschiedenen Händen waren, sich kreuzten und überlagerten. Der Gedanke einer einheitlichen straffen Organisation war jenen Zeiten fremd…“ [Seite 43] „…Eine politische Gemeinde mit Polizei- und Verwaltungsbefugnissen in unserem Sinne bildete sie nicht.“ [Seite 250] „Die Gerichtsfronen waren Ausführungsorgane des Richters und entsprachen etwa unseren Polizeibeamten. Sie überbrachten die Ladungen zum Gericht, Aufgebote zur Landfolge, zu Landesfuhren, Aufforderungen zu Landjagden und zur Leistung von Amts- und Gogerichts-Diensten.  Auch bei Einweisungen in Besitz und Abschätzungen von Pfändern waren sie tätig. Sie nahmen ferner die Pfändungen vor sowie die Verhaftungen von Übeltätern und die Einschließung in die Eisen.“ [Seite 167]

Polizeifunktionen im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Hier folgen einige Angaben aus diversen Akten, Zeitungsberichten und Protokollen, chronologisch geordnet. Auf die Zeit nach dem 1. Weltkrieg, die NS-Zeit und den 2. Weltkrieg kann hier nicht weiter eingegangen werden.

1835: In einem „Inventar über den Vermögensstand der Gemeinde Westernkotten in der Bürgermeisterei Erwitte aus dem Jahre 1835 ist u.a. zu lesen: „Gehalt des Polizeidieners 40 Reichstaler“ und „Eine Glocke zum Ausschellen: Im Verwahr des Polizeidieners“ sowie „Sechs Schaufeln. Im Verwahr des Polizeidieners“.

1835: Polizeidiener und Flurschütz für die Gemeinden Westernkotten, Eikeloh und Böckenförde im Jahre 1835[9]. In der Akte „Klagesachen Westernkotten“ befindet sich ein Schriftwechsel, bei dem es um das Gehalt und die Aufgaben des Polizeidieners Günther geht. Am 9. März 1835 tragen die Gemeinde Vorstände von Westernkotten dem Amtmann Schlünder das folgende Anliegen vor: „Westernkotten, den 9. März 1835 das Gehalt des Polizei Dieners für die Ortschaften Westernkotten, Böckenförde und Eikeloh betreffend, erschienen die Vorstände von Westernkotten, Böckenförde und Eikeloh und trugen vor. De Geschäfte eines Polizei Dieners für die drei vorstehend genannten Ortschaften nehmen dessen Tätigkeit so sehr in Anspruch, dass mit dieser Stelle keine anderen Geschäfte verbunden werden könnten. Sie wollten daher darauf antragen, dass der bisher von ihm bekleidete Flurschützer-Posten zu Westernkotten einem anderen Subjekt übertragen werde, zu welchem Zwecke der Vorstand von Westernkotten insbesondere bemerkte wie dieser – wegen der vielen Feldfrevel in dieser Gemeinde höchst dringlich seye und eine regelmäßige Aufsicht erfordere, die von dem Polizeidiener wegen seinen Dienstgeschäften als solcher nicht gefordert und nicht geleistet werden können. Da jedoch durch diese Einrichtung das Gehalt des Polizeidieners Günther sich um 20 Reichstaler verringern, welcher Ausfall durch den Posten als Communal-Executor [= kommunaler Geldeintreiber] für die benannten drei Ortschaften gedeckt worden seye, den er aber abgeben, als ihm die Flurschützen-Stelle zu Westernkotten übertragen worden, so wollten sie hiermit beantragen, dass das Gehalt auf die Summe von 75 Reichstaler festgestellt worden und von den drei Gemeinden nach Seelenzahl requitirt, aufgebracht werden möge, zu welchem Zwecke sie noch bemerken wollten, dass solche in der Gemeinde Westernkotten 1224 Personen, Böckenförde 379 Personen und Eikeloh 348 Personen betrage. Durch diese Einrichtung würde den Polizeidiener, nicht allein ein höchst mäßiges Einkommen zugesichert, sondern derselbe auch die nötige Muße genommen, sich seinen ihm obliegenden Geschäften gehörig unterziehen zu können, was bei allen neben Geschäften nicht möglich seye, da die Funktionen des Polizeidieners für drei Ortschaften dessen ganze Tätigkeit allein in Anspruch nehmen. v. g. u. Der Ortsvorstand von Westernkotten Potthoff, Franz Jesse, Grothe – Der Ortsvorstand von Böckenförde Christoph, Risse, Franz Ortiner – Der Ortsvorstand von Eikeloh Anton Kolkmann, Joseph Kruse a. g. v. Der Beigeordnete Hoffbauer. – Im anschließenden Verfahren, bei dem der Landrat von Schade in Lippstadt eingeschaltet wird, können sich die Gemeindevorstände nicht durchsetzen: Der Landrat hält das Gehalt des Polizeidieners für ausreichend und ist der Meinung, dass sich die Aufgaben des Polizeidieners und Flurschützen sehr wohl miteinander vereinen lassen. Falls er eine Erhöhung des Polizeidiener-Gehaltes in diesem Fall die Zustimmung erteilt, befürchtet er, auch aus anderen Gemeinden ähnliche Anträge zu bekommen. Er zeigt sich aber bereit, einen zweiten Flurschütz für die drei Gemeinden zu berufen, wenn dessen Gehalt von den größeren Grundstücksbesitzern bezahlt wird. Ob es dazu gekommen ist, geht aus dem vorhandenen Schriftverkehr nicht hervor.“

1843: Im ältesten Protokollbuch des Gemeinderates von Westernkotten, das 1843 angefangen wurde und bis 1866 reicht, schreibt der erste Gemeindevorsteher Franz Erdmann: „Westernkotten den 15. Juli 1843 – Meine Herren! Nachdem ich zum Vorsteher der Gemeinde ernannt worden bin, glaube ich mit dem Beginn meiner Wirksamkeit, ihnen ein Glaubensbekenntnis schuldig zu sein. Ich kenne die Anforderungen, welche die Gemeinde an mich zu machen berechtigt ist, sowie die Wichtigkeit des mir übertragenen Amtes; nicht allein für die Gemeinde als solche, sondern auch für jedes Gemeindemitglied im Einzelnen. – Durch bedeutende Bauten waren seit einer langen Reihe von Jahren Ausgaben erforderlich, welche aus dem Ertrag des bedeutenden Gemeindevermögens nicht gedeckt werden konnten, weil derselben einer ungeregelten Verwaltung unterworfen war; es wurden demnach Schulden auf Schulden gehäuft, das Vermögen der Gemeinde verpfändet, nur die Zinsen dem Privat-Vermögen der Einwohner aufgebürdet. Die Umlagen waren und sind unerschwinglich. Aus Mangel an polizeilicher Beaufsichtigung hat sich die Immoralität besonders der niederen Klassen und der Jugend auf ihren höchsten Gipfel gestellt und wir haben häufig traurige Beispiele dieser Art zu beklagen. – Es ist keiner unter uns, der hierzu nicht in vollem Maaßen berechtigt wäre. Raufereien und Störung der nächtlichen Ruhe, Feld und Garten-Diebstähle, boshafter Frevel an dem Eigentum ruhiger Einwohner: gehören gewissermaßen zur Tagesordnung. Mein Streben soll daher sein, das Gemeindevermögen auf den höchsten Ertrag zu bringen, die Schulden zu tilgen und Umlagen zu vermeiden, die Polizei, insofern mir dieselbe zusteht, strenger zu handhaben, Ruhe, Sicherheit und Eigentum jedes Einzelnen zu schützen und einem jeden mit Rat und Tat beizustehen.“

