Brunnenkur und Sommerlust. Gesundbrunnen und Kleinbäder in Westfalen

Kasper, Fred, Brunnenkur und Sommerlust. Gesundbrunnen und Kleinbäder in Westfalen, Bielefeld 1993

Erwitte-Westernkotten (Kr. Soest)

Solebad

Salinen sind in Westernkotten an verschiedenen Solequellen seit dem 11. Jahrhundert belegt.

Der letzte Siedebetrieb stellte erst 1949 seinen Betrieb ein.

1842 erbohrte der Rentmeister Erdmann in seinem Garten eine Solequelle, an der er einen nur in den Sommermonaten geöffneten Badebetrieb einrichtete. Er ließ durch einen Pferdegöpel die Sole in eine eiserne Pfanne von 8 x 10 Meter Bodenfläche pumpen, die in einer Scheune aufgestellt war. Dort wurde sie dann ähnlich wie in den Siedehäusern mit Kohlenfeuerung erhitzt. Die Sole wurde anschließend in die drei bestehenden Wannen geleitet.

1850 wird der Betrieb mitsamt der zugehörigen Gaststätte an Robert Jesse verpachtet. Die Badegäste wohnen privat. 1861 pachtet A. Bergmann den Betrieb. 1871 kauft die Anlage Friedrich Carl Wiese aus Erwitte. Die maschinellen Anlagen des Bades werden ausgebaut und die Anzahl der Wannen nach und nach auf 18 erhöht.

1893 wird der Pferdegöpel durch eine Dampfmaschine ersetzt. Um 1914 beginnt man auch Kinderkuren durchzuführen.

1920 wird eine gusseiserne Leitung von der 1845 erbohrten Solequelle an der Gieseler zum Badehaus gelegt, doch stand diese reich fließende Sole erst nach der Stilllegung des letzten Siedehauses der Saline 1949 ganz dem Badebetrieb zur Verfügung.

1945 erwirbt der Provinzialverband Westfalen den Badebetrieb, um bei der Gesundheitsvorsorge einen Ausgleich zu den zahlreichen, durch die Besatzungsmächte beschlagnahmten Kurorte bieten zu können. Nach Auflösung der Saline gelingt es einem Zusammenschluss von verschiedenen Gebietskörperschaften unter dem Namen „Solbad Westernkotten GmbH“ 1949 große Grundflächen, die Solerechte und die Betriebsanlagen zu erwerben.

Ab 1949 wurde der Badebetrieb systematisch ausgebaut und ein großer Kurpark mit Kurhaus, Kurhalle, Solebewegungsbad, Moorbad u.a. angelegt. Heute sind allein in den drei Sanatorien über 330, insgesamt im Ort ca. 900 Betten vorhanden.

1986 kamen 8.000 länger verweilende Kurgäste, die 327.000 Anwendungen erhielten. [Friedrich 1987; Emons 1988, S.195]