Weiter heißt es in den Protokollen u.a.: „Westernkotten, den 10. Juli 1843 – Wohnort des Polizeidieners – In der heutigen Versammlung des Gemeindevorstandes zu Westernkotten, zu welchen sich die sämtlichen Gemeindeverordneten eingefunden hatten, gaben dieselben einstimmig zu erkennen, dass es durchaus notwendig sei, den Polizeidiener ganz in Westernkotten wohnen zu lassen. Die Gemeinde Westernkotten sei so bedeutend, dass dieselbe schon für sich eines Polizeidieners bedürfe. Aus primären Rücksichten halte die Gemeinde den Polizeidiener gemeinschaftlich mit den Gemeinden Eikeloh und Bökenförde, hierdurch werde der Polizeidiener ohnehin schon zur häufigen Abwesenheit veranlasst, wenn er nun wie bisher sein Domizil in Erwitte haben müsse, so stehe der Gemeinde-Vorsteher ohne alle Unterstützung bei der Ausübung polizeilicher Maßregeln. Es werde daher darauf angetragen, so bald wie möglich den Polizeidiener in Westernkotten wohnen zu lassen.“

1844-46: Durch den Gemeindevorsteher verfügte Polizeistrafen in Westernkotten 1844 – 46[10]. Gesetz und Ordnung, das waren Tugenden, die Preußen auch in seiner Provinz Westfalen durchzusetzen wusste. In der Akte „Klagesachen Westernkotten“ [im Stadtarchiv Erwitte, Depositum Westernkotten; Transkription: Erwin Schöneweiß †] befinden sich mehrere Listen, in denen verhängte Polizeistrafen zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung rubriziert sind. Sie beziehen sich auf das 2. bis 4. Quartal 1844, das 4. Quartal 1845 und das 1. Quartal 1846. – Für das Verhängen dieser Polizeistrafen bei Ordnungswidrigkeiten war damals nach der Preußischen Landgemeindeordnung der jeweilige Gemeindevorsteher zuständig. Dies war zu jener Zeit der von Papensche Rentmeister (Verwalter) Franz Erdmann. Die Listen enthalten die Namen der Verurteilten (Denunzianten), seinen Wohnort, Datum, die konkrete Straftat, das Strafmaß (alles Geldstrafen), Angaben über die rechtlichen Grundlagen für die Bestrafung (einschl. der jeweils herangezogenen Amtsblattverordnung bzw. des Paragraphen der Landgemeindeordnung) und den Tag der Beschlussfassung der Verhängung. In der letzten Spalte ist registriert, ob von Seiten des Beklagten Widerspruch (Rekurs) eingelegt worden ist und mit welchem Erfolg. Die ausgefüllte Liste hatte der Gemeindevorsteher dem Amtmann Schlünder in Erwitte vorzulegen. Die Einnahmen aus diesen Verfahren gingen an die Gemeinde-Kasse. – Nun zu den Inhalten der Straflisten: Im 2. Quartal 1844 (nur Mai und Juni) „verdonnert“ der Gemeindevorsteher insgesamt 19 Gemeindemitglieder zu Geldzahlungen, davon 2 Mitglieder gleich zwei Mal und eine Person sogar drei Mal. Für die Gemeindekasse ergab das einen Betrag von mehr als 20 Reichstaler. Bei den insgesamt 23 Straftaten sind folgende Vergehen aufgeführt (in Klammem die Häufigkeit des Vorkommens sowie das Strafmaß): Hüten der Gänse im Feld (10-mal, je 1 Taler), Hüten der Gänse auf dem Gemeindebruch (8-mal, je 1 Taler), Befahren des Gemeindebruchs (1-mal, 1 Taler), Anfertigung von Lehmsteinen auf dem Gemeindebruch ohne Genehmigung (2-mal, je 10 Silbergroschen), Hüten der Kühe im Feld (1-mal, 1 Taler), Hüten der Gänse durch den schulpflichtigen Sohn (1-mal, 15 Sgr.) – Allen Verurteilten bescheinigt Rentmeister Erdmann in der Spalte „Bisherige Führung des Denunzianten“ untadelhaftes Verhalten. – Im 3. Quartal 1844 werden insgesamt 14 Polizeistrafen verhängt, zumeist wegen ähnlicher Vergehen wie im 2. Quartal. An neuen Straftaten kommen hinzu: Passieren des Gemeindebruchs mit Pferden, Umherlaufen mehrerer von der Herde entwichener Kühe auf Behörden-Acker (eine Strafe für den Kuhhirten), Hüten der Schafe im Felde, wo die Hude noch nicht offengegeben war, und verbotener Aufenthalt fremder Personen im Haus. Drei der Verurteilten legten Widerspruch ein. – Im 4. Quartal 1844 sind nur noch 4 Strafen verhängt worden, zwei Mal wegen Schulversäumnisse, einmal, weil jemand einen fremden Garten behütet hatte und einmal, weil jemand einen Haufen Wegsteine in den Chausseegraben zur Überfahrt geworfen hatte. – Im 4. Quartal 1845 werden 9 Polizeistrafen verhängt, dabei in drei Fällen an Gemeinderatsmitglieder wegen Ausbleibens von der Gemeindeversammlung und in drei Fällen wegen mangelndem Feuerschutz. Im Einzelnen heißt es da: „Weil er zur Abräumung der Goebelschen Brandstelle bestellt und nicht erschienen war“ und zwei Mal: ‚Weil er der Aufforderung zum Löschen des Feuers und Beseitigung der brennbaren Stoffe nicht nachgekommen ist‘. – Wie umfangreich ein Widerspruchsverfahren war, ist in einem Fall belegt: Auf 10 Seiten Briefen und Protokollen ist der Widerspruch des Gemeindeverordneten Anton Jesse belegt, der glaubhaft nachweisen kann, dass er zu Unrecht 1 Taler Strafe für das Fehlen bei der Gemeinderatssitzung „aufgebrummt“ bekommen hat. – Im 1. Quartal 1846 sind nur noch drei Vergehen zu. ahnden, einmal, weil Bäume auf Gemeindegrund gefällt wurden, und zwei Mal „Gehen über fremdes Eigentum.“

1859: Im o.g. Heimatbuch heißt es zu den Rechten und Pflichten der Sälzer im Jahr 1859: „…Die Sälzer wählen aus ihrer Mitte zwei Deputierte, welche sich um die gemeinschaftlichen Angelegenheiten kümmern. Die verordnete Untersuchung der Rechnungen in der Generalkonvention findet ebenfalls nicht mehr statt. Jeder Sälzer versucht nach Kräften, durch Vervollkommnung seines Betriebes die Produktion zu erhöhen und ist dabei nur der staatspolizeilichen Aufsicht, welche durch das Oberbergamt ausgeübt wird, unterworfen. Der Fiskus, als Mitbeteiligter, wird durch einen eigenen Salinenverwalter vertreten. Die Berichte des ehemaligen Amtsrichters an den Fürsten zu Paderborn sind eingestellt worden.“ [11]

1882: Im Gemeinderatsprotokoll vom 14. August 1882 heißt es: „Außerdem wurde beschlossen, den neu anzustellenden Polizeimann für die Zeit seiner Stationierung in der Gemeinde Westernkotten eine jährliche Mietsentschädigung von 90 Mark aus der Gemeindekasse zu bewilligen.“

1906: „Westernkotten, 29. Nov. Vor einigen Tagen kommt ein Fremder zum hiesigen Bahnhofswirte und bittet diesen um ein Darlehen von 35 Mark. Als Pfand hinterlässt er sein Fahrrad, das zwar schon langer gebraucht zu sein scheint, aber gut gebaut ist und sich noch in gutem Zustande befindet. Der Fremde erklärte, sich in augenblicklicher Verlegenheit zu befinden. Er hatte in Westernkotten zu tun und wolle den Betrag nach Zeit von vier Stunden zurückerstatten und sein Rad wieder in Empfang nehmen. Der arglose Wirt, durch das sichere Auftreten seines Gastes beeinflusst, geht in die Falle. Der Gauner geht davon auf Nimmerwiedersehen. Statt seiner erscheint nach einigen Tagen die Polizei von Erwitte und nimmt das Rad in Empfang. Es war Herrn Dr. Ullrich in Belecke gestohlen, der es des Nachts vor seiner Wohnung hatte stehen lassen. Von dem Dieb fehlt bis jetzt jede Spur.“ [12]

1907: Unter dem 17. Januar 1907 ist notiert: „Festsetzung der Mietentschädigung an den Polizeidiener: Die Vertretung beschließt, dem von der Amtsversammlung gewählten Polizeidiener einen Zuschuss zur Bestreitung der Miete für die Mietwohnung in Höhe von 90 Mark zu gewähren.“

1907: Auch mit Tötungsdelikten und Unfällen musste sich die Polizei beschäftigen: Im „Patriot“ vom 07.04.1907 ist zu lesen: „Tagelöhnerin tötet ihr Kind – Westernkotten, 6. April. Eine unmenschliche Mordtat erfüllt die Bewohner von Westernkotten und Umgegend mit Abscheu und Entsetzen. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag gegen 1 Uhr hörte der Arbeiter Linnemann im Garten seines Hauses, in dem die übelbeleumundete 25jährige Tagelöhnerin Anna Kleine wohnte, das jämmerliche Geschrei eines Säuglings. Hinzutretend wurde dem L. der Eintritt in den Garten von der Kl. verboten. Linnemann benachrichtigte nun, nichts Gutes ahnend, den Polizeidiener Hilgers, der schon bald darauf gegen 1/2 2 Uhr morgens die Kleine unter dem Verdacht des Kindesmordes in ihrer Wohnung verhaftete und nach Erwitte transportierte, wo die Verhaftete ein umfassendes Geständnis ablegte, ihr soeben geborenes Kind sofort erwürgt zu haben. Die Leiche sei im Garten verscharrt. Sie habe die Tat mit aller Überlegung ausgeführt. Hilgers, dessen Umsicht und Energie anerkannt werden muss, fand beim grauenden Morgen denn auch im Garten der Kl. eine frisch verscharrte Stelle und beim Aufwühlen die kleine Leiche. Die widernatürliche Mutter, die außerdem noch ein Kind im Alter von 2 – 3 Jahren hat, befindet sich im Erwitter Krankenhause. Möge die Mitteilung dieser entsetzlichen Tat mit all seiner Grausamkeit und Rohheit jedweden abschrecken die jäh abwärts führende Bahn des Lasters der Unsittlichen zu betreten. – Und am 11. April heißt es: „Absturz auf dem Domhof – Westernkotten, 10. April. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich am Weißensonntage auf dem benachbartem Domhof. Der dort bedienstete Knecht Aust stürzte durch eine Luke auf die Tenne und zwar derart unglücklich, dass der Stiel einer Heugabel ihm einen Fuß lang in den Mastdarm eindrang. Noch an dem selbigen Abend wurde der Verunglückte mit den hl. Sterbesakramenten versehen. Der entsetzliche Schmerzen Leidende wurde am anderen Tage zum Erwitter Krankenhause gebracht, wo er am Dienstag von seinen Qualen erlöst wurde. Der Verunglückte war verheiratet und Vater von 3 Kindern, die den Tod ihres Ernährers beweinten. – Aus Westernkotten wird uns weiter gemeldet; dass der Knecht Aust vom Boden in den 1,60 Meter niedrigen Bansen-Raum gesprungen und hierbei auf den Stiel der in der Hand haltenden Gabel gefallen ist. Von einem Abstürzen durch die Bodenluke auf die Tenne kann also keine Rede sein.“

Die Polizei in NRW (seit 1946)

Nordrhein-Westfalen (NRW) wurde bekanntlich am 23. August 1946 gegründet. An diesem Tag erließ die britische Militärregierung die „Verordnung Nr. 46“ und vereinigte die nördliche Rheinprovinz (Nordrhein) mit der Provinz Westfalen. Später, am 21. Januar 1947, wurde auch das Land Lippe eingegliedert. Damit besteht das heutige Bundesland Nordrhein-Westfalen seit 1947 in seiner heutigen Form.

Polizeistern NRW

Die Polizei Nordrhein-Westfalen ist die Landespolizei des deutschen Landes Nordrhein-Westfalen und wurde zum 1. Oktober 1953 aus den bisherigen Kommunal-Polizeien des Landes heraus gegründet. Polizeibehörden sind die 47 Kreispolizeibehörden sowie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste und das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei mit zusammen etwa 57.800 Beschäftigten, davon über 40.500 Polizeibeamte. Auftrag ist die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Als Strafverfolgungsbehörde geht sie gegen ordnungswidrige und strafbare Handlungen vor, ermittelt Täter und analysiert Tatmuster. Eine weitere Aufgabe ist die Gefahrenabwehr im Bereich der inneren Sicherheit, das heißt, die Verhütung oder Unterbindung von rechtswidrigen Handlungen jeder Art. Im Rahmen der Verkehrsüberwachung regelt sie Verkehrsströme und hat eine tragende Rolle in der Notfallhilfe (Notruf). Ferner sorgt die Polizei in enger Kooperation mit Behörden für die Verbrechensprävention, um bereits im Vorfeld mögliche Straftaten zu erkennen und zu verhindern.

Besondere Polizeieinsätze nach 1950 im Raum Erwitte: Polizeiwachtmeister, Banküberfälle, Geld-Raub usw.

Die Liste der hier beschriebenen Polizeiwachtmeister, Banküberfälle mit anschließendem Polizeieinsatz usw. erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, insbesondere fehlen Angaben zu vorbeugenden Aktionen wie etwa die Bewachung des fließenden Verkehrs von einer Verkehrskanzel aus, die in Erwitte an der Kreuzung B1 / B55 /Bahnlinie stand.

Die Aussagen – in chronologischer Reihenfolge gruppiert – basieren weitgehend auf öffentlich zugänglichen Pressemitteilungen der Polizei. Ein herzliches Dankeschön an einige Polizeibeamte und ehemalige Mitglieder der Volksbanken und Sparkassen. Ergänzungsvorschläge nehme ich gern entgegen.

1951: Polizeiwachtmeister

Im „Adressbuch für den Kreis Lippstadt und Umgebung“, Ausgabe 1951, wird für Westernkotten ein Mernitz, Georg, Polizei-Wachtmeister, Weringhauser Str. 2, erwähnt. [Seite 286]

1969: Überfall auf die Sparkasse in Horn

Franz-Josef Schröder aus Horn, lange Zeit führend bei der Volksbank tätig, schrieb mir per Mail am 03.09.2025: „Bei der Volksbank in Horn hat es, soweit ich mich erinnern kann, keine Banküberfälle gegeben. – Es gab wohl vor Jahren aber einen Überfall auf die Sparkasse in Horn. Dazu kann dir Heiner Maas sicher detaillierte Auskünfte geben. Er war indirekt als Zeuge beteiligt und wurde schwer verletzt. – Es gab vor Jahren mal einen Fehlalarm bei der Volksbank in Horn, daraufhin sind dann zwei Polizisten in die Bank gestürmt. – In der heutigen Zeit dürfte es schwierig sein, eine Bank zu überfallen. Die Banknoten sind teilweise mit Zeitschloss gesichert.“

Am 05.09.2025 habe ich dann Herrn Maas angerufen. Er konnte mir spontan Antwort geben, die ich hier erst einmal stichwortartig wiedergeben: Überfall am 8. August 1969, Patriot und Bild-Zeitung haben darüber berichtet, einem Postboten wurde in den Kopf geschossen, Täter hat er durch das Fenster seines Hauses auf der Flucht gesehen, Täter hat insgesamt vier Banküberfälle getätigt, Täter wurde später vor einem Gericht in Paderborn zu langer Haftstrafe verurteilt. Weitere Infos könnte mir sicherlich der Ortschronist Ulrich Raneck geben. –

Im Folgenden zwei Zeitungsartikel aus dem „Patriot“, die kurz nach der Tat erschienen[13]:

[Patriot, 9.8.1969]

„Zwei Spuren werden verfolgt – Maas nahm erste Nahrung auf. Konnte Sauerstoffzelt verlassen / Keine Spur von Pkw. Lippstadt (fs). Bis gestern am Abend hatte die Kriminalpolizei noch keine Spur von dem Täter oder von dem von ihm nach dem Banküberfall in Horn benutzten Pkw gefunden. Zwei verdächtige Männer, die man in Arnsberg festnahm, kamen nicht in Betracht. Sie hatten zwei Tage zuvor einen Raubüberfall unternommen. Die in Horn verwandten Projektile passten aber nicht zu den Waffen, die diese beiden Räuber bei sich hatten. – Gestern haben Beamte der Kriminalpolizei Lippstadt nochmals den Tatort besichtigt und das Feld, wo die beiden Verfolger niedergeschossen wurden, nach Geschossen untersucht. Es wurde nichts gefunden, was weitergeholfen hätte. Es ist auch der Kriminalpolizei schleierhaft, wie der Täter sich seine Flucht gedacht hatte. Da kein Wagen oder sonstiges „herrenloses“ Fahrzeug an oder in der Nähe der Sparkasse gefunden worden sind, muss angenommen werden, dass er zu Fuß fliehen wollte. – Die Kriminalbeamten gehen weiterhin jedem Hinweis nach, und sei er noch so klein. So verfolgt man zurzeit zwei Spuren, die möglicherweise Aufschluss geben könnten; aber die Chancen, den richtigen Täter zu finden, sind natürlich ungewiss. – Die beiden Opfer erholen sich glücklicherweise gut. Ulrich Canstein geht es den Umständen entsprechend gut. Er versicherte auch, dass er den Täter bei einer Gegenüberstellung ganz sicher wiedererkennen würde, gleich ob dieser eine Brille trage oder nicht. Heinrich Maas konnte am Sonntagmittag das Sauerstoffzelt verlassen. Er atmet aus eigener Kraft und kann Nahrung aufnehmen.“ [P, 12.08.1969]

1987 bis 1991: „Todeskurve“ in Bad Westernkotten führt zu zahlreichen Polizei-Einsätzen

In meinen Aufzeichnungen finde ich folgende Notizen: „Todeskurve“ 1987 – 1991 und erster Kreisel im Kreis Soest 1992: In drei Wochen drei Tote bei Hoppe-Klosebaum. Bei Hoppe-Klosebaum insgesamt fünf Tote und drei Schwerverletzte. Auf den Kreisstraßen in Bad Westernkotten insgesamt fünfzehn Unfälle 1987 – 1996. Acht Tote, vier Schwerverletzte und drei Verletzte. – Am 07.01.1992 konnte Kreistiefbauamtsleiter Martin Hochreuter den fertiggestellten Kreisel der Tageszeitung ‚Der Patriot‘ präsentieren.“

1990: Überfall auf die Sparkassen-Zweigstelle in Horn

Darüber berichtet der „Patriot“ am 27.07. und 03.08.1990. Auf der Titelseite vom 27. Juli heißt es: „Sparkassen-Überfall: Bewaffneter Täter erbeutet 15 000 DM – Erwitte-Horn. Bei einem Überfall auf die Sparkassen-Filiale in Horn erbeutete gestern ein Täter 15 000 DM. Der Bankräuber bedrohte den Zweigstellen-Leiter mit einer Pistole und zwang ihn zur Herausgabe des Geldes. Der Überfall spielte sich innerhalb von zwei Minuten ab. Der Täter, rund 20 bis 25 Jahre alt, suchte in seinem vor der Filiale geparkten Pkw in Richtung Soest das Weite. Die sofort eingeleitete Fahndung der Polizei, im Einsatz waren auch Hubschrauber, blieb bis Redaktionsschluss.“

Auf Seite 18 wird der Überfall detailliert geschildert und sogar ein Foto abgedruckt:

Bildunterschrift: Im Jubiläumsjahr erhielt die Zweigstelle der Sparkasse Erwitte-Anröchte in Horn gestern unwillkommenen Besuch. Um 9.30 Uhr drang der Bankräuber in den Kassenraum ein und flüchtete mit seiner Beute.

Und am 3. August heißt es u.a.: „Bankräuber nach nächtlicher Jagd in Oestinghausen gefasst – Engländer machte sich als wilder Camper verdächtig. Zeugen identifizieren Soldaten als Täter/Teil der Beute sichergestellt.“ [14]

1991: Überfall auf die Volksbank Bad Westernkotten am 28.8.1991

Die Tageszeitung berichtet darüber unter dem 29.8.1991 sehr ausführlich. Überschrift: Täter und Komplize fliehen auf Krad mit 44 000 DM Beute – 54jährige Volksbank-Kundin als Geisel genommen und mit Pistole bedroht – Ringfahndung der Polizei bisher erfolglos.

Bad Westernkotten (symo). Mittwochmorgen 9 Uhr, Tatort Volksbank Bad Westernkotten an der Osterbachstraße! Eine Stunde nach Öffnung der Bank betrat gestern ein mit einem schwarzen Motorradhelm mit aufgeklapptem Visier geschützter junger Mann (20 bis 25 Jahre alt) den Geschäftsraum, nahm sofort eine 54jährige Kundin mit dem linken Arm in den „Schwitzkasten“, drückte ihr mit der rechten Hans eine Pistole in den Rücken und lenkte sie zur Kassenbox. „Überfall, sofort Geld her“, lautet sein drohendes mehrmals wiederholtes Kommando an den Kassierer, der daraufhin die vorgehaltene Plastiktüte mit rund 44.000 DM füllte. Der Bankräuber ließ fluchtartig von seiner Geisel ab, verließ das Gebäude, vor dem bereits sein Komplize, ein ebenfalls schwarz behelmter Kradfahrer mit laufendem Motor auf ihn wartete. Das Duo flüchtete mit dem Krad, vermutlich eine 80er Yamaha, in Richtung Kirchplatz. Die sofort ein- geleitete Ringfahndung der Polizei— auch ein Hubschrauber war im Einsatz- blieb bisher noch ohne Erfolg. – Zum Zeitpunkt des Überfalles, der sich nach Zeugenaussagen in nur einer Minute abspielte, befanden sich sechs Bankangestellte sowie zwei Kunden in der Volksbank, der Leiter Werner Plümpe hielt sich in seinem Büro auf. Fast gleichzeitig drückten drei Bankangestellte den Alarmknopf, und auch die automatische Raumüberwachungsanlage war eingeschaltet, die der Polizei „auch gutes Bildmaterial für die Fahndung lieferte“ so der Lippstädter Kripo-Chef Erhard Naruhn.

Der 20 bis 25 Jahre alte Täter wird nach den Zeugenaussagen wie folgt beschrieben: Rund 1,65 Meter groß, schmächtige Statur. Er trug beim Banküberfall einen schwarzen Motorradhelm, einen Integralhelm mit hochgeklapptem Visier, eine Nickelbrille, hellblaue Jeansjacke, weiße Adidas-Turnschuhe und schwarze Handschuhe. Sein Komplize, der mit dem Krad direkt vor der Bad Westernkötter Bank wartete, war von wesentlich größerer Statur, zirka 1,80 Meter. Der rund 25 Jahre alte Kradfahrer war ebenfalls mit einem schwarzen Motorradhelm und einer schwarzen Jacke bekleidet. „Der Täter, war sehr nervös, und alles ging rasend schnell“, so der Leiter der Bad Westernkötter Volksbank, Werner Plümpe, im Gespräch mit unserer Zeitung, der von seinem Büro aus noch zum Zeitpunkt des Überfalles den Alarmknopf drückte. „Unsere Angestellten haben sich inzwischen beruhigt“ schilderte er weiter die Situation nach dem Banküberfall. Sichtlich mitgenommen war in erster Linie die 54jährige Kundin, die nach Angaben von Kripo-Chef Naruhn die Geiselnahme unverletzt überstand. – Zahlreiche Zeugenaussagen notierten die Polizeibeamten am Tatort an der Osterbachstraße von den Passanten, auch das Kennzeichen des Krad-Täterfahrzeuges konnte festgestellt werden. Kripo-Chef Erhard Naruhn: „Dabei handelt es sich allerdings um ein Kennzeichen, das kurz vor dem Überfall einem Pkw-Fahrer in Erwitte gestohlen wurde.“ Im Zuge der Ringfahndung der Polizei wurden gestern zahlreiche Motorradfahrer in weitem Umkreis des Tatortes gestoppt und überprüft, die Ermittlungen nach dem Bankräuber und seinem Komplizen laufen auf Hochtouren. „Wir hoffen, dass wir Täter und Mittäter auch aufgrund des Fotomaterials schnell ermitteln können.“ – Nach der Art und Weise, wie sich der Überfall auf die Volksbank Bad Westernkotten abspielte, lassen sich Parallelen zu einem Überfall auf die Volksbank-Filiale in Bad Sassendorf ziehen, der sich am Donnerstag, 13. Juni, ereignete. Auch hier war ein Krad, gestohlen in Erwitte, im Spiel, und der noch nicht gestellte Täter wurde als schmächtig beschrieben. Kripo-Chef Naruhn: „Auch dieser Umstand wird untersucht.“

1993: Bankraub in der Sparkasse in Erwitte – Kassiererin mit Waffe bedroht[15]

Bankräuber erbeutet 55 000 DM – Erwitte. (mig/uwe) Dreister Bankraub in Erwitte: Beim Überfall auf die Sparkasse an der Lippstädter Straße hat ein maskierter Täter gestern gegen 17.50 Uhr rund 55 000 DM erbeutet. Der Mann, der die Kassiererin mit vorgehaltener Waffe zur Herausgabe des Geldes zwang, flüchtete unerkannt in einem blauen BMW über die Bundesstraße 55 in Richtung Anröchte. Im Fahrzeug, das vor der Bank abgestellt war, wartete ein Komplize.

Wie Pressesprecher Föhring von der Soester Kreispolizei gestern Abend mitteilte, hatte der maskierte Bankräuber die Schalterhalle betreten und eine Kassiererin zur Herausgabe der 55 000 DM gezwungen, indem er sie mit einer Handfeuerwaffe bedrohte. Das Geld verstaute er übrigens in einem schmuddeligen Leinenbeutel mit roten Zeichen. Er hatte zuvor bereits einen Kunden mit der Pistole zum Stehenbleiben genötigt. Der Täter, der einwandfreies Deutsch spricht, soll ca. 1, 65 bis 1,70 Meter groß und 20 bis 25 Jahre alt sein. Er hatte sein Gesicht zur Tatzeit mit einer Sturmmaske (Sehschlitze und Mundausschnitt) verdeckt. Er trug blaue Jeans und einen dunklen Mantel mit gemustertem Rückenteil. – Nach dem Überfall verließ der Unbekannte die Bank. Er floh in einem blauen BMW (Kennzeichen PB-RK 56) über die Bundesstraße in Richtung Anröchte. Der Wagen, in dem ein Komplize wartete, stand während des Überfalles vor dem Bankgebäude. Das Auto, so Föhring, ist bereits vor Wochen in Bad Lippspringe gestohlen worden. – Unmittelbar nach dem Banküberfall begann die Polizei mit großem personellem Aufgebot vor Ort mit den Ermittlungen. Weitere Einzelheiten waren bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Mit vorgehaltener Pistole zwang der Bankräuber gestern Abend die Kassierer der Erwitter Sparkasse zur Herausgabe des Geldes. Etwa 55 000 Mark erbeutete der Täter, der unbekannt durch den Haupteingang entkommen konnte. Auf dem Parkplatz wartete bereits ein Komplize im startbereiten Pkw.

1994: Sparkassenüberfälle wohl aufgeklärt

Im „Patriot“ vom 15. Juli 1994 ist zu lesen: „Mutmaßlicher Bankräuber wohnte vor der Flucht in Erwitte – Überfallserie scheint aufgeklärt – Von 200 000-DM-Beute fehlt noch jede Spur / 38jähnger verweigert Aussage. Erwitte. Die Banküberfallserie, die in der zweiten Jahreshälfte 1993 für Schlagzeilen sorgte, und bei der insgesamt weit über 200 000 DM erbeutet wurden, scheint aufgeklärt. Mindestes fünf Raubzüge, darunter die Überfälle auf die Sparkassen in Bad Westernkotten und Erwitte sowie zwei außerhalb des Kreisgebietes in Delbrück-Westenholz und Oeventrop, sollen auf das Konto des 38jährigen Rolf L. gehen, der nach sieben Monaten ‚auf der Flucht‘ von der Polizei am letzten Samstag in Köln gefasst wurde (wir berichteten) und zuletzt in Erwitte wohnte. Der mutmaßliche Mittäter Martin S. ging bereits im Dezember ins Netz. 20 000 DM wurden nach Polizeiangaben am 2. Juli 1993 bei dem Überfall auf die Sparkasse in Bad Westernkotten erbeutet. Am 28. Oktober standen die Bankräuber an der Erwitter Sparkasse vor verschlossenen Türen, verhinderte die pünktliche Kassenschließung den geplanten Überfall. Knapp zwei Wochen später, am 11. November 1993, waren die Täter allerdings ‚erfolgreich‘, da sie sich an die Öffnungszeiten hielten und beim Raubzug ca. 100 000 DM mitgehen ließen. Als Tatfahrzeug wurde ein BMW benutzt, der später an der A 44 im Bereich Steinhausen abgestellt wurde. Dieser Wagen war auch bereits beim „Versuch“ verwendet worden. Die Banküberfallserie ging am 23. Dezember 1993 zu Ende, so die Polizei, als nach einem versuchten Überfall in Delbrück-Westenholz im Rahmen einer ausgelösten Ringfahndung ein Pkw verfolgt wurde. Damals konnten die Beamten den 32jährigen vermeintlichen Mittäter Martin S. festnehmen — der 38jährige Rolf L. konnte flüchten und war seit dieser Zeit untergetaucht. Am Samstag der letzten Woche schnappte dann doch die Falle zu. Der 38jährige wurde durch ein Zielfahndungskommando des Bundeskriminalamtes (BKA) in Köln gestellt. Auf Anforderung der örtlichen Polizei war das BKA vier Wochen lang tätig geworden und hatte sich auf die Spuren des Bankräubers geheftet. Nach der Festnahme fuhren Beamte der Polizei Soest und Paderborn zum Unterschlupf von Rolf L. in Herne und durchsuchten die Wohnung, ohne allerdings auf größere Geldbeträge zu stoßen. Entdeckt wurden allerdings Blankoformulare und ein Dienstsiegel einer Kreisverwaltung. Damit, so die Polizei, hatte sich der 38jährige falsche Papiere beschafft. Zu den ihm vorgeworfenen Strafdaten verweigert der gefasste mutmaßliche Bankräuber derzeit noch jede Aussage. Aufgrund des bestehenden Haftbefehls wurde er in eine Kölner JVA eingeliefert. – Das Strafverfahren, in dem sich Rolf L. und Martin S. für die vorgeworfenen fünf Straftaten verantworten müssen, soll vermutlich Ende des Jahres vor dem Landgericht Paderborn eröffnet werden. Zuständig für die Anklage ist die dortige Staatsanwaltschaft.“

1994: Nächtlicher Einbruch in Sparkasse Erwitte

Am Montag, 29.8.1994, stand folgender Artikel im „Patriot“: „Täter brachen 160 Kundenschließfächer auf / Schadenshöhe bisher nicht feststellbar. Erwitte. Etwa 160 Kundenschließfächer brachen unbekannte Täter in der Nacht zu Sonntag zwischen 18 und 10.45 Uhr in der Sparkasse Erwitte auf. Durch ein Kellerfenster, das sie mit einem Stein einwarfen, gelangten sie ins Kellergeschoß und von dort ins Erdgeschoss, wo sie sich die Schließfächer Vornahmen. Den Inhalt, persönliche Papiere, Fahrzeugscheine, Sparbücher etc. trugen sie in einen Nebenraum. Die Polizei vermutet, dass sie es gezielt auf Bargeld abgesehen hatten. Weiterhin wurden im Kassenbereich mehrere Schränke und Schubladen aufgebrochen. Was genau entwendet wurde, ist bisher nicht feststellbar, der angerichtete Sachschaden je doch erheblich. Polizeisprecher Winfried Schnieders geht davon aus, dass die Täter nicht geräuschlos gearbeitet haben und bittet mögliche Zeugen, die etwas Verdächtiges bemerkt haben, sich an die Polizei zu wenden.“

2003: Liste von Polizeieinsätzen aus meiner Ortschronik

8.1.: Einbruch in eine Gaststättenwohnung an der Weringhauser Straße. [P10.1.] – 12.1.: Fünf Wohnungseinbrüche im Heilbad, vor allem in der Lindenstraße. Die Bevölkerung ergreift eine gewisse Unruhe. [P14.1.] – 29.1.: Einbruch in die Tagesstätte „Regenbogen“. [P30.1.] – 5.2.: Mehrere Einbrüche (Westerntor und Mühlenweg). [P6.2.] – 18.2.: Erneut zwei Einbrüche (Schreinerei Schütte und Kindergarten Abenteuerland). [P20.2.] – Mitte Mai: Zusammenstoß eines Motorrades und eines Taxis auf der Westernkötter Straße an der Einmündung Schäferkämper Weg. [P19.5.] – Ende Juli: 4 junge Erwachsene dringen bei einer Mutprobe in ein leerstehendes Haus im Fredegras ein. [P29.7.] – August: Zwei Mal rauben 18-20jährige Radfahrer Frauen ihre Handtasche aus dem Fahrradkorb. [P9.u.15.8.] – Ende August: Ein neunzehnjähriger Erwitter wird gefasst, der mehrere Handtaschenraube zugibt. [P28.8.] – 24.9.: Nächtliche Einbrüche u. a. in das Feuerwehrgerätehaus und das Pfadfinderhaus sowie in zwei Kindergärten. [P25.9.] – –             5.10.: Verkehrsunfall beim Überqueren des Solerings.- [P7.10.] – 12.10.: Ein 10-jähriger Junge wird in Bad Westernkotten vermisst, aber noch am selben Abend unversehrt wieder gefunden. [P14.10.] – 16.10.: Ein Ehepaar aus Halle verunglückt tödlich beim Abbiegen von der Aspenstraße in die B 1. [P17.10.] Kritischer Leserbrief dazu von Hermann Blanke. [P22.10.] – Die Polizei übt mit den Grundschulkindern den sicheren Schulweg ein. [P21.10.] – Anfang November: Versuchter Diebstahl eines vermummten Radfahrers im Kurpark. [P10.11.] – 27.11.: Schwerer Auffahrunfall im Bereich des ehemaligen Westernkötter Bahnhofs. [P28.11.] – 5.12.: Einbruch in eine Pension in der Stadtgasse. [P8.1.] – In der Weihnachts-Nacht fährt eine Frau mit ihrem PKW irrtümlich vom Schäferkämper Weg auf eine Ackerfläche und wird erst nach Stunden unterkühlt aufgefunden. [P27.12.]

2018: Banküberfall an der Erwitter Straße in Lippstadt war nur eine Falschmeldung

Im „Patriot“ vom 1.9.2018 heißt es dazu: „Ist das die übliche Einsatztaktik der Polizei? Von oben, von unten, von allen Seiten, mit Riesen-Tamtam? Die zwei flüchtigen Schuljungen aus Soest, die am Mittwoch ohne Führerschein mit einem gestohlenen Auto ausgerissen sind, hätten sich wohl nicht träumen lassen, dass dieses Vergehen in einer so wilden, fast filmreifen Verfolgungsjagd gipfeln würde. Ob man für so etwas wirklich so ein Großaufgebot samt Polizeihubschrauber benötigt? Diese Frage stellten sich am Mittwoch nicht wenige Mitbürger. Polizei-Pressesprecher Wolfgang Lückenkemper sagte auf Patriot-Nachfrage auch zwei Tage danach klipp und klar: „Ja.“ Man habe zunächst nicht gewusst, welchen Hintergrund das hatte. Hinterher sei man immer schlauer, so Lückenkemper. Die sozialen Medien jedenfalls spielten ob der spektakulären Aktion verrückt. Schnell war von einem Banküberfall an der Erwitter Straße die Rede. Hätte ja auch viel besser zu diesem Großeinsatz gepasst.“

2021: Banküberfälle werden weniger

Im „Patriot“ vom 16. November 2021 war unter „Wirtschaft und Verbraucher“ folgender Artikel zu lesen:

Die Einleitung fasst die Entwicklung klar zusammen: „Einst Alltag, heutzutage ein Verbrechen mit Seltenheitswert: der Banküberfall. Doch das bedeutet nicht, dass das Finanzwesen sich mittlerweile vor Gangstern in Sicherheit wiegen könnte – im Gegenteil. Die Verbrecher sind weniger gewalttätig geworden, aber klüger. – Bankräuber sind in Deutschland nahezu ausgestorben: Die Zahl der Überfälle auf Banken, Sparkassen und auch Postfilialen ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um 95 Prozent gesunken. Im Jahr 1993 zählte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden noch 1623 Überfälle auf Geldinstitute und Poststellen, im vergangenen Jahr waren es lediglich 80, wie die Zeitreihen der Behörde zeigen.“

2022: Kriminalität im Kreis Soest auf Rekordniveau

Im „Patriot“ vom 22. Februar 2023 war folgender Text zu lesen:

Wichtiges Schlusskapitel: „Die Täter sind schnell, sowohl bei der Tatausführung als auch auf der Flucht. Bei der Sprengung des Geldautomaten im Kaufland Ende 2022 waren die Täter „nur knapp eine Minute im Objekt, dann waren die weg“, so Kripo-Vize Oliver Topp. Vor allem in der Vorweihnachtszeit können sie auf fette Beute hoffen, weil dann die Automaten gut gefüllt sind. Die Beute sei beträchtlich, jedenfalls höher als früher beim „klassischen“ Banküberfall. Bei Tätersuche und -verfolgung – bislang ist keine der Sprengungen im Kreis Soest aufgeklärt – „stoßen wir an unsere Grenzen“. Auf der oft halsbrecherischen Flucht in hochmotorisierten Wagen seien die meist aus Holland einreisenden Täter „schneller als der Polizeihubschrauber“.

2023: Taschendiebstahl und EC-Kartenbetrug in der Volksbank Bad Westernkotten

Aus meiner Chronik habe ich folgende Überschriften aus dem „Patriot“ übernommen: Exhibitionist belästigt Frau im Kurpark [P, 1.2.23], Weiterer Mann entblößt sich im Kurpark [P, 3.3.], Auto erheblich beschädigt und abgehauen [P, 10.3.], Auto erheblich beschädigt und abgehauen [P, 14.3.], Einbruch durch das Kellerfenster [P, 17.3.], „Scheiß Kanake – Rentner (78) vor Gericht [P, P3.5.], Täter flüchtet nach Unfall [P, 3.6.], Schlägerei auf Westernkötter Schützenfest [P, 21.7.], Dieb klaut Geldkassette aus Heilbad-Hotel [P, 29.08.2023], Diebe erbeuten Staubsaugerbeutel [P, 2.11.]

Über das Presseportal der Polizei NRW fand ich folgende Information: „Am 12. Dezember 2023, gegen 12:20 Uhr, wurde eine 85-jährige Frau in der Volksbankfiliale in Bad Westernkotten beim Eingeben ihrer PIN ausgespäht (Täter 1). Danach wurde ihre EC-Karte durch eine zweite Person entwendet (Täter 2). Ab 12:39 Uhr wurden mit der Karte fünf unberechtigte Verfügungen durchgeführt; Täterbeschreibungen Täter 1: männlich, schwarze Haare, dunkle Augen, schlank, trug blaue Jeans, dunkle Turnschuh e mit weißer Sohle, dunkle Jacke. Täter 2: männlich, dunkle Haare, schlank, trug blaue Jeans, beige Turnschuhe, dunkle Jacke, Base-Cap.“

2025: Einbruch in ein Auto in der Straße „Zur Landwehr“ am 13./14.7.

„In der Zeit zwischen Sonntagnachmittag, 16 Uhr, und Montagmorgen, 6 Uhr, wurde in der Straße „Zur Landwehr“ in Erwitte-Bad Westernkotten eine Geldbörse aus einem Auto gestohlen. Das Fahrzeug habe nach Angaben des Besitzers in der Hauseinfahrt gestanden und sei sicher verschlossen gewesen. Möglicherweise nutzten der oder die Täter die Keyless-Entry-Technologie aus, um das Fahrzeug zu öffnen. Im Portemonnaie befand sich unter anderem eine Debitkarte, mit der nach der Tat Waren im Wert von 90 Euro gekauft wurden. Die Polizei sucht nun Zeugen, die Angaben zu dem Diebstahl machen können.[16]

2025: Dreister Trickbetrug am Telefon: Täter erbeuten wertvolle Goldmünzen von Seniorin (86) aus Bad Westernkotten – Seniorin (86) wird Opfer eines Trickbetrugs am Telefon

„Bad Westernkotten/Anröchte – Dreiste Betrüger haben eine 86-jährige Seniorin aus Bad Westernkotten um wertvolle Gold- und Silbermünzen erleichtert. Nach Angaben der Polizei beläuft sich der Wert der Beute auf einen fünfstelligen Bereich. – Um an die Münzen zu kommen, wendeten die Täter am Dienstag einen perfiden Trick an. Die Seniorin erhielt gegen 14.40 Uhr einen Anruf. Dabei meldete sich die vermeintliche Nichte der Frau unter Tränen. Daraufhin übernahm eine andere Frau das Gespräch, die sich als Kriminalpolizistin Julia Jakob ausgab. – Die Beamtin habe berichtet, dass die Nichte vor wenigen Stunden einen Verkehrsunfall verursacht habe, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen seien. Um eine Verhaftung zu verhindern, benötige die vermeintliche Kriminalpolizistin nun eine Bürgschaft. Die 86-Jährige solle möglichst viel Bargeld oder Wertgegenstände sammeln, auf die sie direkten Zugriff habe – und keinesfalls Kontakt zu ihrer Bank aufnehmen. – Die Bad Westernkötterin fuhr später nach Anröchte und fand sich am vereinbarten Übergabeort vor einem Restaurant an der Hauptstraße ein. Dort sei gegen 16.30 Uhr ein Mann aufgetaucht, der als Mitarbeiter des Amtsgerichts angekündigt worden sei. Ihm überreichte die Geschädigte eine grüne Tragetasche mit der Aufschrift „Laufgut“. Darin befanden sich die wertvollen Gold- und Silbermünzen. – Den Mann beschrieb die Seniorin wie folgt: Er sei etwa 30 Jahre alt und habe kurze schwarze Haar. Der Täter trug zum Zeitpunkt der Übergabe ein gelbes Oberteil. Zeugen, die am Dienstag gegen 16.30 Uhr verdächtige Beobachtungen an der Hauptstraße in Anröchte gemacht haben oder Angaben zu dem beschriebenen Mann machen können, sollten sich bei der Polizei unter Telefon (0 29 21) 91 00 0 melden. – Übrigens: Einen ähnlichen Fall hat es ebenfalls am Dienstag in Belecke gegeben. Dort erhielt eine 88-Jährige einen Anruf von einem vermeintlichen Beamten der Polizei Köln. Er habe berichtet, dass die Tochter der Frau einen Verkehrsunfall verursacht habe, bei dem ein Kind gestorben und dessen Mutter schwer verletzt worden sei. Nachdem die angebliche Tochter am Telefon weinend von dem Vorfall berichtet habe, habe ihr „Anwalt“ das Gespräch übernommen und die Seniorin aufgefordert, einen fünfstelligen Geldbetrag von der Bank abzuheben. Dem schob ein aufmerksamer Mitarbeiter des Kreditinstituts jedoch den Riegel vor: Er bemerkte den Betrug und verhinderte somit die Geldübergabe.

Am Telefon gaben sich die Täter als Polizisten aus. – Symbolfoto: Ulrike Dietz, Der Patriot[17]

Die Polizei in Erwitte heute[18]

Das Büro des Bezirksbeamten befindet sich im Rathaus von Erwitte. Davor hatte der damalige Bürgermeister Peter Wessel (Bürgermeister bis 2020) gesorgt, weil die Aufgaben zwischen Stadt als Sozial- und Ordnungsbehörde und der lokalen Polizei gebündelt werden sollten. Vorher befand sich das Büro unmittelbar an der Laurentiuskirche an der Straße Kirchgraben. Und noch davor waren die Polizeiräume Polizei-Räume im Kellerbereich des alten Rathauses untergebracht. Im Alten Rathaus (Markt 15) — dem 1716 als kurkölnisches Gerichtsgebäude errichteten Haus — gab es sogar eine Kerker-/Arrestzelle; an der Außentreppe befindet sich außerdem noch ein älteres Halseisen, und im Kerker wird ein großer Stein mit Kette erwähnt, an welchem die Verbrecher/Gefangenen angeschlossen wurden.

Oberster Vorgesetzter der Polizei in NRW ist der jeweilige Innenminister, derzeit also Dr. Herbert Reul. Der politische Vorgesetzte der Polizei im Kreis Soest ist der Landrat, derzeit also Heinrich Frieling. Der derzeitige oberste Polizeibeamte der Kreispolizeibehörde im Kreis Soest ist Polizeidirektor Benjamin Aufdemkamp. Er übernahm diesen Posten zum 1. Oktober 2024, nachdem sein Vorgänger, Thomas Link, nach vier Jahren im Amt in den Ruhestand gegangen war. Aufdemkamp ist damit formal Leiter (Abteilungsleiter) der Kreispolizeibehörde Soest und gilt in dieser Funktion als ranghöchster Polizeibeamter im Kreis.

Wenn jemand also die Polizei über die Nummer 110 erreichen will, wird er mit der Leitstelle in Soest verbunden. In aller Regel kommt man sofort durch, es findet also kein Blockieren durch zu viele Anrufer statt. Von dort wird dann im Bedarf die Polizeistation in Lippstadt informiert, die dann den weiteren Einsatz z.B. durch den Einsatz eines Streifenwagens übernimmt.

Derzeitiges Ordnungsschema ist, für jeweils etwa 10.000 Einwohner einen Bezirksbeamten festzulegen. Da Erwitte über 16.000 Einwohner hat, wollte man vor einigen Jahren Bad Westernkotten an Lippstadt ankoppeln. Aber aus Gründen der klareren Zuständigkeiten (gleiches Ordnungs- und Sozialamt, ein Bürgermeister = gleicher Zuständigkeitsbereich des Bezirksbeamten) blieb es bei der heutigen Lösung, die allgemein als gut und wünschenswert angesehen wird. So klappt es mit der Abstimmung/gegenseitige Beratung/Kindergarten- und Schulbetreuung usw. zwischen Stadt Erwitte und Bezirksbeamten sehr gut, wenn es etwa um Sozial- oder Ordnungsamtsdelikte und Straftaten oder Konflikte etwa im Kurpark Bad Westernkotten geht. Jede Woche zum Beispiel fährt ein Vertreter des Ordnungsamtes mit dem Bezirksbeamten durch einen bestimmten „Problembereich“, um gemeinsam die Dinge zu regeln und mögliche Probleme im frühen Stadium zu lösen, auch etwa mit Flüchtlingen. „Ich fühle mich oft mehr als Sozialarbeiter denn als Polizist“, so Rainer Walter, der aus Überzeugung und mit viel Hingabe diesen Dienst erfüllt. Und „Erwitte mit seinen 15 Stadtteilen ist wirklich keine Hochburg des Verbrechens, wenngleich unsere – oft prophylaktische – Arbeit sehr wichtig ist!“

Kurzes Fazit

Banküberfälle sind auch in unserer Region deutlich weniger geworden. So ist auf Tagesschau.de am 14.10.2025 zu lesen: „In NRW gab es dieses Jahr bislang nur 21 Sprengattacken auf Geldautomaten – das ist die niedrigste Zahl seit fünf Jahren. Das LKA führt den Rückgang auf neue Sicherungstechnik wie Farb-Kleb-Patronen und Nebel, intensive Fahndung sowie grenzüberschreitende Zusammenarbeit zurück. Laut Landeskriminalamt (LKA) wurden in NRW in diesem Jahr bisher nur 21 Geldautomaten gesprengt – so wenige Fälle wie seit fünf Jahren nicht mehr. Im gleichen Zeitraum 2020 meldete das LKA noch 157 Vorfälle, 2023 waren es 153, 2024 noch 44. Auffällig: In diesem Jahr blieben die Monate März und August komplett ohne Meldungen. Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist dem LKA zufolge die bessere Sicherungstechnik. Automaten sind zunehmend mit Farb-Kleb-Patronen ausgestattet, die Geldscheine bei einer Explosion einfärben und so unbrauchbar machen. Zusätzlich rüsten Banken vermehrt mit Nebelmaschinen und anderen Hemmnissen nach.“

Aber ein Banküberfall auf eine Sparkasse in Gelsenkirchen Ende 2025 hat meine Einschätzung doch wieder verändert. Attentäter lassen sich immer wieder neue Tricks einfallen…

Gangster erbeuten aus Tresorraum 30 Millionen Euro [Foto: Polizei]

Ist unsere Welt insgesamt friedlicher geworden? – Ich wage es zu bezweifeln und denke nicht zuletzt an all die Kriege, Entwicklungs-, Natur- und Umwelt-/Klimakatastrophen. Und ist „hybride Kriegsführung“ nicht oft deutlich gewalttätiger als ein Bankraub? –

Hoffen wir, dass es in unserem Städtchen – und möglichst in allen Teilen der Welt – zu immer mehr Einsicht in Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung kommt!


[1] Herzlichen Dank für Infos unserem derzeitigen „Dorfsheriff“ Rainer Walter, Jürgen Bergmann sowie Anton Kemper und Adolf Schröer von der „Rentnertruppe“ für etliche Infos.

[2] Literatur zum Thema „Polizei“: Marcus, Wolfgang: Polizeidiener und Flurschütz für die Gemeinden Westernkotten, Eikeloh und Böckenförde im Jahre 1835; Erstabdruck: Aus Kuotten düt und dat…Nr. 29, 1990; Marcus, Wolfgang, Durch den Gemeindevorsteher verfügte Polizeistrafen in Westernkotten 1844-46; in: Lippstädter Heimatblätter 71 (1991), S. 24; Marcus, Wolfgang: Unfälle und Polizei-Einsätze in Westernkotten im Jahre 1907: Mordtat und Absturz; Erstabdruck; HP wolfgangmarcus.de, Aufsätze 2023; Mues, Willi, Aus dem “Patriot“ vor 100 Jahren: Polizeibericht – Diebstahl in der Bahnhofsgaststätte; in: Vertell mui watt Nr. 308 (2006); Mues, Willi, Aus dem „Patriot“ vor 100 Jahren: Polizeiberichte: Säuglingsmord und tödlicher Absturz auf dem Domhof; in: Vertell mui watt, Ausgabe 331 (2007); o. V.: Tagung für Elternkreise drogenabhängiger Kinder und Jugendlicher in Westfalen-Lippe zum Thema Elternkreise und Polizei – wie geht man miteinander um? – vom 16. – 18. November 1984 in Bad Westernkotten; 1984 Münster [u.a.]; Landschaftsverb. Westf.-Lippe, Abt. Gesundheitswesen, Koordinationsstelle f. Drogenfragen u. Fortbildung [Umfang 52 S.]

[3] Marcus, Wolfgang: 1903- 2003: 100 Jahre Volksbank Bad Westernkotten Ein Beitrag zur Geschichte des Sparwesens im Raum Lippstadt, in: Lippstädter Heimatblätter 84 (2004), S.81ff.

[4] Vgl. den Aufsatz im Jahrbuch Bad Westernkotten, 2025/26, S. 152ff.

[5] Anruf von Herrn Wenge am 27.08.25: keine Unterlagen und Kenntnisse

[6] Bachmann, Gregor: 22 Polizeieinsätze – Ein Jugendbuch, Tectum Verlag Marburg. Herzlichen Dank an seinen Sohn Joachim und an Martin Niehaus aus Horn, die mir das Buch leihweise zur Verfügung gestellt haben.

[7] Die Texte können bei Interesse gern in meinem Bestand eingesehen bzw. kopiert werden.

[8] aaO. S. 46

[9] Erstabdruck: Aus Kuotten düt und dat…Nr. 29, 1990

[10] Erstabdruck: Heimatblätter LP 1991, S.34

[11] Ebd. S. 82

[12] Mues, Willi: Vor 100 Jahren in Erwitte und Umgebung, in: Vertell mui watt Nr. 308 (2006)

[13] Patriot, 9.8.1969; Patriot, 12.8.1969

[14] Herzlichen Dank an Ulrich Raneck aus Horn, der mir die Dateien am 17.09.2025 zur Verfügung stellte.

[15] Der Patriot, 12.11.1993

[16] https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/65855/6076730

[17] Der Patriot, 03.07.2025

[18] Wichtige Informationen hierzu von Rainer Walter in einem Gespräch am 16.12.2025